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Corona und die Wirtschaft - "Afrika wird weit zurückgeworfen"

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Afrika droht durch die Corona-Pandemie in eine wirtschaftliche Krise zu stürzen. Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Kappel über die aktuelle Lage und die Verantwortung Europas.

Junge mit Mund-Nasen-Schutz läuft an einer Blechhütte in Nairobi (Kenia) vorbei. Auf der Blechhütte ist ein Graffiti mit der Aufschrift "Corona is Real" und eine Abbildung eines Mannes mit Baseballmütze und Mund-Nase-Schutz zu sehen.
Die Corona-Krise trifft den afrikanischen Kontinent ökonomisch hart.
Quelle: AP

makro: Wie hart trifft die Corona-Pandemie den afrikanischen Kontinent?

Robert Kappel: Die meisten afrikanischen Länder haben die Coronakrise recht gut gemeistert. Aber die wirtschaftliche Krise in Europa, China und den USA drückt das wirtschaftliche Wachstum Afrikas. Die Lieferketten mit ausländischen Unternehmen sind unterbrochen worden.

Exporterlöse gehen deutlich zurück, die Deviseneinnahmen verringern sich und die Steuereinnahmen und Rücküberweisungen von Exil-Afrikanern fallen.

Hinzu kommt der Einbruch des Tourismus. Millionen von Menschen fehlen die Einnahmequellen.

makro: Die Internationale Arbeitsorganisation ILO rechnet in Afrika mit einem Verlust von 19 bis 22 Millionen Arbeitsplätzen durch die Pandemie. Würde das die Fortschritte zunichtemachen, die über viele Jahre bei der Armutsbekämpfung erzielt wurden?

Kappel: Viele ausländische Unternehmen investieren weniger und ziehen sich zurück. Viele afrikanische Unternehmen sind ebenfalls in die Krise geraten, sie leiden unter mangelnden Aufträgen und der geringeren Nachfrage der Bevölkerung.

Millionen von Jobs gingen verloren. Afrika wird weit zurückgeworfen.

makro: Viele afrikanische Länder sind hoch verschuldet. Corona verschärft die Situation zusätzlich. Sehen Sie hier einen Ausweg?

Kappel: Viele afrikanische Länder waren bereits vor dem Beginn von COVID-19 hoch verschuldet. Ich schlage ein Schuldenmoratorium vor, um Spielraum zu gewinnen.

Die bisher von den G20-Ländern gefahrenen Maßnahmen erweisen sich als nicht ausreichend.

Daher sollte es erstens ein Schuldenmoratorium für jene Länder geben, die bereits in einer großen Schuldenkrise stecken. Zweitens sollten Länder, die in der Lage sind, auf einen Schuldenerlass zu verzichten, dies tun, um das Vertrauen der Investoren in Zukunft nicht zu verlieren. Drittens sollten private Gläubiger - wie Banken - ebenfalls auf einen Teil der Schuldenrückzahlungen verzichten.

Die Ausbreitung des COVID-19 in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen wäre nur schwer einzudämmen. Viele afrikanische Länder haben starke Wirtschaftsbeziehungen mit China, aber bislang wurde dort kein Krankheitsfall registriert.

Beitragslänge:
2 min
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makro: Könnte die Pandemie die Beziehung zwischen Europa und Afrika verändern?

Kappel: Europa kann den Prozess der Wiederbelebung der Wirtschaft unterstützen. Allerdings sollten sich die europäischen Entscheidungsträger auf die Hauptaufgaben konzentrieren und eine strategische Zusammenarbeit mit afrikanischen Regierungen auf den Weg bringen.

Dabei geht es vor allem um fairen Handel, die Linderung der gravierenden Beschäftigungsprobleme, die Armutsbekämpfung, die Minderung der Umweltkrisen und vor allem um die Unterstützung von endogener Entwicklung auf dem Kontinent durch Industrialisierung.

Hier liegt auch eine europäische Verantwortung, denn Europa hat zu den afrikanischen Krisen durch eine nicht-nachhaltige Politik beigetragen.

Wenn Europa daran arbeitet, dann kann es auch die Anerkennung zurückgewinnen, die in den letzten zwanzig Jahren verloren ging.

Das Interview führte Marie Graffé.

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