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Wie kleine Gastronomen um die Existenz kämpfen

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Unternehmen in der Klemme - Wie kleine Gastronomen um die Existenz kämpfen

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Es geht ums Ganze: Wie der Besitzer eines kleinen Cafés in Mainz seinen Kunden trotz Corona ein Stück Normalität erhalten möchte.

Paul Bonna
Paul Bonna hat seine "Kaffeekommune" in einen Kiosk umgebaut - und hofft so seinen Betrieb aufrechterhalten zu können.
Quelle: privat

makro: Was tun Sie aktuell, um ihren Laden über Wasser zu halten?

Paul Bonna: Wir haben einen relativ kleinen Laden, in dem wir die Mindestabstände nicht gewährleisten können. Deshalb haben wir den Laden geschlossen und einen Kiosk in die Tür gebaut. Dort verkaufen wir Getränke und Speisen zum Mitnehmen.

Anmerkung der Redaktion: Nach dem Interview entschied die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, dass Gaststätten schließen müssen. Paul Bonna rechnet damit, dass er seine Kiosk-Lösung allerdings weiterverfolgen darf.

Letzte Woche haben wir auch einen Online Shop auf die Beine gestellt, in dem wir unsere selbst gerösteten Kaffees, die wir normalerweise im Laden verkaufen, online anbieten.

makro: Social Distancing und gemütliches Zusammensein bei einer Tasse Kaffee. Geht das zusammen?

Meine Existenz ist auf jeden Fall in Gefahr.
Paul Bonna

Bonna: So schwer es mir auch fällt, mussten wir das gemütliche Zusammensein verbannen. Wir halten die Kunden an, Mindestabstand zu halten und meiden jede Konversation. Normalerweise leben wir von dem Austausch mit den Gästen. Wir haben de facto keinen Service mehr, sondern nur noch eine Bestellung am Counter. Das Herzstück unserer Arbeit können wir nicht mehr ausführen.

makro: Bangen Sie um ihre Existenz?

Bonna: Meine Existenz ist auf jeden Fall in Gefahr. Wir haben im letzten Jahr viel investiert und meine Rücklagen werden nicht lange reichen. Ich wünsche es mir sehr, dass es weitergeht. Die "Kaffeekommune" ist mein Lebensinhalt. Meine Arbeit der letzten zehn Jahre steht jetzt innerhalb weniger Wochen auf dem Spiel.

makro: Sie wollen den Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten. Wie reagieren Ihre Kunden darauf?

Bonna: Sie freuen sich jeden Tag aufs Neue, dass wir durch den Kiosk einen Notbetrieb aufrechterhalten. Ich habe das Gefühl, dass wir ihnen ein Stück Normalität erhalten und sie für einen Moment die negativen Geschehnisse vergessen. Das ist Lebensqualität für sie, aber auch für uns.

Andere Gastronomen haben im Netz eine Negativwelle abgekriegt, weil sie ihren Betrieb regulär weitergeführt haben. Das ist bei uns anders. Ich bekomme eine riesige Unterstützung über Social Media. Das motiviert mich trotz desaströser Umsatzzahlen, zuversichtlich zu bleiben.

makro: Was bedeutet die aktuelle Situation für Ihre Mitarbeiter?

Bonna: Ich beschäftige ausschließlich Festangestellte, was für die Gastronomie unüblich ist. Mein Team ist etwas Besonderes, das ich über viele Jahre mit großer Anstrengung aufgebaut und entwickelt habe. Ich möchte das nicht verlieren. Meine essentielle Aufgabe sehe ich jetzt darin, Ihnen zu vermitteln, dass es eine Perspektive gibt.

makro: Haben Sie schon erste Erfahrungen mit staatlichen Hilfen wie dem Kurzarbeitergeld oder Förderkrediten gemacht?

Bonna: Ich habe jetzt zum ersten Mal ein solches Antragsformular ausgefüllt. Wenn sich die Bearbeitungszeit nicht über Wochen oder Monate verzögert, kann ich dank der vereinfachten Kurzarbeiterregelung meine Mitarbeiter halten. Den Krediten stehe ich sehr kritisch gegenüber, weil sie meine finanziellen Probleme nur in die Zukunft verlagern.    

Das Interview führte Erik Sarrazin

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