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"Der Schock ist immens"

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Arbeitsmarkt in der Corona-Krise - "Der Schock ist immens"

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Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart. Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber befürchtet, dass die Arbeitslosenzahlen zunächst weiter steigen werden.

Wirtschaftswissenschaftler Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ordnet ein, inwieweit die Maßnahmen der Politik in der Corona-Krise greifen und wie die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind.

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ZDFheute: Die Arbeitslosenzahlen sind in der Corona-Krise um rund 300.000 auf über 2,6 Millionen gestiegen. Werden wir noch einen weiteren Anstieg erleben?

Enzo Weber: Was wir im April sehen, sind die ersten unmittelbaren Arbeitsmarktwirkungen, die die Corona-Krise hat. Das sind schon mal gehörige Wirkungen, aber wir gehen davon aus, dass das noch nicht alle Effekte waren, sondern dass die Arbeitslosigkeit auch über die nächsten Monate noch steigen wird.

Wir werden wohl über die drei Millionen wieder rüberkommen. Wenn aber die wirtschaftliche Öffnung einigermaßen gelingt, dann sollte es im zweiten Halbjahr auch wieder nach unten gehen.

ZDFheute: In der Kasse der Arbeitslosenversicherung liegen 26 Milliarden Euro, die zur Finanzierung der Kurzarbeit zur Verfügung stehen. Wie lange reicht das Geld?

Enzo Weber: Die Rücklagen von 26 Milliarden sind hoch, sie übersteigen das Ziel von 0,65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als notwendige Rücklage der Bundesagentur für Arbeit. Wir müssen jetzt aber sehen, dass wir in der Corona-Krise den stärksten wirtschaftlichen Schock seit dem Zweiten Weltkrieg erleben.

Dementsprechend wird eine deutliche Verschlechterung am Arbeitsmarkt nicht zu vermeiden sein, auch wenn er an sich robust funktioniert und nicht gleich mit jeder wirtschaftlichen Schwankung einbricht. Aber dieser Schock ist immens.

Wir werden große Ausgaben für Kurzarbeitergeld und zusätzliches Arbeitslosengeld haben, die Beitragseinnahmen werden zurückgehen. Wir müssen damit rechnen, dass die Rücklage für die Corona-Krise nicht ausreicht. Dann muss der Bundeshaushalt einspringen.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft bilden sich bereits im Anstieg der Arbeitslosenquote ab. Heike Slansky mit einer Einschätzung vor dem Videogipfel aus Berlin.

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ZDFheute: Wo sind denn die größten Einbrüche zu erwarten?

Enzo Weber: Typischerweise ist in Deutschland vor allem die Industrie von Rezession betroffen, also der Exportsektor, der stark von der Weltkonjunktur abhängt. Das ist diesmal auch der Fall, wir haben ja eine weltweite Rezession.

Aber wir haben auch noch ganz ungewöhnliche Effekte: die direkten Schließungen der Branchen des öffentlichen Lebens. Die haben normalerweise nicht so große Konjunkturschwankungen, sind aber diesmal massiv betroffen.

Grafik: Was Bund und Länder am 30.04.2020 beschlossen haben
Grafik: Was Bund und Länder am 30.04.2020 beschlossen haben

ZDFheute: Umgekehrt gefragt: Welche Branchen könnten sich relativ schnell erholen?

Enzo Weber: Schnell erholen ist im Moment noch offen. Aber wir haben zwei Arten von Effekten. Einmal haben wir solche Lichtschaltereffekte, wo Branchen quasi per Lichtschalter ausgeschaltet wurden. Diese Schließungen kann man natürlich per Lichtschalter auch wieder rückgängig machen.

Aber da ist die große Unsicherheit, welcher Öffnungspfad ist am Ende mit einer Eindämmung des Virus vereinbar und welcher Pfad nicht. Das wissen wir alle noch nicht, wie gut das geht.

ZDFheute: Wo muss die Politik noch weiter gegensteuern?

Enzo Weber: Die Politik hat innerhalb kürzester Zeit ganz wesentliche Maßnahmen getroffen, die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes, die Liquiditätshilfen, das war ganz wichtig, um dem Arbeitsmarkt zu stützen.

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf den Ausbildungsmarkt aus. Unternehmen können es sich derzeit nicht leisten Azubis einzustellen, dadurch fehlt ihnen der zukünftige Nachwuchs.

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Wir müssen aber sehen, dass wir normalerweise in Deutschland jedes Jahr etliche Millionen Neueinstellungen. Und die können wir über Kurzarbeit nicht retten. Wenn diese Neueinstellungen wegbleiben, wird der Arbeitsmarkt ebenfalls einbrechen. Das heißt, wir brauchen auch einen Rettungsschirm für Neueinstellungen.

Das Interview führte Lars Bohnsack

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