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Einzelhandel im Corona-Shutdown : "Der Handel bringt aktuell ein Sonderopfer"

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Der Shutdown trifft die Einzelhändler in der wichtigsten Zeit des Jahres. Viele geraten in Existenznot, warnt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland.

ZDFheute: Am Dienstag hat es nochmal einen Ansturm auf die Geschäfte gegeben. Sind da historische Umsatzrekorde aufgestellt worden?

Stefan Genth: Nein, definitiv nicht! Mancherorts hat es zwar Warteschlangen vor Geschäften gegeben, auf der anderen Seite berichtet etwa ein großes Kaufhaus in Berlin, dass es dort nicht mal zehn Prozent des normalen Besucheraufkommens gegeben habe. Das ist schon dramatisch.

ZDFheute: Die deutschen Händler kommen sehr unterschiedlich durch die Krise. Wo sprudeln Umsatz und Gewinn, wo herrscht Sorge oder gar Not?

Genth: Der Lockdown trägt dazu bei, dass der Online-Handel nochmal erheblich hinzugewinnt. Statt ursprünglich angenommenen 17 Milliarden Euro Umsatz werden es um die 20 Milliarden Euro allein im Weihnachtsgeschäft sein. Im Lebensmittelhandel sind die Umsatzzahlen auch positiv.

Hessen, Frankfurt/Main: Für ein wenig weihnachtliche Atmosphäre sorgt auf der Frankfurter "Fressgass" ein aufblasbarer Schneemann.

Corona-Weihnachtsgeschäft - Innenstädte leiden wegen Onlineshopping 

Normalerweise macht der Handel zur Weihnachtszeit den meisten Umsatz. Wegen Corona sieht es jedoch besonders für Geschäfte in Innenstädten düster aus.

Große Sorgen haben dagegen die Innenstadthändler, allen voran der Modehandel. Diese Geschäfte hatten schon im November Umsatzeinbrüche zwischen 40 und 50 Prozent und erleben jetzt einen Totalverlust des Weihnachtsgeschäfts.

ZDFheute: Der vom Lockdown betroffene Handel verliert laut Handelsverband Deutschland (HDE) im Vergleich zum Vorjahr etwa 20 Prozent seines Jahresumsatzes – gleichzeitig erzielt der Online-Handel mehr als 20 Prozent plus. Leidet nun besonders, wer die Marktentwicklung verschlafen hat?

Genth: Das kann man so nicht sagen. Das sind zwei verschiedene Welten. Stationäre Händler setzen auf den Erlebniseinkauf, bei dem Kunden fühlen, schmecken, riechen und anfassen können. Das ist etwas ganz anderes als der Online-Handel.

ZDFheute: Aber sind nicht auch stationäre Händler gut beraten, ihre Online-Präsenz zu stärken?

Genth: Nach dem ersten Lockdown sind viele auch auf Online-Marktplätze gegangen, um den Anschluss zu halten. Aber die großen Plattformen verlangen auch satte Provisionen, sodass die Gewinnmargen der Händler sehr eng sind.

ZDFheute: Der Trend zum Online-Handel stellt den stationären Handel in den Städten nicht erst seit 2020 vor Herausforderungen…

Genth: … Das stimmt, aber der gesamte Einzelhandel in Deutschland macht im Jahr 550 Milliarden Euro Umsatz, der Interneteinzelhandel 70 Milliarden Euro. Daran sehen Sie, wie bedeutend der stationäre Handel ist.

Wir sind aber intensiv dran, den Handel in die digitale Welt zu begleiten. Das braucht große Investitionen, die für die meisten Händler in der aktuellen Lage schwierig zu stemmen sind, weil sie in der Krise ihr Eigenkapital aufgezehrt haben.

ZDFheute: Sie fordern unbürokratische und schnelle Hilfen, sonst gäbe es womöglich für bis zu 50.000 Geschäfte mit 250.000 Beschäftigten keine Zukunftsperspektive mehr. Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Genth: Etwa 200.000 Einzelhandelsunternehmen mit 560.000 bis 600.000 Beschäftigten sind vom Lockdown betroffen. Wenn wir davon den Anteil mit schweren Umsatzeinbußen anschauen, kommen wir auf die Größenordnung, dass bis zu 250.000 Jobs in Gefahr sind. Der Druck ist enorm.

ZDFheute: Die Corona-Pandemie wird 2021 nicht von heute auf morgen verschwinden. Wie wappnet sich der Einzelhandel für die nahe Zukunft?

Genth: Der Handel bringt aktuell im harten Lockdown ein Sonderopfer. Im Gegenzug hoffen wir auf staatliche Konzepte, die den Handel bei den hohen Betriebskosten entlasten. Es gibt einen ersten Erfolg, weil der Gesetzgeber jetzt klarstellt, dass es bei den Mieten eine Risikopartnerschaft zwischen Vermieter und Mieter gibt, und dass der Mieter die Miete reduzieren kann, weil durch die Pandemie seine Geschäftsgrundlage gestört ist.

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, gibt im Finanzministerium eine Pressekonferenz. Thema sind weitere Finanzhilfen im Rahmen der Corona-Beschränkungen.

Ausgleich für Finanz-Ausfälle - Scholz: 15 Milliarden Euro Dezemberhilfen 

Die Dezemberhilfen für Firmen, die vom Teil-Lockdown-betroffen sind, sollen ein Volumen von 15 Milliarden Euro haben. Es könne auch mehr werden, so Finanzminister Scholz.

Zudem geht es nun darum, die Überbrückungshilfen passgenau als Betriebskostenzuschüsse anzusetzen, um die Krise zu bewältigen. Es bleibt zu hoffen, dass wir ziemlich schnell aus dem harten Lockdown herauskommen und die Geschäfte wieder öffnen können. Die Hygiene-Konzepte haben in unserem Bereich ja sehr gut funktioniert.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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