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Wie verändert uns Corona? - Von der Präsenzkultur zur Vertrauensarbeit

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Viele Unternehmen ermöglichen Beschäftigten in der Corona-Pandemie verstärkt oder erstmals Arbeit daheim. Um was müssen sich Arbeitgeber beim Homeoffice kümmern? Ein Überblick.

Eine Frau im Homeoffice. Symbolbild
Eine Frau im Homeoffice. Symbolbild
Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Homeoffice hat Hochkonjunktur: Einer Studie der Krankenversicherung Pronova BKK zufolge arbeiten 44 Prozent der Beschäftigten in der Corona-Pandemie mehr als bislang oder erstmals in den heimischen vier Wänden. Der Trend setzt sich fort.

Gesetzlicher Rahmen für mehr mobiles Arbeiten

Denn Bundesregierung und Länder rufen Arbeitgeber dazu auf, ihren Beschäftigten jetzt, "wo immer es geht", unbürokratisch die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen, wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) es formuliert.

Gekappte Lieferketten, lahmgelegte Branchen: Als die Corona-Krise Deutschland erreicht, trifft sie die globalisierte Wirtschaft hart. Die Risiken der globalen Vernetzung werden deutlich.

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Mit dem Entwurf zum neuen "Mobile-Arbeit-Gesetz" will Heil zudem einen "modernen Ordnungsrahmen" für künftiges Arbeiten im Homeoffice schaffen. Noch gilt im Grundsatz, dass Arbeitnehmer keinen Anspruch haben, ihre Arbeitsleistung "außerhalb der Betriebsstätte" zu erbringen. Etwas anderes gilt nur, wenn sich ein solches Recht aus dem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergibt.

Homeoffice kann aus Fürsorgepflicht angeordnet werden

Um seiner Fürsorgepflicht gegenüber dem Beschäftigten nachzukommen, kann der Arbeitgeber in Einzelfällen ein Arbeiten im Homeoffice anordnen, etwa dann, wenn es ein erhöhtes Risiko im Betrieb gibt - zum Beispiel durch Infektionsfälle oder begründete Verdachtsfälle in der Belegschaft.

Mit Blick auf die arbeitsschutzrechtliche Lage sind sich Regierung und Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) derzeit einig darin, dass Einsätze im Homeoffice - wenn nötig - auch über einen längeren Zeitraum unbürokratisch möglich sein sollen.

Arbeitgeber müssen Kosten für Arbeitsmittel im Homeoffice tragen

Unbürokratisch heißt aber nicht völliger Wildwuchs: So müssen Arbeitgeber Arbeitsmittel wie Laptop und Telefon zur Verfügung stellen und die Kosten dafür tragen. Gleiches gilt für Verbrauchsmaterial wie Stifte, Papier oder Druckerpatronen.

Um bei zusätzlich anfallenden Kosten für Wasser, Strom und Heizung nicht in Streit zu verfallen, empfiehlt Rechtsanwalt Dominic Hauenstein "Pauschalzahlungen" vom Arbeitgeber. "Oftmals werden hier Beträge zwischen 25 Euro und 50 Euro vereinbart", so Hauenstein.

Große Werbeagentur schafft Präsenzpflicht dauerhaft ab

Während etliche Arbeitgeber noch mit der Arbeitsorganisation ohne Präsenzpflicht hadern, hat die Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen" diese inzwischen komplett abgeschafft. Das soll auch für die Zeit nach der Pandemie gelten.

Die Agentur setzt auf gute Software und Teamwork. In einem "Manifest" für die Arbeit der Zukunft heißt es unter anderem: "Wir vertrauen dem kreativen Kollektiv", "Arbeit ist kein Ort". Und: "Wir bleiben in Verbindung".

Welche Rechte haben Arbeitnehmer im Homeoffice? Dazu ZDF-Rechtsexperte Felix Zimmermann.

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - denken sich dagegen viele andere Arbeitgeber und wollen die Arbeit im Homeoffice vertraglich genau regeln.

Rechtsanwalt Sören Siebert hält dies für eine gute Idee, wenn Mitarbeiter es nicht gewohnt seien, "längere Zeit ohne den Austausch mit Kollegen oder Vorgesetzten eigenverantwortlich zu Hause zu arbeiten".

Keine "Dauerschalte" mit den Mitarbeitern

Bei der Zusammenarbeit muss es ein vertrauensvolles Miteinander geben. Arbeitnehmer müssen zwar zu Hause die gleiche Arbeitszeit wie im Büro leisten und das dokumentieren. Arbeitgeber dürfen die Beschäftigten auch mehrfach am Tag kontaktieren, aber nicht dauerhaft etwa per Webcam überwachen.

Statt Präsenzkultur wird Vertrauensarbeitszeit plötzlich zum großen Thema. Der Düsseldorfer Betriebswirtschaftsprofessor Christoph Süß sieht die Arbeitswelt nicht nur Corona-bedingt in einem großen Transformationsprozess. Er sagt:

Viele Unternehmen befinden sich in einem Kulturwandel, weg von der Präsenzkultur, hin zu Vertrauensarbeit und einer neuen Führungskultur.
Christoph Süß

Die Pandemie sei nicht der Auslöser dieses Wandels, habe die Entwicklung aber "rasant beschleunigt".

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