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Banken: Problem oder Teil der Lösung?

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Corona-Krise - Banken: Problem oder Teil der Lösung?

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Den Banken kommt als Rückgrat der Wirtschaft in der Corona-Krise eine Schlüsselrolle zu. Die Frage ist: Sind sie Teil der Lösung oder werden sie selbst zum Problem?

Archiv, hessen, Frankfurt am Main: Die Hochhäuser der Skyline der Mainmetropole spiegeln sich in einer Pfütze.
Den Banken fällt eine entscheidende Rolle in der Corona-Krise zu.
Quelle: DPA

In der Finanzkrise vor zehn Jahren waren es die Banken, die mit Abermilliarden gerettet wurden. Das Zauberwort lautete "systemrelevant". Jetzt geht es für die Kreditwirtschaft darum, diesem Anspruch gerecht zu werden und die Realwirtschaft zu retten.

Zehntausende Hilfsanträge

Auf den ersten Blick werfen sich die Banken mit Verve in die Bresche, die die Corona-Krise in die Konjunktur schlägt. Die Rettungsmilliarden der Bundesregierung reichen sie an klamme Unternehmen weiter, prüfen deren Bonität. Als Hausbank mit engem Draht zum Kunden fangen sie hier oft nicht bei Null an. Das beschleunigt den Vorgang - und Zeit ist hier die kritische Größe.

Die Kreditvergabe laufe sehr gut an, sagt Thomas Schlüter vom Bankenverband. Schon in den ersten Tagen seien zehntausende Anträge eingegangen. Trotzdem sei die logistische Aufgabe, eine Flut von Anträgen zu bearbeiten, natürlich enorm.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld zu den Corona-Folgen für die Wirtschaft hier im Video:

Die weitere Entwicklung hänge davon ab, ob die Beschäftigten nach dem 20. April wieder zur Arbeit gehen können, sagt der Wirtschaftsweise Lars Feld.

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Nicht ohne Eigeninteresse

Ihren gesellschaftlichen Nutzen, also ihre Systemrelevanz im besten Sinne, stellt die Kreditwirtschaft in der aktuellen Lage durchaus öffentlichkeitswirksam zur Schau, quasi als Wiedergutmachung für 2008. Nicht ohne Eigeninteresse.

Eine Flucht nach vorn? "In gewisser Weise ja", sagt Matthias Fifka, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Banken müssen ein Interesse daran haben, dass so viele Unternehmen wie möglich am Leben bleiben."

Bleiben die Banken handlungsfähig?

Ganz entscheidend wird sein, ob Banken "business as usual"-fähig bleiben, inwiefern sie also ihr reguläres Kreditgeschäft aufrechterhalten können: Eigene Kredite vergeben, die nichts mit der Corona-Krise zu tun haben. Hier sind sie mit eigenem Geld im Risiko.

Und dieses Risiko ist in einer Rezession hoch: Firmen verlieren ihre Bonität, es gibt Insolvenzen, Banken müssen Rückstellungen bilden, können weniger Geld verleihen, geraten, wenn es richtig schlecht läuft, selbst in Schieflage. "Damit eine solche Situation nicht entsteht, ist es wichtig, das Geld schnell an die Kunden zu bringen", betont Schlüter.

Bankenregulierung, ein Evergreen

Um Unternehmen besser mit Liquidität versorgen zu können, sollten Spielräume in der Regulierung überprüft und flexibel ausgelegt werden, fordert daher Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Was er damit meint: Lasst uns nochmal über dieses Regulierungsthema reden.

Ossigs Argument ist nicht von der Hand zu weisen - und doch drängt sich der Verdacht auf, dass die Branche hier eine Chance beim Schopfe ergreifen möchte. Belegen kann Matthias Fifka den Verdacht nicht. "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Finanzbranche hier die Gelegenheit nutzen möchte, Regulatorien zu lockern, um schneller und großzügiger zu reagieren."

Übersteht das Finanzsystem die Krise?

Bleibt am Ende die alles entscheidende Frage nach der Stabilität des Finanzsystems. Die Ratingagentur Moody's hat soeben ihren Ausblick für Banken in vielen europäischen Ländern herabgestuft auf "negativ". Man erwartet, dass sich das Geschäftsumfeld "signifikant verschlechtert". Kann die Corona-Krise also die Banken selbst durch massenhafte Firmenpleiten in Schieflage bringen? Dann wären sie nicht mehr Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Vorläufig gibt es aus zwei Gründen Anlass zu Zuversicht. Erstens: Die Krise kommt - anders als 2008 - nicht aus dem Finanzsystem selbst. Zweitens: Die Kreditwirtschaft kann - beispielsweise aufgrund viel höherer Eigenkapitalvorschriften - wesentlich größere Ausfälle verkraften als damals. "Am Ende", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Fifka, "hängt aber alles davon ab, wie lange die Krise anhält."

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