ZDFheute

Mit Volldampf gegen die Globalisierung

Sie sind hier:

Heimische Produktion - Mit Volldampf gegen die Globalisierung

Datum:

Die globalisierte Wirtschaft kann für viele Firmen zum Verhängnis werden. Auch ein deutscher Modelleisenbahnhersteller hat diese Erfahrung gemacht - und ging einen schwierigen Weg.

Die Corona-Krise stellt unser Wirtschaftssystem auf die Probe. Produzieren in der Heimat wird für mehr Unternehmen wieder interessant.

Beitragslänge:
30 min
Datum:

Wolfrad Bächle grüßt jeden Mitarbeiter beim Namen, wenn er montags durch seine Produktionshallen im baden-württembergischen Göppingen geht. Manche von ihnen kennt der Märklin - Geschäftsführer seit 30 Jahren. Solange arbeitet er selbst schon beim Modelleisenbahnhersteller.

Genauestens nimmt der gelernte Mechaniker Lokomotiven und Anhänger unter die Lupe, sei es beim Fräsen, in der Farbgebung oder der Montage. Genauigkeit ist beim Modellbauer wesentlich. Schon kleinste Fehler straft der Sammler sofort.

Keine Lieferketten heißt: Kein Corona-Problem

1891 wurden die ersten Modelleisenbahnen in Göppingen gefertigt. Und auch noch heute kann Wolfrad Bächle am deutschen Standort fast die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, vom Zinkguss bis zum letzten Pinselstrich.

"Sie sehen ja, was Corona macht. Lieferketten brechen ab, wirtschaftliche Beziehungen nach China über 13.000 Kilometer sind extrem schwierig. Hier habe ich die räumliche Nähe, gehe von einer Abteilung zur nächsten, kann jeden Arbeitsschritt auf den nächsten abstimmen.

Das ist auch die Stärke des heimischen Standorts, damit bin ich hier einfach sehr krisenfest", erklärt der gebürtige Schwabe.

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt Märklins eigene Geschichte.

Die Corona-Krise legt den Welthandel lahm, auch weil Lieferketten unterbrochen sind. Das wiederum bremst die Globalisierung aus.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Auslagerung wurde für das Unternehmen zum Problem

Der Eisenbahnbauer hatte es lange versäumt, sich um neue Kunden zu bemühen, beklagte über Jahre zurückgehende Umsätze. Den seinerzeit 21 Gesellschaftern gelang es nicht, den Betrieb wieder in die Spur zu lenken.

2006 wurde das Traditionsunternehmen deshalb von Finanzinvestoren aufgekauft. Diese verlagerten einen Großteil der Produktion nach China. Die Erwartung: Senkung der Produktionskosten und höhere Gewinnmargen. Stattdessen litt die Qualität, Lieferketten brachen ab. 2009 rutschte das Unternehmen in die Insolvenz.

China ist jetzt nur noch wenig im Spiel

Der verantwortliche Insolvenzverwalter erkannte in der Auslagerung einen Teil des Problems, und leitete die Rückverlagerung der Produktion an europäische Standorte ein. 2013 glückte mit der Spielwarengruppe Simba Dickie der Neuanfang.

Der neue Inhaber und Co-Geschäftsführer Florian Sieber bringt das Unternehmen wieder auf Volldampf, bemüht sich vor allem auch darum, neue Kunden zu die gewinnen. Die Fertigung findet am deutschen Standort in Göppingen sowie im Tochterwerk im ungarischen Györ statt. Nur die Elektronikteile sowie ein Einsteiger-Sets für Kinder bezieht der Modellbauer weiterhin aus China.

"100 Prozent made in Germany geht nicht"

Die Rückverlagerung nach Europa gelingt dem Modelleisenbahnbauer dank eines starken Tochterwerks in Ungarn einerseits und eines hohen Grades an Automatisierung am Göppinger Standort andererseits. In Ungarn sind die Löhne niedriger, jedoch sind die Wege so kurz, dass eng aufeinander abgestimmte Produktionsprozesse möglich sind. "100 Prozent Made in Germany geht allein aufgrund der Lohnsituation nicht. Aber ich denke, wir sind in der Lage, gut 80 Prozent europäisch zu leisten. In den beiden eigenen Werken", sagt Wolfrad Bächle.

So ist die Produktion an zwei europäischen Standorten ein Kompromiss aus Kosten und Nähe und erlaubt es dem Traditionsunternehmen krisenfest zu arbeiten und die Qualität der maßstabgetreuen Modellbahnen zu sichern.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.