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Finanzielles Defizit und personelles Umdenken

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BA-Chef Scheele - Finanzielles Defizit und personelles Umdenken

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Corona stellt die Bundesagentur für Arbeit vor Herausforderungen: BA-Chef Scheele im ZDFheute-Interview über finanzielle Grenzen, personelle Umschichtungen und neue Aufgaben.

Archiv: Detlef Scheele - Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, aufgenommen am 29.08.2019
Detlef Scheele - Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit
Quelle: dpa

ZDFheute: Heute gibt die Bundesagentur für Arbeit die neuen Arbeitsmarktzahlen bekannt. Vor welche Herausforderungen stellt Corona die Bundesagentur für Arbeit selbst?

Detlef Scheele: Aktuell scheint es, dass wir den Höhepunkt der Kurzarbeitsanzeigen hinter uns haben. Unsere Hauptaufgabe ist es nun, das Kurzarbeitergeld mit kurzen Fristen zahlbar zu machen, damit das Geld schnell auf den Konten der Arbeitgeber ist. Das gelingt bisher. Eine hohe Zahl von Kurzarbeitenden ist nicht zwingend nur eine schlechte Nachricht, denn sie bedeutet: Diese Menschen sind nicht arbeitslos geworden.

ZDFheute: Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?

Scheele: Wir haben eine enorme Umschichtung unseres Personals vorgenommen. Gut 11.600 Menschen bearbeiten bei uns derzeit Kurzarbeitsanzeigen und -anträge, normalerweise sind es rund 700. Wir müssen gut erreichbar sein, deshalb haben wir inzwischen 18.000 Kollegen in der Telefonie, normalerweise sind es 4.000. Dafür mussten wir parallel unsere IT-Kapazitäten massiv ausbauen: Die Telefonie, die Server, die Möglichkeiten für Homeoffice-Arbeitsplätze. Das hat weitgehend reibungslos geklappt.

ZDFheute: Wie gehen Ihre Mitarbeiter mit dieser Ausnahmesituation um?

Scheele: Die Kollegen sind hochmotiviert. Sie wissen, dass es jetzt auf die BA und ihre Mitarbeiter sowohl in den Jobcentern als auch den Arbeitsagenturen ankommt. Viele von ihnen übernehmen derzeit Aufgaben, für die sie nicht ausgebildet sind, sie haben sich eingearbeitet und helfen mit sehr viel Engagement mit. Dafür kann ich mich nur bedanken. Und bisher erhalten wir aus der Organisation, von den Personalräten, den Partnern bei den Kammern, Innungen, aus der Politik und von unseren Kunden fast nur positive Rückmeldungen über die Zusammenarbeit und unsere Arbeit insgesamt.

Wegen der Corona-Krise erwartet die deutsche Wirtschaft eine schwere Rezession. Laut der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen enorm angestiegen. Zahlreiche Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet.

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ZDFheute: Kommt auch die Bundesagentur für Arbeit selbst durch Corona an ihre Grenzen?

Scheele: Beim Personal nicht, beim Geld voraussichtlich schon. Wir wissen, wie hoch unser Haushalt ist und dass wir eine Rücklage von knapp 26 Milliarden Euro haben. Wir haben auf Basis der Eckwerte der Bundesregierung einige Berechnungen erstellt: Bei 7,5 Millionen Kurzarbeitenden in der Spitze und 2,2 Millionen im Jahresschnitt hätten wir am Jahresende einen Darlehens- oder Zuschussbedarf gegenüber dem Bund von 4,6 Milliarden Euro. Genau wissen wir das erst, wenn klar ist, wie viele Menschen tatsächlich kurzgearbeitet haben, wie hoch der Arbeitszeitausfall war und wie lange die Kurzarbeit gedauert hat. Das wissen wir erst mit einigen Monaten Verzögerung.

ZDFheute: Fürchten Sie eine neue Massenarbeitslosigkeit in Deutschland oder blicken Sie optimistisch in die Zukunft?

Scheele: Ich fürchte keine neue Massenarbeitslosigkeit. Wir erleben eine Situation, in der nicht eine strukturell fehlentwickelte wirtschaftliche Situation zu Arbeitslosigkeit geführt hat, sondern ein Virus. Die Pandemie hat Folgen für das öffentliche Leben und das wiederum hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Wenn wir diese Pandemie in den Griff bekommen - am besten mit einem Impfstoff - dann glaube ich, dass der Arbeitsmarkt sich mittelfristig erholen kann.

Das Interview führte Michael Kniess.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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