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Corona in Entwicklungsländern - "Impfen darf nicht am Preis scheitern"

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Industrienationen kaufen die knappen Corona-Impfungen auf. Arme Länder gehen derzeit leer aus. Ein Yale-Professor findet das nicht so schlimm.

Im Kampf gegen Corona ruht die Hoffnung auf einer Impfung. Für die Hersteller ein Geschäft, für die Staaten ein Tauziehen um Liefermengen und für alle eine globale Mammutaufgabe.

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makro: Werden auch ärmere Länder ausreichend Zugang zu Corona-Impfstoff haben oder kaufen die reichen Nationen den Markt leer?

Thomas Pogge: Reichere Staaten, besonders wenn sie Impfstoff produzieren können, bedienen sich selbst zuerst. Bei Corona ist das gar nicht so übel, weil sie ja auch am stärksten betroffen und damit auch für andere Länder die gefährlichsten Infektionsquellen sind.

Wir müssen dafür sorgen, dass die Impfung selbst der Ärmsten nicht am Preis scheitert.
Thomas Pogge

Damit ärmere Länder möglichst schnell zum Zug kommen, müssen wir bestehende Produktionskapazitäten voll ausschöpfen und dafür sorgen, dass die Impfung selbst der Ärmsten nicht am Preis scheitert. Dabei muss der normale Impfbetrieb gegen andere Krankheiten allerdings weiterlaufen.

makro: Welchen Beitrag könnte der von Ihnen vorgeschlagene "Health Impact Fund" zur gerechteren Verteilung von Medikamenten und Impfstoffen leisten? Und wann kann er starten?

Pogge: Beim Health Impact Fund gemeldete Pharmazeutika sind zu Herstellungs- plus Vertriebskosten zu verkaufen, bekommen dafür aber jährliche Prämien für die mit ihnen im Vorjahr jeweils erzielten Gesundheitsgewinne.

So könnten Pharmafirmen endlich auch die großen Armutskrankheiten angehen.
Thomas Pogge

Dabei werden arme Menschen voll mitgezählt, sowie auch Sekundäreffekte etwa durch abfallende Neuinfektionen. So könnten Pharmafirmen endlich auch die großen Armutskrankheiten angehen und manche ihrer neuesten Produkte zu universal erschwinglichen Preisen anbieten.

Wir hoffen, in den nächsten Jahren ein 100-Millionen-Euro Pilotprojekt durchzuführen, dem der Health Impact Fund dann in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts folgen könnte.

20 Millionen Impfdosen hat sich Südafrika gesichert. Das ist viel auf dem Kontinent. Die meisten afrikanischen Länder haben dafür kein Geld.

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makro: Kann in unseren reichen Industrieländern das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben überhaupt wieder auf die Beine kommen, solange Entwicklungsländer bei Impfungen das Nachsehen haben?

Pogge: Die reicheren Länder kommen besser wieder auf die Beine, wenn sie sich selbst vorrangig bedienen.

Die reicheren Länder kommen besser wieder auf die Beine, wenn sie sich selbst vorrangig bedienen.
Thomas Pogge

Trotzdem liegt es in unserem Interesse, dass auch der Rest der Menschheit möglichst schnell geimpft wird. Das verringert die Gefahr neuer Mutationen und dient allgemein der Weltwirtschaft.

makro: China verkauft seinen Corona-Impfstoff der Firma SinoVac nicht nur an etliche Staaten Afrikas, sondern auch an wichtige Schwellenländer wie Brasilien und Indonesien. Entstehen hier neue Abhängigkeiten?

Pogge: Die alten Abhängigkeiten von Europa und den USA waren schlimmer. Schon seit einiger Zeit ist China der wichtigste Handelspartner Brasiliens, Indonesiens und vieler ärmerer Länder.

Das hilft, denn übermäßige Abhängigkeit vermeiden solche Länder vor allem dadurch, dass sie Beziehungen mit diversen stärkeren Staaten unterhalten - und auch dadurch, dass sie ihre geteilten Interessen im Rahmen einer Süd-Süd-Partnerschaft gemeinsam vertreten.

Das Interview führte Carsten Meyer, Redakteur beim 3sat-Wirtschaftsmagazin makro.

Die Bundesregierung setze jetzt alles daran, genügend Impfstoff zu besorgen, sagt Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) bei "Berlin direkt". Dieser sei "der Ausweg aus der Krise".

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