Sie sind hier:

Abgesenkte Mehrwertsteuer - Kaufimpuls für teure Produkte - und sonst?

Datum:

Heute läuft die temporäre Mehrwertsteuerabsenkung aus. Hat dieser Schritt den Konsum belebt? Da sind sich nicht alle Experten einig.

16 Prozent Mehrwertsteuer im Einzelhandel
Was hat die befristete Senkung der Mehrwertsteuer gebracht?
Quelle: dpa

Der stationäre Einzelhandel sieht durch die wegen der Corona-Krise temporär abgesenkte Mehrwertsteuer keinen generellen Schub für den Konsum. Profitiert hätten vor allem die Anbieter höherpreisiger Produkte wie etwa Möbel, meint der Sprecher der Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Hertel.

Leere Innenstädte

Beim innerstädtischen Handel habe das kaum Effekte gehabt, weil die Kunden wegen potenzieller Ansteckungsgefahr die Innenstädte eher gemieden hätten:

Ein entspannter Einkaufsbummel war in den letzten Monaten sehr selten. Insofern kamen die Kunden nicht, egal welcher Mehrwertsteuersatz galt.
Stefan Hertel, HDE

Einige Verbraucherinnen und Verbraucher scheinen jedoch die Zeit genutzt zu haben. Teure, langlebige Konsumgüter seien stärker gekauft worden, sagt etwa Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). "Käufe werden vorgezogen, die ohnehin geplant waren in nächster Zeit. Das kann man auch im Bereich der Möbel beobachten." Das gilt zum Teil auch für Autos.

Keine guten Aussichten für Anfang 2021

Doch mit dem neuen Jahr würden diese "überschaubaren" Kundenvorteile wegfallen, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research in Duisburg. Auch der Konsumklimaindex der Nürnberger Marktforscher der GfK spiegelt das wider.

Denn für den Januar erwarten die Konsumforscherinnen und Konsumforscher eine etwas geringere Kauflaune, ein Grund dafür dürften die dann wieder höheren Preise sein.

Mehr Spielraum für wenig liquide Haushalte

Einer der geistigen Väter der Mehrwertsteuerabsenkung zwischen Juli und Ende Dezember ist Michael Hüther. Die habe etwas gebracht, ist der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft überzeugt.

Hüther verweist darauf, dass im dritten Quartal der enorme positive "Rückpralleffekt" der Volkswirtschaft nach dem tiefen Einbruch des Shutdowns wesentlich durch den privaten Verbrauch getragen worden sei:

Außerdem hat die Mehrwertsteuersenkung Haushalten mit weniger Liquidität mehr Spielräume gegeben - zusammen mit anderen Maßnahmen.
Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft

Er nennt als Beispiele den Kinderbonus oder das Absenken der Umlage für Erneuerbare Energien (EEG).

Schließlich, so Hüther, seien die Preise "ganz überwiegend" gesenkt worden. "Die Effekte sind wie gewünscht über den privaten Verbrauch gegangen", sagt er. Wie hoch diese Effekte sind, das aber kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern.

Kritik: Mehrwertsteuersenkung nicht zielführend

Andere Ökonomen zweifeln die Wirkungen der Mehrwertsteuerabsenkung jedoch an. Denn diejenigen Bereiche, die von den Infektionsschutzmaßnahmen tatsächlich betroffen seien und der Hilfe bedürften, die hätten nicht von diesem Schritt profitiert, kritisiert IWH-Ökonom Holtemöller. Dazu zählten Teile des Einzelhandels, der Gastronomie, Gaststätten und des Hotelgewerbes.

Man wisse aber auch aus früheren Zeiten, dass die konjunkturellen Effekte einer solchen Mehrwertsteuersenkung grundsätzlich klein seien: "Die Mehrwertsteuersenkung ist so ziemlich die ungenaueste Maßnahme, die man in diesen Zeiten ergreifen kann. Andere Maßnahmen wären deutlich zielführender gewesen."

Kaum Alternativen

Hüther jedoch verweist auf die Alternativen: Das seien eigentlich nur die Neuauflage der Abwrackprämie für Pkw gewesen, so wie man sie schon während der Finanzkrise 2009 aufgelegt hatte. Das habe die Politik aber nicht gewollt.

In Zeiten des Shutdowns zeigt sich der Einzelhandel vielerorts erfinderisch: Nach dem Motto "Click and Collect“ können Kunden ihre Ware online bestellen und im Geschäft abholen. Doch nicht überall ist dieser vielversprechende Weg auch umsetzbar.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Hüther aber ist sich dessen bewusst, dass die Mehrwertsteuer ein "Breitbandtonikum" sei, aber eines mit deutlichen Preiseffekten. Wichtig aber sei, dass die Mehrwertsteuersenkung befristet worden sei.

Handelsverband für Verlängerung

Der HDE aber wäre für eine Verlängerung dankbar. Eine Begründung: Die Umstellung der Software war teuer, so könnten sich die Kosten besser amortisieren.

"Der zweite Grund für eine Verlängerung wäre aus unserer Sicht, dass dann auch der Innenstadthandel vielleicht daran partizipieren kann", sagt HDE-Sprecher Hertel. "Sobald die Pandemie etwas besser im Griff ist und die Leute dann auch wieder zum gemütlichen Einkaufsbummel in der Stadt bereit sind."

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.