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Firmen umgehen Verordnung - Wer ins Homeoffice will, wird gefeuert

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Etliche Arbeitgeber bestehen trotz der neuen Homeoffice-Verordnung auf Präsenz im Büro. Manche Chefs drohen Arbeitnehmern sogar mit Kündigung, wenn sie zuhause arbeiten wollen.

Eine Frau arbeitet im Homeoffice
Homeoffice in der Pandemie
Quelle: dpa

Sarah Wiegand* ist immer noch fassungslos. Die Mitarbeiterin eines Industrieservice-Unternehmens in Bayern berichtet vom letzten Gespräch mit ihrem Vorgesetzten. "Ich muss Ihnen das ja jetzt anbieten", habe ihr Chef gesagt und ihr einen Brief hingehalten. "Ihr Arbeitsplatz ist theoretisch für Homeoffice geeignet", heißt es in dem Schreiben, das ZDFheute vorliegt. Sie solle sich entscheiden und ankreuzen, ob sie künftig im Homeoffice oder lieber im Betrieb arbeiten wolle.

Homeoffice, Schreiben zum Ausfüllen
Schreiben des bayerischen Industrieservice-Unternehmens an seine Mitarbeiter
Quelle: privat

Doch der Chef warnte sie: Wer ins Homeoffice möchte, könne das gerne tun - dann bekomme er das Geld künftig aber vom Arbeitsamt. Sprich: Wer sich für Homeoffice entscheidet, wird gefeuert. So schildert es uns Sarah Wiegand. In einer Stellungnahme streitet das Unternehmen gegenüber ZDFheute jedoch ab, Mitarbeitern "mit Kündigung oder sonstigen Nachteilen" gedroht zu haben.

Liste zeigt: Auch Behörden oder Universitäten wollen kein Homeoffice

Doch die drastische Schilderung ist kein Einzelfall. Dem ZDF-Magazin Frontal 21 liegt der Fall einer Angestellten eines Großunternehmens in Nordrhein-Westfalen vor. Sie zitiert ihre Vorgesetzte mit den Worten: "So lange ich Chefin bin, wirst Du kein Homeoffice machen." Als sie sich während ihrer Probezeit wegen einer Erkältung krank meldete, um andere nicht zu gefährden, sei sie gekündigt worden.

Die laufenden Corona-Maßnahmen werden bis Mitte Februar verlängert und zu Teil verschärft. Unter anderem muss der Arbeitgeber, sofern möglich, das Arbeiten im Homeoffice zulassen.

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Die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim aus Berlin sammelt seit Anfang Januar via Twitter Hinweise von Angestellten, die berichten, wie sie von Vorgesetzten unter Druck gesetzt werden, am Arbeitsplatz zu erscheinen - obwohl es offensichtlich keine Gründe gibt, die Homeoffice ausschließen würden.

Dornheim hat inzwischen 160 solcher Berichte in einer Liste zusammengestellt, die ZDFheute vorliegt. Darauf sind als Arbeitgeber private Betriebe genannt, aber auch Behörden, Universitäten und öffentlich-rechtliche Institutionen.

In einem Unternehmen sollen Mitarbeiter selbst mit Erkältung erscheinen

Die Schilderungen gleichen sich oft, doch einige sind haarsträubend. Ein Mitarbeiter eines Maschinenbauunternehmens schreibt: "Obwohl Homeoffice für den Großteil der Belegschaft technisch möglich wäre, wird dies von der Geschäftsführung aus Misstrauen den Mitarbeitern gegenüber nicht erlaubt."

Mehr Homeoffice könnte die Infektionszahlen senken, doch diese Option ist nicht immer wirtschaftlich.

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Mitarbeiter "dürfen und sollen" auch mit Erkältung weiter zur Arbeit kommen. Inzwischen habe es mehrere Corona-Fälle in dem Betrieb gegeben, doch für Kontaktpersonen sei nicht mal Quarantäne angeordnet worden - und manche Erkrankte seien trotz Symptomen wieder auf der Arbeit erschienen, als es ihnen etwas besser ging.

Mitarbeiter von Justizbehörde: Homeoffice ist für Chef "wie Urlaub"

Die Begründungen, mit denen Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice verweigert wird, ähneln sich, so Dornheim: "Gearbeitet wird im Büro, zuhause kann man die Leute nicht kontrollieren - das wird da genannt. Es ist oft eben nicht durch den Job begründet", so Dornheim im Gespräch mit ZDFheute.

Auch von mehr oder weniger konkreten Drohungen mit Kündigungen für Mitarbeiter, die ins Homeoffice wollen, sei ihr berichtet worden. Der Mitarbeiter einer Justizbehörde schreibt, es stehe das "permanente Misstrauen im Raum, Homeoffice ist wie Urlaub".

Eine Studie der Universität Mannheim rechnet vor: Bereits ein Prozent mehr Arbeitnehmer im Homeoffice könnte die Infektionsrate zwischen vier und acht Prozent verringern. Bei uns bleibt Home-Office problematisch – auch wegen unzureichender Technik.

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"Selbst direkt nachdem die neue Verordnung für eine Homeoffice-Pflicht angekündigt wurde, habe ich Hinweise bekommen, dass Unternehmen Rundschreiben an ihre Mitarbeiter schicken und sagen: 'Das betrifft uns nicht, bei uns herrscht weiter Präsenzpflicht.'", sagt Dornheim. "Obwohl Homeoffice möglich wäre, wenn man nur wollte."

Doch mehr Homeoffice in den Betrieben könnte helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Nach Aussage von Experten ist es eine der effektivsten Maßnahmen, das Infektionsgeschehen einzudämmen: Eine Studie der Uni Mannheim zeigt, dass bereits ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmer im Homeoffice die Infektionsrate um bis zu acht Prozent verringern kann.

Unternehmen haben bei Verstößen zunächst wenig zu befürchten

Doch auch, wenn manche Unternehmen derzeit offenbar umdenken - Betriebe, die sich Homeoffice-Regelungen verweigern, selbst wenn es möglich wäre, haben wenig zu befürchten. Im ersten Schritt bekommen sie nicht einmal ein Bußged, selbst wenn sie kontrolliert werden und gegen die Verordnung verstoßen.

Der Hamburger Arbeitsrechtsexperte Michael Fuhlrott erklärt: "Wenn die Behörden einen Verstoß feststellen, müssen die zunächst dem Unternehmen auf die Finger klopfen. Sie müssen zur Einhaltung der Arbeitsschutzverordnung konkrete Maßnahmen wie Homeoffice anordnen - und erst wenn das Unternehmen die nicht umsetzt, kann ein Bußgeld verhängt werden."

*Name von der Redaktion geändert

Homeoffice wird auch für die Mitarbeitern von Behörden verlangt. Archivbild

Studie zu Wirtschaft und Corona -
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