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Trifft Corona bald den Immobilienmarkt?

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Ende für Betongold? - Trifft Corona bald den Immobilienmarkt?

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Die Preise am Immobilienmarkt könnten durch die Corona-Krise unter Druck geraten. Wie stark, da sind sich Experten nicht sicher. Es hängt von der Konjunkturentwicklung ab.

Altbauwohnungen im Stadtteil Schwabing in München
Die Corona-Krise wird auch am Immobilienmarkt Folgen haben, so Experten.
Quelle: picture alliance / Sven Simon

Immobilien waren in den vergangenen Jahren bei den Deutschen sehr beliebt: Wegen der niedrigen Zinsen lohnte sich die Geldanlage in festverzinslichen Produkten nicht, Aktien sind vielen wegen der hohen Schwankungsanfälligkeit suspekt. Mit der Coronavirus-Krise könnte sich die Lage ändern.

"Diese Krise wird einige Zeit dauern", meint Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung. "Da wäre es möglich, dass die Bereitschaft der Menschen sinkt, in solch unsicheren wirtschaftlichen Zeiten einen langfristigen Kredit aufzunehmen." Doch da muss man differenzieren.

Kaufabschlüsse bei Immobilien könnten sich verzögern

Typische Käufer am Wohnimmobilienmarkt seien junge Familien, denen die Mietwohnung zu eng wird, oder Selbständige, die zur Altersvorsorge Eigentumswohnungen kauften und diese vermieteten, sagt Reiner Braun, Vorstandschef des Immobilien-Forschungsinstituts Empirica. "Verfügen die jungen Familien über ein sicheres Einkommen, könnten sie eine Kaufentscheidung kurzfristig nur zurückstellen.

Doch ein Selbständiger mit wegbrechendem Einkommen dürfte zum Verkauf gezwungen sein." Auch Familienunternehmen gehörten zu den Investoren am Wohnimmobilienmarkt. "Die benötigen je nach Verlauf der Krise womöglich Liquidität und müssen deshalb ihre Immobilien verkaufen."

Auch Kaufabschlüsse könnten sich verzögern, glaubt FMH-Gründer Herbst. Denn zwischen dem Vorvertrag und dem eigentlichen Vertragsabschluss beim Immobilienkauf liegen mindestens zwei Wochen. Da könnten nun wegen der Krise einige Kaufwillige auch zurücktreten. Und je mehr Objekte auf den Markt kämen, desto größer werde dann die Deflationsspirale. Denn die Käufer warteten dann auf weiter sinkende Preise.

Experten sehen noch keine Preisveränderungen am Markt

Je mehr Immobilien auf den Markt kommen, desto stärker werden dann auch die Preise sinken, erklärt Immobilienforscher Braun. Bricht die Konjunktur stark ein, könnte das einen Absturz der Immobilienpreise um bis zu 30 Prozent zur Folge haben. Bei schneller Erholung und sinkenden Zinsen sei auch ein Plus von zehn Prozent möglich. Der Immobilienexperte hält derzeit aber stabile bis leicht sinkende Preise für wahrscheinlich.

"Im Moment sehen wir noch keine Preisveränderungen am Markt", sagt aber Thomas Beyerle, der das Research im Immobilienkonzern Catella verantwortet. Allerdings seien die Investoren derzeit eher zurückhaltend. Die Häuslebauer dürften aber eher größere Anschaffungen aussetzen, als von einem Immobilienkauf zurückzutreten, vermutet er. Immobilien gelten schließlich als "sicherer Hafen". "Solche Veränderungen sieht man vermutlich aber erst im zweiten Quartal", meint Beyerle.

Wie entwickeln sich die Bauzinsen?

Baufinanzierungen seien weiter nachgefragt, beobachtet Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp anhand der Kundenanfragen. Die Bauzinsen aber schwanken in den letzten Wochen. Denn nach den Kursstürzen am Aktienmarkt waren viele Investoren in sichere Staatsanleihen geflüchtet, deshalb sanken die Renditen auf neue Rekordtiefs.

Daran orientieren sich aber auch die Banken bei der Festsetzung ihrer Bauzinsen. Doch in den letzten Tagen sind diese wieder gestiegen: "Das wird in der Folge auch zu einem gewissen Anstieg des Niveaus der Bauzinsen insgesamt führen. Derzeit liegen die Zinsen für zehnjährige Darlehen noch vielfach bei unter 0,7 Prozent, das wird voraussichtlich etwas ansteigen", vermutet Utecht. Diese Schwankungen könnten in diesen Tagen noch anhalten. Deshalb rät er: "Wer eine Finanzierung plant, sollte die Entwicklung daher genau beobachten." Interhyp rechnet aber insgesamt mit weiter günstigen Zinsen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.  

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