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"Wir müssen solidarischer miteinander umgehen"

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Hamsterkäufe wegen Coronavirus - "Wir müssen solidarischer miteinander umgehen"

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Wegen der Hamsterkäufe haben die Tafeln weniger Lebensmittel zum Verteilen. Vor allem Bedürftige seien von Krisen betroffen, sagt Tafel-Chef Brühl - und mahnt mehr Solidarität an.

Archiv: Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor der Ausgabestelle, Aufgenommen am 28.02.2018
Kunden der Essener Tafel stehen mit ihren Einkaufstrolleys vor der Ausgabestelle (Archivbild). Besonders Alte und Bedürftige gehen zu den Tafeln in Deutschland.
Quelle: dpa

Die Angst der Deutschen vor dem Coronavirus lässt sich derzeit auch am Umsatz mit Fertigsuppen ablesen. Der hatte sich im Vergleich zur Woche davor mehr als verdoppelt, teilte das Forschungsinstitut GfK am Freitag mit. Auch bei Fisch-, Obst- und Gemüsekonserven sowie Nudeln griffen die Deutschen in den vergangenen Tagen ordentlich zu. Fotos von leeren Regalen und ausverkauftem Desinfektionsmittel verbreiteten sich im Internet. Dabei rufen Politiker zur Umsicht auf. In Deutschland drohten "keine Versorgungsengpässe mit Nahrungsmitteln durch das Coronavirus", wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner twitterte.

Die Tafeln sind ein Seismograf der Gesellschaft
Jochen Brühl, Tafeln Deutschland

Die Hamsterkäufe der Deutschen haben allerdings Auswirkungen auf die Tafeln in Deutschland. Bei mehreren Tafeln sind deutlich weniger Lebensmittel gespendet worden, unter anderem in Berlin und Unna. Das sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl gegenüber heute.de. "Die Tafeln sind ein Seismograf der Gesellschaft", so Brühl. Besonders ältere und bedürftige Menschen gehen zu den mehr als 940 Tafeln in Deutschland. Laut eigenen Angaben unterstützen die Tafeln regelmäßig 1,6 Millionen Menschen mit Lebensmitteln. Dazu sammeln sie übrig gebliebene Lebensmittel aus Handel und Gastronomie ein.

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Geld für NGOs gefordert

"Man muss auch die Menschen am Rande der Gesellschaft im Blick haben. Sie sind von krisenhaften Situationen, wie sie das Coronavirus auslösen kann, besonders betroffen", sagte Brühl. Von der Politik fordert er finanzielle Hilfen. "Man darf nicht nur auf den Dax und die Wirtschaft blicken, sondern sollte auch NGOs mit einem Fonds unterstützen."

Besonders rar bei den Tafeln seien Nudeln, Konserven, Kaffee und Zucker - Lebensmittel, die ohnehin immer knapp seien. Wer helfen möchte, könne bei Tafeln vor Ort nachfragen, was gebraucht werde, und Lebensmittel spenden. "In einer solchen Situation zeigen sich die Werte einer Gesellschaft - wir müssen noch solidarischer miteinander umgehen", sagte Brühl.

Hamsterkäufe "nicht unbedingt unsolidarisch"

Der Angstforscher Jürgen Margraf von der Ruhr-Universität Bochum hält Hamsterkäufe dagegen nicht automatisch für falsch. "Wenn ich aktuell Lebensmittel auf Vorrat kaufe, ist das nicht unbedingt unsolidarisch. Unsolidarisch wäre es, wenn man als normaler Bürger Atemschutzmasken und medizinische Schutzkleidung kauft, die an anderer Stelle im Medizinwesen dringend gebraucht wird."

Margraf verweist auf die allgemeinen Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz, wonach für einen Katastrophenfall ein Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zehn Tage empfohlen wird. Der Forscher hält es für wichtig, dass Politiker weiterhin besonnen reagieren und keine Panik machen. "Wir Menschen sind Massenwesen. Wir tun, was andere tun."

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