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Wie das Coronavirus die Messelandschaft ins Chaos stürzt

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Abgesagte Großveranstaltungen - Wie das Coronavirus die Messelandschaft ins Chaos stürzt

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Immer mehr Messen werden abgesagt, der wirtschaftliche Schaden ist immens. Die Menschen, die auf diesen Messen arbeiten, sind oft kaum geschützt gegen solche Verdienstausfälle.

Sachsen, Leipzig: Das Messemännchen steht in der leeren Glashalle der Leipziger Messe.
Hier hätten eigentlich Autoren, Verleger und Leser Mitte März neue Bücher feiern sollen: eine leere Halle der Leipziger Buchmesse nach der Messe-Absage.
Quelle: DPA

Gig-Economy, Ich-AG, Tagelöhner, Null-Stunden-Verträge, Selbstständigkeit - inzwischen gibt es immer mehr Modelle, wie Menschen als Freiberufler leben und arbeiten. Diese Berufsgruppen sind von der Angst vor dem Coronavirus besonders stark betroffen: Wenn ihre "Gigs" ausfallen oder verschoben werden, bekommen sie häufig kein Geld.

In der Messe- und Veranstaltungsbranche sind diese Beschäftigungsformen besonders verbreitet: Monteure, Hostessen, Veranstaltungshelfer und natürlich auch viele der kleineren Aussteller selbst. In einer Facebook-Gruppe für Monteurdienstleister schreiben seit dem Wochenende Hunderte Messearbeiter besorgte Kommentare, erkundigen sich nach rechtlichem Beistand, beklagen sich über kurzfristige Verdienstausfälle.

"Für was haben wir uns den Arsch aufgerissen?", kommentiert ein Messebauer unter einer Meldung über die Absage der Internationalen Handwerksmesse in München. "Das bricht uns gerade komplett das Genick", schreibt ein anderer über die Absage der Leipziger Buchmesse.

In fast allen Bundesländern gibt es inzwischen nachgewiesene Infektionen mit dem neuen Coronavirus. Als möglicher Infektionsort gilt auch der Arbeitsplatz. Doch was bedeutet das für Millionen Arbeitnehmer? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

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Auswirkungen der Messe-Absagen werden wohl erst in einigen Monaten klar

Erst vor wenigen Stunden erreichte Hartmut Zeissig die Nachricht, dass die wichtige Hannover-Messe in den Juli verschoben wurde. Sein Planungsbüro für Messeauftritte südlich von Hannover ist direkt betroffen:

Noch denken wir nicht über Kurzarbeit oder eine Reduzierung der Mitarbeiter nach, aber wenn es im April oder Mai weitere Verschiebungen gibt, kann das ein Problem werden.
Hartmut Zeissig, Messeplaner

Für die ebenfalls abgesagte ITB hatte Zeissig sogar schon Stände auf dem Berliner Messegelände fertig installiert - die jetzt wieder abgebaut werden müssen.

"Die Flexibilität unserer Branche ist gerade auch ein Vorteil, saisonale Schwankungen gehören eigentlich immer dazu", erklärt Zeissig. Bedenklich sei jedoch, dass das Frühjahr eigentlich die beste Zeit für Messebauer ist; die Zeit, in der volle Auftragsbücher andere Monate ausgleichen sollten, in denen kaum Veranstaltungen geplant werden. "Es kann also sein, dass wir die Auswirkungen erst in ein paar Monaten wirklich merken", sagt Zeissig. Wenn die jetzt vielfach angesetzten Ausweichtermine weniger Publikum und Aussteller anziehen, büßt die Branche doppelt Umsatz ein.

Coronavirus offenbart harte Realität der Gig-Economy

Viel schneller merken die Auswirkungen von Corona die Arbeitnehmer, die weiter unten in der Nahrungskette stehen. Für den Auf- und Abbau von Messeständen, Bühnen und Veranstaltungshallen setzen viele Veranstalter Subunternehmen ein. Den gleichen Schutz wie festangestellte Mitarbeiter haben sie nicht. Sie können auch meist nicht von den Regelungen zum Kurzarbeitergeld profitieren, die genau für solche Branchen mit saisonalen Einbrüchen geschaffen wurden.

Europaweit seien mehr als drei Millionen vermietete Quadratmeter Messefläche für die Monate März und April dem CoVid-19-Virus zum Opfer gefallen. Das bedeute mindestens 750 Millionen Euro Einbußen nur für die Messebauer selbst, hat der Verband der deutschen Messewirtschaft berechnet.

Deutschland ist bisher von einer Masseninfektion durch das Coronavirus weit entfernt. Als Vorsichtsmaßnahme wurde die Leipziger Buchmesse 2020 wegen des Virus abgesagt.

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Auch Messe-Aussteller bleiben auf ihren Kosten sitzen

Auch für die Aussteller selbst sind Absagen und Verschiebungen mitunter existenzgefährdend. Viele Produkte sollen auf Messen verkündet und vorgestellt werden, monatelange Marketingkampagnen sind auf diesen Moment ausgerichtet. Für viele kleine Anbieter sind Fachmessen einer der wenigen Zeitpunkte, um Kontakt zu Geschäftspartnern und potenziellen Großkunden herzustellen. Am Rande des Messebetriebs werden zahllose Verträge unterzeichnet.

Der Buchautor Greg Walters wollte auf der Leipziger Buchmesse eigentlich mit Lesern und seinem wichtigsten Vertriebspartner Amazon ins Gespräch kommen. Da er seine Fantasy-Bücher im Eigenverlag veröffentlicht, bleibt er auf allen Kosten sitzen: "Es sind vierstellige Beträge, die jetzt weg sind", sagt Walters.

Werbematerial ist nicht mehr nutzbar, Walters sitzt auf hunderten Büchern, die er eigentlich an Laufkundschaft verkaufen wollte. "Wir kleinen Autoren und Verlage versuchen jetzt unter dem Hashtag #buecherhamstern zumindest digital Werbung für unsere Bücher zu machen, aber die Buchmesse ersetzen kann das natürlich nicht."

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