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Die zwei Seiten der Medaille

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Konjunktur nach Corona-Krise - Die zwei Seiten der Medaille

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Die Zahlen sind nicht schlecht: Die Konjunktur bricht trotz Corona weniger schlimm als befürchtet ein, der Arbeitsmarkt stabilisiert sich. Doch das ist nur eine Seite der Medaille.

Laut der Bundesagentur für Arbeit hat sich der deutsche Arbeitsmarkt weiter stabilisiert. Dennoch seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar.

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Minutenlang hält Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eine gut sichtbare Tabelle in die Runde, den Mundschutz hat er nicht einmal abgelegt. Tief runter geht die Kurve. Dann steigt sie wieder. Es ist ein V, kein fieses U, bei dem das Tief länger dauert.

So ist das mit der deutschen Wirtschaft, findet Altmaier. "Die Talsohle ist durchschritten", sagt er, nun ohne Maske. Nach dem Einbruch durch die Corona-Pandemie wachse die Wirtschaft nun wieder "schneller und dynamischer, als wir es gedacht hatten".

Einerseits: Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt

Die Zahlen von Konjunktur und Arbeitsmarkt von diesem Dienstag klingen in der Tat erst einmal positiv:

  • Die Bundesregierung geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 5,8 Prozent sinkt. Zuvor war man von minus 6,3 Prozent ausgegangen. Vielleicht könnte es sogar noch etwas besser werden, sagt Altmaier. Im April war die Konjunktur um fast zehn Prozent eingebrochen. Anfang 2022 könne man wieder auf Vor-Corona-Niveau sein, so der Minister. Wenn die Erholung der Wirtschaft weiter gehe. Ein zweiter Lockdown, sagt Altmaier, sei nicht nötig. Davon sei er "überzeugt".
  • Auch der Arbeitsmarkt hat sich "langsam stabilisiert", sagt Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Im August stieg die Arbeitslosigkeit wieder in saisonüblicher Höhe. Laut Bundesagentur für Arbeit waren 2,955 Millionen Menschen ohne Job; 45.000 mehr als im Juli und 636.000 mehr als vor einem Jahr. Die Quote liegt jetzt bei 6,4 Prozent. Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt wieder, "allerdings auf sehr niedrigem Niveau", sagt Heil.
  • 5,36 Millionen Menschen sind derzeit in Kurzarbeit. Im Mai waren es noch 5,82 Millionen. Auf dem Höhepunkt der Krise dachte man, es könnten im Laufe des Jahres zehn Millionen werden. Jetzt rechnet die Bundesregierung damit, dass im Schnitt 2,5 Millionen Menschen 2020 in Kurzarbeit sein werden.

Arbeiten in der Corona-Krise

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Andererseits: Langfristige Folgen der Kurzarbeit

Das ist die eine Sichtweise. Die andere: Die Zahlen sind nicht so rosig, wie es auf dem ersten Blick scheint.

  • Der Wachstum ist kein echtes, sondern resultiert aus "Anfahren aus dem Stillstand", warnt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. "Auch ein wohl kräftiges Plus im dritten Quartal reicht bei Weitem noch nicht, um die Krise zu überwinden", sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. Zwar verhindert die Kurzarbeit Entlassungen, trotzdem haben die Menschen weniger Geld und könnten ihr Konsumverhalten langfristig ändern. Deswegen dürfte die "Arbeitslosigkeit hoch bleiben", so das DIW.
  • Die Unterschiede zwischen den Branchen sind riesig. Laut dem Münchner Wirtschaftsinstituts Ifo waren im August noch 80 Prozent der Metallunternehmen und 65 Prozent der Autoindustrie in Kurzarbeit. Bei den Herstellern von Nahrungsmitteln waren es 14, in der Pharmaindustrie nur 4 Prozent. Corona-Verlierer sind Reisebüros und -veranstalter (88 Prozent in Kurzarbeit) sowie die Hotellerie (65 Prozent). Dagegen kommen Bau (sieben Prozent) und Informationsdienstleister (drei Prozent) besser durch die Krise.
  • Die Verlängerung der Kurzarbeit ist umstritten. Lars P. Feld, Vorsitzender der Wirtschaftswaisen, sieht sie kritisch: "Es ist völlig offen", schreibt er im "Spiegel", ob Branchen sich erholen. Durch das Kurzarbeitergeld würden Mitarbeiter in Unternehmen gehalten, die "vielleicht besser in andere Unternehmen wechseln würden". Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagt dagegen: Die Krise treibe nicht "primär solche Unternehmen in die Insolvenz, die langfristig nicht überlebensfähig sind, sondern häufig junge, dynamische, die für den Strukturwandel sogar sehr wichtig sind".

Viele Wenns: "Krise ist noch nicht vorbei"

Zumindest die Minister Altmaier und Heil sind sich einig. "Wir haben viel erreicht", sagt Altmaier. Und Heil: "Das Kurzarbeitergeld wirkt." Beide bleiben aber auch vorsichtig. "Die Krise ist noch nicht vorbei", sagt Heil. Die Wirtschaft könne sich erholen. Wenn die Corona-Infektionszahlen nicht extrem steigen. Wenn nach den Wahlen in den USA oder dem Abkommen mit Großbritannien nach dem Brexit nicht weitere Handelsbeschränkungen drohen.

Die große Koalition hat gestern über die Verlängerung von Kurzarbeit entschieden. Auch in anderen Ländern Europas hat sich dieses Instrument bewährt.

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