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Wo Corona den Arbeitsmarkt besonders trifft

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Wilhelmshaven, Herne, Offenbach - Wo Corona den Arbeitsmarkt besonders trifft

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Wegen Corona gibt es in Deutschland Hunderttausende Arbeitslose mehr. Doch nicht jede Region ist gleich stark betroffen. Unsere Karte zeigt, wie es bei Ihnen aussieht.

Jade-Weser-Port: Wilhelmshaven
Vom Job-Bringer in die Krise: der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven
Quelle: Picture Alliance

Mit der Corona-Krise sind Deutschlands Exporte eingebrochen - und damit auch der Umschlag am Jade-Weser-Port. Verpacker, Gabelstaplerfahrer und Hafenarbeiter verloren ihren Job, der Einzelhandel entließ Verkäuferinnen, Köchen und Kellnern wurde gekündigt - oder sie fanden anders als sonst im Frühling keinen neuen Arbeitsplatz.

In Wilhelmshaven, 79.000 Einwohner, an Niedersachsens Nordseeküste gelegen, hat Corona den Arbeitsmarkt im bundesweiten Vergleich am härtesten getroffen. Bei 13,2 Prozent lag die Arbeitslosigkeit im August, davon sind 3,4 Prozentpunkte, also ein Viertel, auf die Pandemie zurückzuführen.

Wilhelmshaven, Herne, Offenbach

"Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Stadt Wilhelmshaven geht auf mehrere Faktoren zurück. In verschiedenen Branchen gab es Corona-bedingt mehr Kündigungen, so auch im Handel und im Verkehrsgewerbe", sagt Thorsten Müller, Leiter der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven zu ZDFheute. "Stärker betroffen sind das Gastgewerbe und vor allem der Jade-Weser-Port, wo der Container-Umschlag um gut ein Drittel zurückgegangen ist. Im Vorjahr hatte es im Hafen viele Neueinstellungen gegeben."

Die Arbeitslosigkeit ist in ganz Deutschland wegen der Corona-Pandemie gestiegen. Nach Wilhelmshaven am stärksten in Herne (plus 3,1 Prozentpunkte), Offenbach (plus 3,0) und Berlin (plus 2,9), am wenigsten im bayerischen Tirschenreuth (plus 0,2). Die Karte zeigt, wie es in Ihrer Region aussieht:

Bundesweit lag die Arbeitslosenquote im August bei 6,4 Prozent. 1,4 Prozentpunkte davon führt die Arbeitsagentur auf Corona zurück. Im Osten war der Anteil der Arbeitslosen mit 7,8 Prozent höher als im Westen (6,1 Prozent) und der Corona-bedingte Anstieg größer (plus 1,8 Prozentpunkte, im Westen plus 1,3).

"Tendenziell weisen Regionen mit höheren Arbeitslosenquoten häufig auch höhere Corona-Effekte auf", analysiert die Bundesagentur für Arbeit. "Dies hängt auch damit zusammen, dass strukturell ohnehin schon schwächere Regionen von Einschnitten, wie sie zuletzt nötig waren, besonders hart getroffen werden."

Ausländer dreimal so stark betroffen wie Deutsche

Wer es schwer hat, den trifft es besonders: Das gilt auch für die Arbeitnehmer. Am stärksten nahm die Corona-bedingte Arbeitslosigkeit bei Menschen ohne Ausbildung zu. Bei Ausländern stieg sie dreimal so stark wie bei Deutschen.

Insgesamt gibt es wegen Corona 637.000 Arbeitslose mehr in Deutschland. Die meisten kamen im April dazu, seit Juli hat sich der Arbeitsmarkt wieder stabilisiert:

Besonders hart traf die Corona-Krise die Gastronomie: Hier meldeten sich von April bis August 34.000 Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr - ein Plus von 60 Prozent. Danach folgen der Handel mit 22.000 beziehungsweise 18 Prozent mehr Arbeitslosen und das verarbeitende Gewerbe (plus 17.000 oder 15 Prozent).

Viel Kurzarbeit in Bayern und Baden-Württemberg

Dass es nicht noch viel mehr Arbeitslose gibt, liegt an der Kurzarbeit. Nach einer Schätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo arbeiteten im Mai mehr als sieben Millionen Menschen kurz - 22 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Im August waren es noch 4,6 Millionen oder 14 Prozent. Sie leisteten im Schnitt 55 Prozent ihrer regulären Arbeitszeit.

Auffällig ist: In Regionen, wo es viel Kurzarbeit gibt, ist die Arbeitslosigkeit Corona-bedingt weniger gestiegen - vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Dort gibt es viel Industrie wie Autobauer und ihre Zulieferer. Für sie ist Kurzarbeit ein gewohntes Kriseninstrument.

Doch wie geht es für die Kurzarbeiter weiter - sind sie die Arbeitslosen von morgen? Professor Enzo Weber leitet den Forschungsbereich Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und erwartet das nicht. "Wer Kurzarbeit anmeldet, signalisiert ja, dass er seine Leute halten will." Es werde zwar noch Insolvenzen geben, die Erholung der Wirtschaft werde dauern, aber: "Wenn es keinen großen Rückschlag in der Corona-Pandemie gibt, wird die Arbeitslosigkeit sinken."

Aktuell gebe es weniger Entlassungen als vor der Krise - aber auch weniger Einstellungen. "Es sind nicht vor allem die Menschen mit Arbeitsplatz, die jetzt Probleme haben", sagt er im Gespräch mit ZDFheute, "sondern die, die keinen haben: Arbeitslose und Berufseinsteiger."

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Videolänge:
2 min
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