Sie sind hier:

Jeder Fünfte "stark abgehängt" - Lehrer für Extra-Jahr und Schüler-Förderung

Datum:

Der Deutsche Lehrerverband antwortet mit einem milliardenschweren Förderkonzept auf die massiven Lernrückstände. Ein freiwilliges Lernjahr oder spezielle Förderung gehören dazu.

Schüler der 12. Klasse des Gymnasiums Eppendorf in Hamburg sitzen in einem Schulzimmer und schreiben die Abiturprüfung im Fach Wirtschaft
Schüler der 12. Klasse eines Gymnasiums in Hamburg-Eppendorf.
Quelle: dpa

Mit einem zwei Milliarden Euro teuren Förderkonzept will der Deutsche Lehrerverband die im Corona-Jahr entstandenen Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern ausgleichen. Im Zentrum des Papiers, über das die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten, stehen dabei zwei Instrumente:

  • eine individuelle, das nächste Schuljahr begleitende Zusatzförderung für Kinder mit eher geringen Rückständen.
  • ein freiwilliges zusätzliches Lernjahr für diejenigen mit größeren Defiziten. Dies könne entweder als von zusätzlicher Förderung begleitetes Wiederholen des vergangenen Jahres geschehen oder in eigenen Lerngruppen für wiederholende Schüler mit angepasstem Lehrplan.

Studierende, Senioren und Externe sollen helfen

Das dafür nötige zusätzliche Personal soll laut Verband aus verschiedenen Gruppen kommen: Lehramtsstudierende, in Teilzeit arbeitende Lehrkräfte, die durch "attraktive Bedingungen" zur Aufstockung motiviert werden sollen und pensionierte Lehrerinnen und Lehrer. Außerdem könnten Schulen mit externen Partnern und Institutionen zusammenarbeiten wie privaten Nachhilfeanbietern, Volkshochschulen und Jugendämtern.

Für die Umsetzung fordert der Verband ein Bund-Länder-Programm in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro bis zum Sommer 2022, "analog dem Digitalpakt", wie es im Papier heißt. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte den Zeitungen:

In diesem Schuljahr wird es mit einer Nachholförderung nichts mehr, wer das behauptet, ist schief gewickelt.
Heinz-Peter Meidinger, Deutscher Lehrerverband

Man müsse sich jetzt an den Schulen die Zeit nehmen, zu schauen, wo die Kinder stehen, und dann Beratung anbieten. "Im Grunde müssten wir im Mai wissen, was für Fördermöglichkeiten im nächsten Jahr da sind. Es muss jetzt wirklich zügig gehen."

Verantwortung soll bei Schulen liegen

Schulen sollen dabei nach dem Vorschlag in der Umsetzung möglichst große Spielräume haben und unter anderem Lehr- und Stundenpläne anpassen können. "In dieser Frage ist eine total zentrale Steuerung nicht zielführend", erklärte Meidinger.

400 bis 600 Unterrichtsstunden konnten im vergangenen Jahr nach Schätzungen des Lehrerverbandes nicht in Präsenz abgehalten werden - in der Spitze entspreche das etwa einem halben Schuljahr. Und auch wenn der Distanzunterricht inzwischen besser funktioniere, seien die Lernfortschritte auf diese Art trotzdem geringer, heißt es im Papier.

"Es braucht einheitliche Eckpfeiler", so Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz zur aktuellen Corona-Schulpolitik. Dennoch seien die regionalen Unterschiede zu beachten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Meidinger geht davon aus, dass etwa ein Fünftel der Schüler im vergangenen Jahr "stark abgehängt" wurde. Etwa die Hälfte von diesen brauche wohl ein zusätzliches Schuljahr, um aufzuholen.

Mehr Hilfe für Hauptschüler

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert mehr Unterstützung - vor allem für Hauptschüler. "Mich wundert, dass wir immer nur über das Abitur reden", sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Gerade Gymnasiasten kämen meist aus der Mittelschicht und verfügten über eine bessere Infrastruktur zum Lernen als materiell schlechter gestellte Schüler.

Die aktuellen Schulabschlussjahrgänge könnten auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligt werden, warnen GEW und auch der Kinderschutzbund. Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland":

Die Politik darf nicht zusehen, wie Jugendliche in die künftige Arbeitslosigkeit abgleiten.
Heinz Hilgers, Kinderschutzbund

Es sei zu befürchten, dass wegen der Pandemie vor allem die Chancen leistungsschwächerer Schüler auf dem Ausbildungsmarkt sinken.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.