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Tourismusmesse ITB startet - "Reisen sind nicht Treiber der Pandemie"

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Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) startet. Die Branche bereitet sich auf den Reisestart vor - und ärgert sich über fehlende Öffnungsperspektiven, klagen die Verbände.

Archiv: Menschen Sonnen und Baden am Strand von El Arenal, Mallorca, Spanien
Für Mallorca soll es eine vorsichtige Öffnung geben.
Quelle: Reuters

Die Corona-Pandemie setzt der viele Jahre erfolgsverwöhnten Reisebranche weiter zu. Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) startet und findet bis zum 12. März online und ausschließlich für Fachbesucher statt. "Die Branche ist sehr angespannt. 2020 war ein katastrophales Jahr", sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Reisebüros, Reiseveranstalter hätten 80 Prozent ihres üblichen Umsatzes verloren.

Für das kommende Jahr wäre es schon als Erfolg zu werten, wenn rund 50 Prozent des Umsatzvolumens von 2019 erreicht werden würde, sagt Fiebig. "Man muss damit rechnen, dass wir eine Pleitewelle erleben werden", sagt Tourismusforscher Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximillians-Universität München. "Es gibt verschiedene Schätzungen, in der Gastronomie sprechen wir von 30 Prozent der Betriebe, die vermutlich die Krise nicht überleben werden."

Die Internationale Tourismusbörse in Berlin startet dieses Jahr digital. Im Fokus steht die Hoffnung auf Reiselockerungen, um die Branche wieder aus dem Corona-Stillstand zu holen.

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Tourismusbranche fordert Perspektiven

Die Reisebranche fordere von der Bundesregierung Vorgaben und Perspektiven, wann es wieder richtig losgehen kann - und eine Teststrategie, die die Quarantäne ersetze - sowie mehr Tempo beim Impfen, sagt Fiebig.

Reisebüros und Veranstalter gäben das laufende Jahr wirtschaftlich weitgehend verloren, obwohl die Menschen grundsätzlich in Reiselaune sind. Fiebig fordert:

Die dumpfe Stigmatisierung von Reisen als Treiber der Pandemie muss endlich unterbleiben, weil sie nicht sachgerecht ist.
Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV)

Zudem solle bei dem Ausweis von Risikogebieten und Reisewarnungen differenzierter vorgegangen werden. Es mache keinen Sinn, eine Quarantäne zum Beispiel von Mallorca zu verordnen, die eine Inzidenz im Moment von 35 habe - wenn man dann nach Düsseldorf fliegt, mit einer Inzidenz von 60. "Vor wem wollen wir schützen?", fragt Fiebig.

Bareiß: "Im Sommer Urlaub möglich"

Auch Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung (CDU) hofft auf schnelleres Impfen und mehr Tests. Er sagt:

Wir haben da die große Hoffnung, dass wir Schritt für Schritt die Reiseziele öffnen können. Dass wir im Sommer auf alle Fälle in Deutschland Urlaub machen können und durch weiteres Impfen auch europäische Ziele ansteuern können.
Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung (CDU)

Dabei sei für die nächsten Monate wichtig, dass regional vorgegangen wird. Das System der Risikoeinschätzung müsse verlässlich und nachvollziehbar sein. "Die Menschen wollen sicher reisen und sicher wieder nach Hause kommen", betont Bareiß.

Für Reisekonzepte setzt Bareiß auch auf einen europaweiten digitalen Impfausweis - allerdings erst dann, wenn jeder die Chance auf eine Impfung habe. Dann könne der Impfausweis eine wichtige Grundlage sein für beispielsweise die Einreise in ein Land. Bareiß erinnert daran, dass es heute schon Länder gebe, für deren Einreise gewisse Impfungen benötigt würden.

Urlaubsbuchung: 38 Prozent der Menschen zögern noch

Die Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Pandemie lässt allerdings viele Sonnenhungrige noch zögern. Zwar stehen Urlaubsreisen bei den Menschen in Deutschland einer Studie zufolge unverändert weit oben auf der Wunschliste, doch wissen 38 Prozent noch nicht, ob sie sich in diesem Jahr dazu entschließen. Das sind der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zufolge mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Knapp die Hälfte plant eine Urlaubsreise.

"Ob und wie man verreist, hängt im Wesentlichen von den Möglichkeiten in der Pandemie ab", erläuterte Tourismusexperte Martin Lohmann.

Vorsichtige Öffnung für Mallorca

Branchenprimus Tui setzt bereits in den Osterferien auf einen Wiederanlauf des wichtigen Mallorca-Geschäfts. "Die Hotellerie hat sich intensiv vorbereitet, sicheren und verantwortungsvollen Urlaub anzubieten", sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak vor Beginn der ITB.

Spanien, Palma: Gäste der Bar "Zur Krone" sitzen am Strand von El Arenal in der Sonne.

Urlaub und Corona - Reisebranche hofft auf Mallorca-Start 

Oster-Urlaub auf Mallorca trotz Coronavirus? Der Reisekonzern Tui hofft auf den baldigen Start der Frühjahrssaison. Noch aber gilt Spanien laut RKI als Risikogebiet.

Es soll auf der Lieblingsinsel der Bundesbürger eine vorsichtige Öffnung geben, etwa mit dem Start eines Robinson-Clubs und ersten Flügen der Konzern-Airline Tuifly ab der zweiten März-Hälfte.

Reisen zu den übrigen Balearen-Inseln Ibiza, Menorca und Formentera sowie in den Großteil Festland-Spaniens sagte Tui vorerst noch bis Mitte April ab. Zuletzt wurde Spanien vom Robert-Koch-Institut noch als normales Risikogebiet eingestuft - also als Land ohne außergewöhnlich hohe Corona-Neuansteckungen.

Urlaub in Deutschland bleibt Trend

"Aus den Erfahrungen aus dem letzten Jahr können wir einfach davon ausgehen, dass auch 2021 ein Jahr des Binnentourismus wird, das heißt, die Deutschen werden überwiegend im eigenen Land reisen", sagt Tourismusforscher Schmude. Laut einer Umfrage des ADAC setzen etwa zwei Drittel der Menschen besonders auf Urlaub zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen.

Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie den Trend zu Auslandsurlauben gestoppt, nicht zuletzt wegen Reisewarnungen für die meisten Länder. Aber auch für den Urlaub im eigenen Land fehlt bisher allerdings eine klare Öffnungsperspektive, wie der Deutsche Tourismusverband (DTV) immer wieder beklagt.

Eine Schutzmaske liegt im Sand eines Sylter Strandes

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von Marcel Burkhardt

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