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Rollt Europas Autoindustrie bald wieder?

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Wirtschaft in der Corona-Krise - Rollt Europas Autoindustrie bald wieder?

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Die Corona-Krise hat die Autowirtschaft in Europa hart getroffen. Ob und wie sie sich von dem Schlag erholt, ist umstritten.

Ein Auto wird in einer Fabrik zusammengesetzt.
Die Produktion stand in Europa vielerorts monatelang still während der Corona-Pandemie.
Quelle: Oliver Berg/dpa/Symbolbild

Wochenlang standen die Fließbänder still. Und auch nach der Corona-Pandemie könnte es für die Autoindustrie schwierig werden: Denn wer denkt nach der Krise schon direkt an Autokauf?

Stillstand der Produktion

Die EU-weiten Produktionsverluste in der Corona-Krise belaufen sich bislang auf rund 2.320.000 Kraftfahrzeuge, schreibt die European Automobile Manufacturers Association (ACEA). Die ACEA vertritt die 16 größten europäischen Auto-, Van-, Lkw- und Bushersteller. Die durchschnittliche Stillstanddauer der Werke habe bisher 29 Arbeitstage betragen.

Millionen betroffene Arbeitsplätze

Insgesamt gibt es 2,6 Millionen Arbeitsplätze in der direkten Fertigung im EU-Automobilsektor. Davon sei knapp die Hälfte von der Corona-Krise betroffen, schreibt ACEA. Die Auswirkungen auf die breitere Automobilzulieferkette seien noch kritischer. Am meisten betroffen seien Arbeitsplätze, die direkt mit der Produktion zu tun haben, da diese eingebrochen ist.

Kritik an den bisherigen Maßnahmen

Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, kritisiert die bisherigen Maßnahmen: "Es ärgert mich, dass Kurzarbeit als die wichtigste Maßnahme gegen Arbeitslosigkeit bezeichnet wird, dabei ist das nur eine Möglichkeit der Überbrückung."

Das einzige, was langfristig helfen würde, seien Aufträge - sprich Nachfrage. Auch die europäischen Finanzhilfen oder Prämien hält er für "Unsinn". "Dafür werden ohne Ende Schulden aufgenommen, die wir irgendwie zurückzahlen müssen." Das ginge nur in Form von Steuererhöhungen.

Langsames Bergauf für die Autoindustrie in Europa

In der Zeit nach Corona hält er deshalb die V-Entwicklung - rascher Abschwung, steiler Aufschwung - in Europa für unwahrscheinlich. Er prognostiziert das pessimistische L - rascher Abschwung, ganz langsamer Aufschwung. Um die Entwicklung des Automobilmarktes vorherzusagen, zählen zwei Größen: Die Fahrzeugdichte und das Sozialprodukt.

Anders als in Asien sei der Fahrzeugmarkt in Europa weitgehend gesättigt - es werden nur alte Autos ersetzt. Das Sozialprodukt entwickele sich zudem negativ in Europa, in Zukunft noch mehr durch die Corona-Krise. Deshalb werde sich die europäische Autoindustrie deutlich langsamer erholen als die asiatische.

Welche Maßnahmen nach der Krise helfen könnten

"Das einzige, was helfen könnte, wäre, wenn jetzt massenhaft gekauft wird", sagt Dudenhöfer. Um das zu unterstützen, schlägt er ein Wegfallen der Mehrwertsteuer auf hochpreisige Produkte vor.

Trotzdem bangen die Menschen durch die Corona-Krise um ihre finanzielle Zukunft und scheuten eher Großinvestitionen wie Autos. "Diese Angst muss man ihnen nehmen", rät er. Zum Beispiel mit einem Modell, dass der Kunde das Auto zurückgeben könne, wenn er in Nöte gerate.

Seit Beginn der Corona-Krise stehen die Bänder der Autohersteller still. Nun fordern sie neue Kaufprämien. Wie steht es um die Branche?

Beitragslänge:
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Warum eine europäische Lösung her muss

"Die Wertschöpfungskette der Automobilindustrie hängt in Europa eng zusammen", sagt Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft. Deshalb sollte möglichst gleichzeitig wieder hochgefahren werden und die Autoindustrie in ganz Europa unterstützt werden.

Aber ist es gerecht, die Autoindustrie zu unterstützen, während andere Wirtschaftszweige wie Gastronomie und Tourismus weniger großzügige Zuschüsse bekommen? Reindl verteidigt:

Die Automobilindustrie ist für die europäische Wirtschaft sehr bedeutend.

Wenn es mit der Autoindustrie wieder bergauf ginge, komme das auch Zulieferern, Versicherungen und Finanzdienstleistern zugute.

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