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Das Leiden der rumänischen Schlachter

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Flucht aus der Fleischfabrik - Das Leiden der rumänischen Schlachter

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Kein Abstand, zu wenig Hygiene: Die Arbeitsbedingungen rumänischer Hilfsarbeiter in deutschen Fleischfabriken sind desaströs. Wer es sich leisten kann, flieht zurück in die Heimat.

Spurensuche nach dem Fleisch-Skandal: Was berichten ehemalige Tönnies-Mitarbeiter, die nach Rumänien zurückgekehrt sind?

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Alberto Gogu ist aus der infizierten Tönnies-Fabrik in Rheda-Wiedenbrück geflüchtet, und seit Dienstag wieder zurück in seiner Heimat. Die Reise von der Fleischfabrik in sein winziges Dorf im Süden Rumäniens hat fünf Tage gedauert – mit dem Zug und dann mit dem Bus. Er ist heilfroh, wieder zuhause zu sein.  "Als meine Kollegen krank wurden, bin ich geflohen", sagt Alberto Gogu.  

Seit zwölf Jahren arbeitet Gogu immer wieder als sogenannter Werkvertragsarbeiter in Deutschland. Er kennt die Zustände in den Großbetrieben der Fleischverarbeitung.

Aber was ich in den vergangenen drei Monaten erlebt habe, war die härteste Erfahrung meines Lebens.
Alberto Gogu, rumänischer Hilfsarbeiter

Auch Claudiu-Ioan Similie schlachtet Schweine in der Tönnies-Fabrik. Einer seiner Kollegen wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Jetzt sitzt Claudiu-Ioan Similie in Oelde in Quarantäne, mit zehn weiteren Arbeitern aus seiner Unterkunft. "Die Männer sind krank geworden und umgefallen", erzählt Similie in einem Skype-Interview. Und erzählt weiter:

Arbeiter, die positiv getestet waren, waren trotzdem bei der Arbeit. Wenn sie sich gut fühlten, hat es keinen gekümmert.
Claudiu-Ioan Similie, rumänischer Hilfsarbeiter

Abstand am Fließband war bei Tönnies nicht möglich, sagt Similie. Fünf seiner Kollegen kämpfen jetzt auf der Intensivstation um ihr Leben.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch im Fleischkonzern Tönnies wird vermutet, dass Mitarbeiter des Betriebs vor der Quarantäne verschwunden sind. Dazu ZDF-Korrespondent Thomas Münten.

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Mehr als 1.500 Schlachthof-Arbeiter positiv getestet

Wie die Zustände in deutschen Schlachthöfen sind, wird derzeit immer deutlicher, nachdem mehr als 1.500 Mitarbeiter der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Vor einer Woche noch machte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Arbeiter selbst für das Desaster verantwortlich.

"Weil Rumänen und Bulgaren eingereist sind und da der Virus herkommt, das wird überall passieren", sagte Laschet am 17. Juni. Er hat dafür heftige Kritik geerntet und einen Tag später klar gestellt: "Menschen gleich welcher Herkunft irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich."

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Doch weiterhin sieht er keine Schuld bei den Schlachthofbetreibern oder der eigenen Lockerungspolitik. Claudiu-Ioan Similie sagt:

"Wir haben es sicher nicht mitgebracht, Corona war ja schon vorher in Deutschland."
Claudiu-Ioan Similie, rumänischer Hilfsarbeiter

Vorschriften auch auf Spargelhof nicht eingehalten

Alberto Gogu und seine Frau gehörten zu den ersten, die im April nach Deutschland geflogen wurden, um bei der Ernte zu helfen. Ihre acht Kinder blieben in Rumänien. In diesem Jahr wollte Alberto als Spargelstecher helfen.

Das hohe Ansteckungsrisiko im Schlachthof:

Wie Corona die Gesellschaft spaltet

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Doch die Unterbringung auf dem Spargelhof war anders, als sie wegen der Coronakrise sein sollte. Auch wenn die Bundesregierung vorschreibt, dass Zimmer nur zur Hälfte belegt sein dürfen, wohnte er mit drei weiteren Arbeitern in einem Container. "Es gibt keine Heizung und wir frieren nachts. Es gibt nur drei Bäder für hundert Arbeiter", sagt Gogu. Dann hat ihn der Spargelhof entlassen. Für Gogu war das eine Demütigung. "Ich habe auf der Straße geschlafen und gehungert."

Um wieder arbeiten zu können, geht Alberto zu Tönnies nach Rheda-Wiedenbrück. Hier gerät er vom Regen in die Traufe. "Mit 50 Kilogramm Fleisch im Arm, wie willst Du da auf Abstand achten?", sagt Gogu. Und weiter:

Einmal sagte ich zu meiner Chefin: Ich bin krank, ich kann nicht mehr. Und sie sagte: Du darfst nicht aufhören.
Alberto Gogu, rumänischer Hilfsarbeiter

Alberto Gogu hat es nicht mehr ausgehalten und ist nach Rumänien zurückgekehrt. Seine Frau allerdings ist immer noch bei Tönnies. "Wir brauchen das Geld. Wir müssen die Kinder großziehen", erzählt Gogu.

EU-Abgeordneter fordert bessere Kontrollen

Von solchen Schicksalen hört Nicolae Ștefănuță ständig. Er ist Mitglied im Europäischen Parlament und hat dort immer wieder mit den Problemen von rumänischen Wanderarbeitern zu tun. Von Deutschland fordert er stärkere Kontrollen. "Die Leute wollen ihren Job nicht verlieren und fragen sich gleichzeitig, wie sie in Zeiten der Pandemie wieder zurück nach Hause kommen", sagte Ștefănuță.

Er glaubt, dass jetzt weniger Rumänen als Hilfsarbeiter kommen werden. "Gesundheit ist das Wichtigste", sagt er. Er höre von vielen Rumänen, dass sie zurück in die Heimat fahren, auch wenn sie dabei Geld verlieren.

Zwölf Jahre in Deutschland geschuftet

Alberto Gogu ist nach seiner Rückkehr nach Rumänien als erstes in den Baumarkt gefahren. Vom Geld, das er in Deutschland verdient hat, renoviert er jetzt sein Haus. Zwölf Jahre lang hat er in Deutschland geschuftet.

Jetzt hat er genug. "Ich will nicht mehr zurück nach Deutschland", sagt er. "Nicht mal, wenn das alles vorbei ist. Sowas habe ich in den 44 Jahren meines Lebens noch nicht erlebt."

Direktor des Hygiene-Instituts der Uniklinik Bonn Martin Exner bei PK

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