Corona-Medikamente spielten in Deutschland bisher eine eher untergeordnete Rolle. Das könnte sich jetzt ändern, auch durch Forschende aus Braunschweig.
Impfstoffe können Gesunde schützen, Erkrankte aber nicht heilen. Große Hoffnungen liegen auf neu entwickelten Corona-Medikamenten.
Es sind nur wenige Milliliter Flüssigkeit und doch könnten sie helfen, überfüllte Kliniken zu entlasten. Forschende des Biotech-Unternehmens "CORAT Therapeutics" haben in Braunschweig ein Antikörper-Medikament entwickelt. Dabei wurden sie von namhaften Institutionen wie dem Helmholtz-Zentrum und dem Fraunhofer-Institut unterstützt.
Das Medikament soll mittels eines genveränderten, neutralisierenden Antikörpers bei Covid-Erkrankten die Viruslast im Körper senken. Es ist speziell für geschwächte Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, besonders auch auf Intensivstationen, gedacht.
Das Medikament muss intravenös verabreicht werden, per Infusion oder Spritze. Ursprünglich wollte das Biotech-Unternehmen bereits zum Jahreswechsel die Zulassung beantragen. Doch erst fehlten Fördergelder vom Bund, dann die Probanden. Neues Ziel für die Beantragung der Zulassung: Sommer 2022.
Hat Deutschland die Entwicklung von Corona-Medikamenten verschlafen?
"Deutschland muss bei Corona wesentlich mehr für die Medikamenten-Entwicklung tun, da haben wir sehr wenig Forschungsaktivitäten", kritisiert Professorin Helga Rübsamen-Schaeff von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. "Da muss einfach mehr Geld ausgegeben werden."
Auf Anfrage teilt das Bundesgesundheitsministerium mit, bislang seien Förderbescheide an drei forschende Unternehmen ausgestellt worden. Im vergangenen Winter hatte das Ministerium zudem für 400 Millionen Euro 190.000 Einheiten so genannter "monoklonaler Antikörper" bestellt. Davon seien 11.500 Dosen auf ärztliche Verschreibung abgegeben worden.
Andere Länder wie die USA sind deutlich weiter. Hier wurden bereits Medikamente für den hausärztlichen Gebrauch entwickelt. Die Idee dabei ist simpel: Ein Patient erhält einen positiven PCR-Test. Der Hausarzt verschreibt daraufhin ein Corona-Medikament in Tablettenform, welches der Erkrankte innerhalb von fünf Tagen nach Symptombeginn aus der Apotheke holen und einnehmen muss.
Das Präparat verhindert schwere Krankheitsverläufe. Der Patient muss nicht in einer Klinik behandelt werden - es wäre ein optimales Szenario, um überfüllte Covid-Stationen in Krankenhäusern zu entlasten.
Medikamente "Lagevrio" und "Paxlovid": in frühem Krankheitsstadium einnehmen
Das Medikament "Lagevrio" des US-Pharmakonzerns Merck & Co. soll nach Herstellerangaben Klinikeinweisungen und Todesfälle um 30 Prozent reduzieren. "Paxlovid" von Pfizer soll sogar zu 89 Prozent wirken. Beide Medikamente müssen in einem frühen Krankheitsstadium eingenommen werden.
Noch ist die Studienlage allerdings dünn. Aber auch hierzulande machen sich Wissenschaftler große Hoffnungen:
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Die US-Regierung hat sich bereits Millionen Dosen dieser Medikamente gesichert. Auch Deutschland setzt jetzt darauf. Der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte an, mit Pfizer seien Verhandlungen aufgenommen worden. Mit Merck sei eine erste Liefermenge von 80.000 Therapieeinheiten "Lagevrio" vereinbart worden - noch vor der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur. Die ersten Tabletten sollen bereits im Dezember in Deutschland eintreffen.
Vakzine können Gesunde schützen, Erkrankte aber nicht heilen. Deshalb sind auch die Forschenden in Braunschweig davon überzeugt: Corona-Medikamente könnten in Zukunft dazu beitragen, Leben zu retten.
Elisabeth Schmidt ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio in Niedersachsen.
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