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Virtuelle Hauptversammlung - Wie sich die Lufthansa neu aufstellen will

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Die Corona-Krise trifft die Luftfahrtbranche hart. Auf der Lufthansa-Hauptversammlung rücken die Zahlen des Geschäftsjahres 2019 deshalb in den Hintergrund.

Flugzeuge der Fluglinie Lufthansa stehen auf der Landebahn am Frankfurter Flughafen
Ein Großteil der Lufthansa-Maschinen bleibt derzeit am Boden.
Quelle: dpa

Die Lufthansa steht vor einer Woche der Wahrheit. Eine Entscheidung über milliardenschwere Staatshilfen - und deren Bedingungen - rückt näher, der Dax-Konzern verhandelt bereits seit längerem wegen der weitreichenden Folgen der Corona-Pandemie mit der Bundesregierung.

"In diesen Tagen wird über die Zukunft der Lufthansa entschieden", will Konzernchef Carsten Spohr laut vorab veröffentlichtem Redetext bei der Hauptversammlung an diesem Dienstag sagen - aufgrund der Corona-Pandemie findet diese nicht wie ursprünglich geplant in der Jahrhunderhalle, sondern virtuell statt. Welche Baustellen die Lufthansa derzeit zu bewältigen hat:

1. Einnahmen brechen ein

  • Rund 700 der etwa 760 Flugzeuge umfassenden Lufthansa-Flotte bleiben am Boden
  • 3.000 gestrichene Flüge pro Tag
  • Aktuell fliegen die Lufthansa-Airlines wegen der Corona-Einschränkungen nur rund ein Prozent des üblichen Programms.
  • Passagierzahlen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 90 Prozent zurückgegangen
Eine Krise dieses Ausmaßes hat noch niemand von uns erlebt. Wir stehen vor der größten Herausforderung in unserer jüngeren Geschichte.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr, laut Redemanuskript
Geparkte Flugzeuge auf dem Rollfeld
Grafiken

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von Michaela Waldow

2. Kosten laufen weiter

  • Für Personal, Material, Mieten oder Treibstoffsicherung fallen weiterhin Kosten an
  • Liquidität des Konzerns liegt aktuell bei über vier Milliarden Euro
  • Der Liquiditätsverlust beträgt eine Million Euro pro Stunde

3. Kurzfristige Gegenmaßnahmen

  • Trotz eines erfolgreiches Geschäftsjahres 2019 mit 36,4 Milliarden Euro Umsatz - laut Spohr der höchste Umsatz in der Unternehmensgeschichte - und eines bereinigten Ebits (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) in Höhe von rund zwei Milliarden Euro wird in diesem Jahr keine Dividende ausgezahlt.
  • Aufsichtsrat, Vorstand und Führungskräfte haben sich freiwillig verpflichtet, auf einen Teil ihrer Grundvergütung zu verzichten.
  • Aktuell über 80.000 Mitarbeiter der Lufthansa Group in Kurzarbeit.
  • Verhandlungen mit Flugzeugherstellern über Aufschub von Lieferungen
  • Verhandlungen mit Flughäfen, Flugsicherungen und der öffentlichen Hand über Kostenverteilung durch Senkung der Gebühren oder Stundungen von Steuern und Sozialabgaben.
  • Die Piloten der Lufthansa bieten einen freiwilligen Gehaltsverzicht bis zum Sommer 2022 an. Das Angebot beinhalte für die mehr als 5.000 aktiven Piloten im Konzerntarifvertrag ein um bis zu 45 Prozent abgesenktes Gehalt und habe ein Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro.

4. Strukturelle Neuausrichtung

Um gestärkt aus der Krise herauskommen, arbeiten wir an einer strukturellen Neuausrichtung. (...) Wir planen mit einer deutlich verkleinerten Lufthansa Group.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr, laut Redemanuskript
  • Alle Flugbetriebe der Lufthansa Group werden verkleinert. Ältere Jets, die weniger umweltfreundlich sind, sollen früher als bislang geplant aus der Flotte genommen werden.
  • Die A340-600 Flotte wird vorrübergehend stillgelegt.
  • Bei Eurowings sollen zehn Airbus A320 ausgeflottet werden.
  • Insgesamt soll die Flotte um zirka 100 Flugzeuge reduziert werden.
  • Der Konzern schließt dadurch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Den Schätzungen zufolge könnte das bis zu 10.000 Mitarbeiter betreffen. Eine Lösung könnten "innovative Teilzeitmodelle" sein.
  • Der Flugbetrieb der Germanwings wird zwei Jahre früher als geplant geschlossen.
Aktuell gehen wir davon aus, dass die globale Nachfrage nach Flugreisen auch langfristig nicht mehr so dynamisch wachsen wird, wie in den vergangenen Jahren. Das Reiseverhalten der Menschen wird sich ändern – privat und beruflich. In der Folge wird sich der Weltluftverkehr neu aufstellen müssen.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr, laut Redemanuskript

5. Debatte um die Staatshilfen

Die Lufthansa verhandelt über Staatshilfen in Höhe von insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Im Gespräch ist dem Vernehmen nach, dass ein Teil davon als stille Beteiligung fließt und der Bund dafür gut 25 Prozent der Anteile erhält und auch im Aufsichtsrat vertreten ist.

Spohr hatte allerdings einen größeren Einfluss des Staates auf das Unternehmen zuletzt abgelehnt - etwa durch Posten im Aufsichtsrat.

Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten. Jetzt brauchen wir staatliche Unterstützung. Aber wir brauchen keine staatliche Geschäftsführung.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr, laut Redemanuskript

Eine Alternative wäre die Insolvenz in Eigenverwaltung. In diesem Falle stünden allerdings Betriebsrenten und Übergangsvergütungen zur Disposition, weil der Konzern versuchen könnte, die Pensionsverpflichtungen loszuwerden. Auch könnten leichter Tarifverträge gekündigt und Beschäftigte entlassen werden. Deshalb knüpft die Gewerkschaft Cockpit ihre Gehaltsverzichtszusage an die Bedingung, dass das Unternehmen auf diese Form der Sanierung verzichtet.

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