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Niedrigster Stand seit 2016 : Corona schwächt Inflation stark ab

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Niedrige Energiepreise und die Mehrwertsteuersenkung haben 2020 mehr Geld in die Börsen der Verbraucher gespült. Die Inflation war so niedrig wie zuletzt vor vier Jahren.

Archiv: Ein elektronisches Preisschild in einem Supermarkt.
Im Dezember lagen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Quelle: dpa

Gesunkene Energiepreise und die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung haben die Inflation in Deutschland im Corona-Krisenjahr auf den niedrigsten Stand seit 2016 gedrückt. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes vom Mittwoch stiegen die Verbraucherpreise im Jahresschnitt 2020 gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent. 2019 waren es noch 1,4 Prozent. Eine Rate von 0,5 Prozent war zuletzt im Jahresschnitt 2016 gemessen worden.

Einbruch der Ölpreise

Mit der Corona-Krise und dem globalen Wirtschaftsrückgang waren die Rohölpreise auf den Weltmärkten eingebrochen, was sich in gesunkenen Energiepreisen niederschlug. Zudem galten seit Juli bis Ende 2020 niedrigere Mehrwertsteuersätze in Deutschland. Damit wollte die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln. Händlern und Dienstleistern stand es aber frei, ob und wie sie die Erleichterungen an Verbraucher weitergeben.

Im Dezember lagen die Verbraucherpreise den vorläufigen Daten zufolge um 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Schon in den Vormonaten war eine Jahresinflationsrate unter der Null-Marke gemessen worden. Energie verbilligte sich im Dezember um 6,0 Prozent.
Mehr als ein Jahr zuvor mussten Verbraucher dagegen für Nahrungsmittel zahlen (plus 0,5 Prozent). Gegenüber November stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,5 Prozent.

Ökonomen: Inflationrate wird wieder steigen

Das Statistische Bundesamt wies darauf hin, dass die Corona-Krise auch im Dezember 2020 zu Schwierigkeiten bei der Preiserhebung geführt habe, da einige Güter am Markt nicht verfügbar waren. Die Qualität der vorläufigen Gesamtergebnisse sei aber gewährleistet.

Ökonomen rechnen angesichts der Rückkehr der Mehrwertsteuer zum alten Niveau und der seit Jahresbeginn geltenden CO2-Abgabe damit, dass die Teuerung wieder anzieht. Beides zusammen dürfte die Inflationsrate Anfang 2021 auf rund eineinhalb Prozent heben, erwarten Commerzbank-Experten.

Konjunktur könnte ausgebremst werden

Sinkende oder gar negative Inflationsraten sind in der Regel ein Alarmsignal für Währungshüter. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mit seinen 19 Staaten mittelfristig eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist nach Einschätzung der Währungshüter weit genug entfernt von der Nullmarke.

Denn sind Preise dauerhaft niedrig oder sinken auf breiter Front, könnte dies Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben - im Glauben, dass es womöglich ja bald noch billiger wird. Diese abwartende Haltung kann die Konjunktur ausbremsen. Die angestrebte Rate hat die EZB trotz Nullzinspolitik und Geldschwemme seit langer Zeit nicht mehr nachhaltig erreicht.

Sparer haben Geld verloren

Trotz der vergleichsweise niedrigen Inflation haben Sparer im vergangenen Jahr Geld verloren. Nach Berechnungen der Commerzbank-Tochter Comdirect und Barkow Consulting lag der Realzins - also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate - im Gesamtjahr bei minus 0,39 Prozent.

Demnach verloren Sparer in Deutschland insgesamt 9,2 Milliarden Euro wegen niedrig verzinster Einlagen. Mit einer schnellen Trendwende wird nicht gerechnet.

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