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Corona und die Schifffahrt : Gefangene an Bord: Seeleute in der Pandemie

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Auch im zweiten Pandemie-Jahr ist die Situation für Seeleute schwierig. Aus Infektionsangst sind Landgänge untersagt, Crew-Wechsel selten möglich. Das gefährdet die Wirtschaft.

Wieder ist Kapitän Tobias Kammann unterwegs. Mitte März in Valencia an Bord gegangen, fährt er auf der "Shanghai Express", einem 366 Meter langen Containerriesen der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, gerade von Singapur über Pusan in Korea Richtung China.

Anfang des vergangenen Jahres hatte er mit dem Schwesterschiff "Essen Express" auf der gleichen Route direkt auf eine Pandemie zugesteuert - von der damals noch niemand wusste, dass es eine ist.

Monatelang auf See - ohne Landgang

Quasi auf dem Scheitelpunkt der ersten Welle war er dann von China zurück nach Europa gefahren. Etwas mehr als drei Monate sollte die Reise dauern. Am Ende verbrachte er fast ein halbes Jahr ohne einen einzigen Landgang an Bord.

Auch dieses Mal wird er für die Dauer der Reise sein Schiff nicht verlassen. Nur ist er jetzt besser vorbereitet:

Ich habe tatsächlich mehr Zahnbürsten dabei. Statt zwei jetzt vier - wer weiß, ob man sie braucht.
Tobias Kammann, Kapitän

"Außerdem ein bisschen mehr Nervennahrung. Lakritze sind schwer zu bekommen im Ausland", ergänzt der Kapitän.

Oft sitzen Schiffsbesatzungen auch wegen geschlossener Grenzen fest

Kammann ist gut im Tiefstapeln und hart im Nehmen. Noch härter hat es allerdings Tekemau Kiraua getroffen. Der Kapitän aus Kiribati, einem pazifischen Inselstaat, ist auch nach anderthalb Jahren nicht wieder zu Hause. Vierzehn Monate verbrachte er auf See, weil Neuseeland und Fidschi ihre Grenzen dicht und so die Rückkehr nach Kiribati unmöglich gemacht hatten.

Seine deutsche Reederei flog ihn dann von Australien nach Hamburg, wo er für drei Monate in einer von der Deutschen Seemannsmission betreuten Notunterkunft strandete. Ende März reiste er schließlich über Neuseeland nach Fidschi, wo er trotz beendeter Quarantäne noch immer festhängt.

Existenzängste wegen fehlender Impfungen

Eine Odyssee, wie sie in der Pandemie Zehntausende Seeleute erleben. Zusätzlich wird Kapitän Kirauas Freude auf ein Wiedersehen mit der Familie von Existenzängsten getrübt:

Die Situation für uns wird eher schwieriger als besser. Wenn wir nicht bald geimpft werden, wird es vermutlich bedeuten, dass wir erst einmal gar nicht mehr zur See fahren können.
Tekemau Kiraua, Kapitän

Ein echtes Problem. 90 Prozent aller Güter werden auf dem Seeweg transportiert, während aktuell weltweit rund 200.000 Seeleute entweder nicht an oder von Bord können.

Und so drängen die Weltgesundheitsorganisation, die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO und auch der Verband Deutscher Reeder (VDR) schon lange darauf, Seeleute als systemrelevante "Key Worker" einzustufen, um ihre Reisewege zu erleichtern und sie priorisiert gegen Corona zu impfen.

"ZDFzoom" hat zahlreiche Missstände der Arbeits- und Lebensbedingungen von Seeleuten aufgedeckt.

Beitragslänge:
29 min
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Reeder-Verband: Seeleute schneller impfen

Das Geschäftsführende Präsidiumsmitglied des VDR, Ralf Nagel, warnt:

Seeleute müssen beim Impfen ganz oben auf die Liste. Alles andere gefährdet die globalen Transportketten.
Ralf Nagel, Verband Deutscher Reeder

Er fordert, dass ausländische Seeleute - von den Philippinen, aus Indien oder der Ukraine etwa - notfalls auch hierzulande geimpft werden. Denn da geht es auch um deutsche Wirtschaftsinteressen, betreibt Deutschland doch die zahlenmäßig größte Handelsflotte der Welt.

Die Konjunktur hat wieder angezogen, randvoll sind gerade die Containerriesen, die zwischen Europa und Ostasien pendeln. Das sorgt für Engpässe an den Containerterminals in den Häfen. Dazu kommen die Folgen der Havarie der "Ever Given" im Suezkanal.

Auch die "Shanghai Express" verlor allein durch den Stau vor dem Kanal dreieinhalb Tage. Dass Kapitän Kammann dieses Mal pünktlich zur Familie nach Hause kommt, ist erneut fraglich. Denn zusätzliche Hemmnisse durch die Entwicklung der Pandemie sind noch nicht eingerechnet. 

Neben Schleppern und Kränen haben auch gute Wetterbedingungen geholfen: Eine überdurchschnittlich hohe Flut unterstützte das Rettungsmanöver des festgesteckten Containerschiffs im Suezkanal.

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