Sie sind hier:

Kosten der Corona-Krise - Shutdown: Bis zu 2.500.000.000 Euro pro Woche

Datum:

Der Shutdown kostet uns Milliarden. Jede Woche. Aber es gibt nicht nur Verlierer. Aller Widrigkeiten zum Trotz haben sich auch Gewinner der Pandemie herauskristallisiert.

Das Gitter eines Schaufensters an einem Ladengeschäft im Stadtzentrum von Leipzig ist am 21.02.2021 zur Hälfte heruntergelassen.
Durch den Shutdown gehen der deutschen Wirtschaft zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro pro Woche verloren.
Quelle: dpa

Die Wirtschaft leidet - auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Folgen laut einer Prognose des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung deutlich geringer ausfallen als erwartet. So musste Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung und -prognosen des ifo Instituts seine Schätzung, wie viel der aktuelle Shutdown an Wertschöpfung wöchentlich kostet, nach oben korrigieren:

Wir liegen zwischen zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro pro Woche.
Timo Wollmershäuser, ifo-Institut

Industrie und Baugewerbe kommen besser durch die Pandemie

Nicht alle Wirtschaftsbereiche sind gleichermaßen betroffen. So geht es vor allem dem produzierenden Gewerbe mittlerweile besser, als man es noch zu Beginn der Pandemie erwarten durfte. "Gerade die Industrieunternehmen setzen nach dem Einbruch im zweiten Quartal 2020 ihre Erholung fort", erklärt Wollmershäuser.

Auch das Baugewerbe kommt gut durch die Corona-Krise. Laut einer Befragung durch das ifo Institut sehen die Unternehmen die Geschäftslage mehrheitlich positiv.

In Zeiten von Corona steht es um viele Branchen in Deutschland eher schlecht, doch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe hat nun eine positive Bilanz gezogen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Verlierer: Gastronomie, Einzelhandel und körpernahe Dienstleistungen

Verlierer des aktuellen Shutdowns sind all diejenigen, die derzeit keinen Umsatz machen dürfen wie Gastronomie, Einzelhändler und körpernahe Dienstleistungen.

"Sie werden zwar teilweise entlastet, da über die Kurzarbeit die Lohnkosten subventioniert und durch Hilfszahlungen die Fixkosten teilweise gedeckt werden, aber kurzfristig sind sie die Verlierer der Krise", folgert der ifo-Experte.

Der Branchenverband Dehoga warnt vor einer Pleitewelle in der Gastronomie. Auch gesündeste Unternehmen könnten Corona-bedingte Umsatzeinbrüche von 80 Prozent nicht überstehen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Er ist sich aber sicher, dass viele der aktuell Betroffenen langfristig keine Verlierer bleiben werden, denn:

Gewisse Dienstleistungen kann man nicht digitalisieren und so wird es die Gastronomie oder die Friseure auch weiterhin geben.
Timo Wollmershäuser, ifo Institut

Online-Handel in Corona-Krise "explodiert"

Den Online-Handel sieht der Leiter der Konjunkturforschung als einen deutlichen Gewinner der Krise: "Er ist explodiert". Profitiert haben die großen Ketten, die neben den Filialen bereits vor der Krise einen Online-Shop hatten.

Die meisten Handelsketten nehmen wir als klassische Filialisten wahr, aber wegen des Lockdowns sind die Kunden auf deren Online-Shop ausgewichen.
Timo Wollmershäuser, ifo Institut

Auf der Strecke geblieben sind hingegen die vielen kleinen Einzelhändler, hinter denen kein Konzern steckt. "Sie hatten meist vor Corona keine Homepage, prägen aber die Einkaufsstraßen, weil sie ihnen ihr individuelles Flair verleihen".

Die Einkommensverluste in der Wirtschaft sieht der ifo Experte unkritisch: "Natürlich haben wir kurzfristig Einbußen erlitten, aber unsere Einkommen sind trotz historischer Krise immer noch gestiegen, wenn auch nicht so kräftig wie in den Jahren zuvor". Das sei für eine Rezession dieses Ausmaßes schon besonders.

Corona als Beschleuniger für Strukturwandel

Er geht davon aus, dass Corona den in vielen Bereichen notwendigen Strukturwandel beschleunigt hat. Gerade bei der Digitalisierung habe sich gezeigt, dass sich Chancen öffnen und "wir hier Grundlagen für Innovation schaffen können".

Passiere das hingegen nicht, müsse man sich langfristig Sorgen um den Wohlstand machen, denn laut dem Experten resultiert Wohlstand aus Innovationskraft und technologischen Neuerungen: "Gerade in unseren Schlüsseltechnologien dürfen wir nicht den Anschluss verpassen".

Einkommensverluste und Unsicherheit für Arbeitnehmer

Für den Arbeitnehmer, den Menschen dahinter, ist laut Monika Müller die aktuelle Situation eher eine Herausforderung, denn der Mensch an sich bewahrt sehr gerne. Die auf den Finanzbereich spezialisierte Wirtschaftspsychologin betont, dass die Menschen nicht darauf ausgelegt sind, jeden Tag etwas neu oder anders zu machen:

Das konfrontiert uns mit Unsicherheit, mit der wir nicht gut klarkommen.
Monika Müller, Wirtschaftspsychologin

Hinzukommt, die Einkommensverluste durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit wirken sich auf die Psyche aus: "Man muss den Menschen eine wertschätzende Perspektive geben, um die Folgen von Verlust so klein wie möglich zu halten". Mit dem Blick aufs Konto wird gerade der finanzielle Verlust deutlich spürbar.

Portrait von Clemens Fuest

Ifo-Präsident zu Corona-Krise - "Wirtschaftsschäden und menschliches Leid" 

Lernen mit dem Virus zu leben: Ifo-Präsident Clemens Fuest fordert im Interview eine bessere Test- und Impfstrategie - auch um weitere wirtschaftliche Schäden abzuwenden.

"Hier ist es wichtig, sich als Mensch eine innere Freiheit zu erhalten, um zu wissen, dass man auch mit weniger Einkommen als vor der Krise wertvoll ist. Das fällt vielen schwer, weil wir gesellschaftlich das Gegenteil gelernt haben", erklärt Müller. Sie rät zur Selbstreflexion, um sich des eigenen Potenzials auch in solchen Situationen bewusst zu sein.

Corona-Krise: Langfristig positiv für Deutschland

Einig sind sich beide Experten: Die Krise wird sich langfristig positiv auf das Land auswirken. Corona fungiere einfach als Brennglas:

Wir brauchen solche Krisen, um das, was am Ende positiv ausgeht, tatsächlich anzugehen.
Monika Müller, Wirtschaftspsychologin

"Wir müssen uns überwinden, Dinge, mit denen wir uns ungern befassen, umzusetzen. Das geht jedem so", fügt Müller abschließend hinzu.

Ein Plakat zum Ende der krise und einem beginnenden Aufschwung klebt in Berlin an Treppenstufen. Wirtschaftsexperten rechnen für 2021 trotz Coronakrise mit einem starken Aufschwung.

Studie zu Wirtschaftswachstum - Experten erwarten 2021 kräftiges Plus 

2020 hatte die Wirtschaft zu kämpfen. Doch nun soll es aufwärts gehen: Eine Studie prophezeit für 2021 ein kräftiges Wachstum. Die Branchen sollen aber unterschiedlich profitieren.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.