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Fahrgastaufkommen gesunken - Ruf nach Rettungsschirm für ÖPNV

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Angst vor Corona und massenhaft Homeoffice. Der Öffentliche Personennahverkehr ist deswegen nur gering ausgelastet. Den Unternehmen brechen die Einnahmen weg.

Winfried Hermann an nimmt in einem Bus an einer eingebauten Schutzscheibe vom Busfahrer einen Fahrschein entgegen am 25.05.2020
Schutzscheiben in Bussen schützen Fahrer und Fahrgäste.
Quelle: dpa

Busse und Bahnen - sieht man sie in diesen Zeiten vorbeifahren, erinnert das an einen Science-Fiction-Film. Der Fahrer abgetrennt von den Fahrgästen durch dicke Plastikfolien, die Menschen , vermummt mit Masken, sitzen weit verteilt auf den Sitzen.

Köln: Höchstens noch 40 Prozent Fahrgäste

Viele Fahrgäste sind es nicht. Vielleicht um die 30 bis 40 Prozent der ursprünglichen Fahrgastzahlen verzeichnet einer der größten Anbieter im Öffentlichen Personennahverkehr, die Kölner Verkehrsbetriebe KVB.

"Von Normalität sind wir weit entfernt"
Matthias Pesch, KVB-Sprecher

In den ersten Lockdown-Wochen fuhren nur einzelne Busse und Bahnen, doch nun, seit dem 11. Mai, gilt der normale Fahrplan wieder. Es sind zusätzliche Kosten entstanden. Nachts werden alle Fahrzeuge desinfiziert, seit neuestem auch zwischen den Fahrten.

Einnahmeverluste treffen am Ende den Steuerzahler

Trotzdem: Die Passagiere haben wohl Angst. Sie sind umgestiegen auf Auto oder Fahrrad oder sind im Homeoffice. Und so verzeichnet die KVB hohe Einnahmeverluste. Jeden Monat wohl im einstelligen Millionenbereich, sagt Pesch. Ausgleichen müssen das zunächst andere Unternehmen im Stadtwerke-Konzern, so zum Beispiel der Stromanbieter Rheinenergie, am Ende die Stadt - und ganz am Ende natürlich der Steuerzahler.

Ärzte und Krankenschwestern am 22.04.2020 in einem Krankenhaus in Barcelona

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In ganz Deutschland geht es ausnahmslos allen ÖPNV-Unternehmen so. Die Auslastung, so der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), liegt derzeit deutschlandweit nur bei rund 20 Prozent. Vor allem die täglichen Einnahmen an den Automaten fehlen, damit ist die Liquidität vieler Unternehmen akut gefährdet. Einige private Sub-Unternehmen, die zum Beispiel Schulbusse im Auftrag des ÖPNV fahren, stehen sogar vor der Pleite.

Brandenburg rechnet mit Ausfällen von 115 Millionen Euro

Das Land Brandenburg zum Beispiel hat bereits 75 Millionen Euro für den Öffentlichen Nahverkehr zur Verfügung gestellt. Damit sollen die Landkreise und kreisfreien Städte unterstützt werden, die die Auftraggeber für den Öffentlichen Nahverkehr sind.  Allein in Brandenburg sind nach ersten Schätzungen des Ministeriums Fahrgeldausfälle in Höhe von rund 115 Millionen Euro zu erwarten.

Geld, das die Städte und Kommunen auffangen müssten. Die haben aber derzeit auch andere Ausfälle zu verzeichnen, zum Beispiel durch fehlende Steuereinnahmen. So haben die Verkehrsminister der Länder jetzt einen Rettungsschirm für den ÖPNV befürwortet. Die Rede ist von rund fünf Milliarden Euro. Offen ist jedoch noch, wer das bezahlen soll. Denn eigentlich ist der Öffentliche Personennahverkehr Ländersache, doch die Länder fühlen sich finanziell überfordert und fordern eine finanzielle Beteiligung des Bundes.

Im Verkehr zeigt sich: Busse und Bahnen sind leer. Der Radverkehr ist gerade Krisengewinner. Deshalb die heutige Forderung auf dem Aktionstag der Radler: mehr Pop-up-Radwege.

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Eines aber ist klar: Wer Öffentliche Verkehrsmittel benutzt, muss sich einer gewissen Corona-Ansteckungsgefahr bewusst sein. Denn 1,5 Meter Abstand: den kann in Bus und Bahn niemand garantieren. Nach Berechnungen des VDV müsste man dafür das Angebot verfünffachen. Fünfmal so viel Personal und fünfmal so viele Fahrzeuge. Das sei einfach nicht zu leisten.

Ina Baltes ist Reporterin im ZDF-Studio Düsseldorf

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