Sie sind hier:

Corona-Protokolle: Unternehmer - Vom Rücken zur Wand bis relativ entspannt

Datum:

Viele Soloselbstständige und Unternehmer drängen in der Corona-Krise auf Öffnungen, um Rechnungen begleichen zu können. Anderen geht es besser. Vier Unternehmer berichten.

Das Gitter eines geschlossenen Friseursalons in Pforzheim ist heruntergelassen.
Wann Einzelhändler und Gastronomen wieder öffnen dürfen, ist weiterhin unklar.
Quelle: dpa

Sebastian Kreutz, Start-up-Gründer aus Düsseldorf

Zusammen mit zwei Partnern habe ich ein Virtual-Reality-Café gegründet. Bei uns können Gruppen gemeinsam virtuelle Spiele spielen, die wir mit unserem Entwicklerteam auch selbst produzieren. Die Spieler tragen dabei dann Virtual-Reality-Brillen.

Im ersten Shutdown konnten wir unsere Verluste etwas abfedern, indem unser Entwicklerteam ein paar externe Aufträge für Software-Entwicklungen annehmen konnte. Das hat jedoch dazu geführt, dass wir durch diese kleineren Aufträge unser Anrecht auf die Überbrückungshilfen 1 und 2 verloren haben. Das hat uns im Laufe des Jahres sehr geschadet. Hinzu kommt, dass wir zur Gründung unseres Start-ups Kredite aufnehmen mussten, die jetzt natürlich weiterhin getilgt werden müssen. Das sind Kosten von 6.000 Euro im Monat. Eine Lücke, von der wir überhaupt nicht wissen, wie wir sie im Moment schließen können.

Damit ist nicht nur das Start-up inzwischen trotz der staatlichen Entschädigungen akut bedroht, auch wir privat als Gründer haften in voller Höhe für die Förderkredite in sechsstelliger Höhe. Das würde im schlimmsten Fall dazu führen, dass wir als Gründer in Privatinsolvenz gehen.

Zu sehen wie unser Projekt, in dem viel Liebe und Leidenschaft steckt, so bedroht ist - das ist schon extrem bitter.
Sebastian Kreutz, Start-up-Gründer

Für uns bleibt somit nur zu hoffen, dass durch Teststrategien und schnelles Impfen möglichst bald Lockerungen möglich sind.

Jürgen Burggraf und Volker Thomann, Einzelhändler aus Mainz

Wir betreiben seit 2003 ein Geschäft für Fahrrad-, Snowboard- und Laufbedarf. Noch nie war unser Unternehmen in solch einer Krise. Im Sommer liefen die Geschäfte nach dem ersten Shutdown noch sehr gut. Viele Menschen haben sich Fahrräder gekauft, es war deutlich mehr los als in den Sommermonaten der Vorjahre. Doch durch den zweiten Shutdown sind wir so richtig in Schwierigkeiten geraten.

Die Wut über die Corona-Politik in der Wirtschaft ist groß. Minister Peter Altmaier kündigt Verbesserungen bei den Finanzhilfen an. Wie eine Öffnungsstrategie aussehen kann, bleibt aber unklar. Florian Neuhann berichtet.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Das größte Problem sind die Kredite, die wir für den Ankauf der Ware aufnehmen mussten. Wir haben dort zunächst von den günstigen Corona-Krediten profitiert. Da wir allerdings immer noch nicht öffnen dürfen, bekommen wir erhebliche Zahlungsschwierigkeiten. Denn die Kredite müssen getilgt werden, aber dafür gibt es natürlich keine Hilfen vom Staat. Und da wir fast nichts verkaufen, haben wir ein echtes Problem.

Da häuft sich gerade ein Schuldenberg von über 150.000 Euro an. Wir verstehen zwar, dass die Pandemie weiter gefährlich ist - besonders mit Blick auf die Mutanten. Aber wir haben ein gutes Hygienekonzept, können regulieren, wie viele Kunden den Laden betreten und verhindern, dass sie sich zu nah kommen.

Da fragt man sich dann schon, warum mancher Discounter Ski- und Radbekleidung verkaufen darf und wir nicht.
Jürgen Burggraf und Volker Thomann

Reiner Hermann, Consulter aus Düsseldorf

Als Consulter für kleinere Unternehmen und Privatpersonen hat mich die Pandemie in die Zwangsarbeitslosigkeit gedrängt. Denn für meinen Beruf ist es unabdingbar, persönlichen Kundenkontakt zu haben. Meine Kunden schieben die Aufträge also erstmal auf - und warten damit, bis sich die Lage in der Pandemie entspannt.

Da ich durch mangelnde Aufträge viel Zeit während der Krise habe, habe ich mich mit den Soforthilfen in meinem Bundesland NRW beschäftigt. Mir sind dort Ungereimtheiten aufgefallen. Rund 15 Mal hat die Landesregierung die FAQs zu der Beantragung geändert. Noch nicht einmal die im Bescheid stehenden Zusagen berechnet die elektronische "Berechnungshilfe" des Rückmeldeformulares.

Das verunsichert die Antragssteller und sorgt für Chaos, weil unklar ist, unter welchen Bedingungen die Beantragung dieser Hilfe überhaupt rechtens ist. Deshalb habe ich auf Facebook eine Interessensgemeinschaft gegründet. Anfangs habe ich auf wenige hundert Mitglieder gehofft, mittlerweile sind es fast 6.000 Unternehmer und Soloselbstständige.

In dieser Gruppe tauschen wir uns aus und sammeln Geld, um anwaltlichen Beistand zu engagieren. Damit wollen wir das Soforthilfe-System in NRW von vorne bis hinten anwaltlich prüfen lassen.

Ich achte ganz genau darauf, dass unsere Gruppe nicht von Rechtsradikalen, Querdenkern oder sonstigen Verschwörungstheoretikern unterwandert wird.
Reiner Hermann

Uns geht es darum, das einzuklagen, was uns die Landesregierung am Anfang der Pandemie in guter Absicht versprochen hat.

Saskia Klinder, Eventmanagerin und Gründerin aus Bremen

Während der Pandemie bin ich den mutigen Schritt gegangen, meine Festanstellung im Hotelgewerbe aufzugeben und mich vollkommen auf meine selbstständige Tätigkeit als Eventmanagerin zu konzentrieren. Bereits seit 2018 betreibe ich eine entsprechende Agentur neben meiner Festanstellung.

Für mich war das ein wichtiger Schritt, den ich nicht bereue. Ich habe auch während der Pandemie Wege gefunden, Events zu veranstalten. Derzeit arbeite ich mit vielen Partnern zusammen, um gemeinsam sogenannte "hybride" Events nachhaltig für Unternehmen auf die Beine zu stellen. Dabei treten nur einige Personen vor Ort auf, per Stream können andere Teilnehmer zuschauen.

Ich kooperiere zudem vermehrt mit digitalen Studios und vermittle deren technisches Know-how an meine Kunden. Das klappt gut, denn trotz des Shutdowns ist eine Nachfrage nach hybriden Veranstaltungen vorhanden.

Natürlich sind die Bücher etwas weniger gefüllt, aber ich bin mir sicher, dass es nach der Pandemie einen regelrechten Boom in der Branche geben wird.
Saskia Klinder

Events werden dann nachgeholt, auch hybride sowie digitale Veranstaltungen werden weiterhin für Kunden attraktiv bleiben. Deshalb wäre es falsch, die Krisenzeit jetzt nicht richtig zu nutzen. Derzeit werde ich gecoacht, um weiter in mich während der Krise zu investieren.

Ich merke natürlich auch, wie hart die Veranstaltungs- und Hotelbranche von dem Shutdown betroffen ist. Aber für mich persönlich ist das kein Grund, meinen positiven Blick auf eine hoffentlich bessere Zukunft zu verlieren. Vor mir lagen im Endeffekt zwei Wege, ich nahm den, der am wenigsten betreten war. So sehe ich die Krise.

Lesen Sie hier die Corona-Protokolle von Mitarbeiter*innen der Gesundheitsämter.

Altmaier berät mit Verbänden - Gipfeltreffen gegen wirtschaftliche Leiden 

Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat zu einem Krisengipfel 40 Verbände eingeladen. Es geht um die Lage, Hilfsprogramme und Öffnungsperspektiven. Vielen Branchen geht es schlecht.

Videolänge
1 min
von Mischa Ehrhardt

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise

Passanten in der Regent Street, London, Großbritannien

Ähnliche Zahlen, keine Panik - Die britische Corona-Dauer-Welle 

Es lebt sich recht ungeniert in Großbritannien. Die Inzidenz bei rund 450. Keine Beschränkungen, kein Ausnahmezustand. Was ist los auf der Insel, was anders als in Deutschland?

von Andreas Stamm
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.