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EZB-Präsidentin in Krisenzeiten - Lagarde und das verflixte erste Jahr

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Die Corona-Krise stellt die europäische Geldpolitik vor große Herausforderungen. Christine Lagarde ist Präsidentin der Europäischen Zentralbank und in der Krise gefordert.

Christine Lagarde am 29.10.2020 in Frankfurt
Als neue EZB-Präsidentin wollte Christine Lagarde die Strategie der Notenbank überprüfen und wurde dann zur Krisenmanagerin in Corona-Zeiten.
Quelle: epa

Ein Jahr steht Christine Lagarde nun an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Es war ein Jahr, in das sie mit viel Dynamik gestartet ist, in dem sie aber wegen der Corona-Krise ausgebremst wurde.

Sie werde ihren eigenen Stil haben, sie selbst und anders sein als ihre Vorgänger, hatte die EZB-Präsidentin von Beginn an deutlich gemacht. Sie wollte die Geldpolitik den Bürgern näherbringen. Sie wollte eine Überprüfung der Strategie anstoßen.

Corona-Management statt eigener Agenda

Das alles hat Covid-19 zumindest aufgehalten. "Wenn die Krise das Handeln diktiert, dann kann man auf die eigene Agenda nicht mehr Rücksicht nehmen", meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Christine Lagarde hat vor einem Jahr wahrscheinlich einen der schwersten Jobs in Europa übernommen und wurde sofort ins kalte Wasser geworfen mit der Coronakrise.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Mit dem PEPP-Anleihekaufprogramm habe sie versucht, Schlimmeres zu verhindern. Mit 1,35 Billionen Euro soll dieses Programm zur Stärkung der Finanzmärkte in der Krise beitragen.

Kritik am Kommunikationsstil der EZB-Präsidentin

Doch mit der Kommunikation habe es zu Beginn trotz ihrer eigenen Ansprüche nicht so recht geklappt, moniert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Das sei nicht das Niveau gewesen, das die Finanzmärkte von ihrem Vorgänger Mario Draghi bei der Krisenbewältigung gewohnt gewesen seien. Die professionellen Beobachter vergleichen eben doch.

Ihnen ist die Kommunikation Lagardes mit den Finanzmärkten oft zu vage. Sie verlassen sich inzwischen eher auf einen Blog, den die EZB eingeführt hat. Der gibt am Tag nach der Pressekonferenz nähere Erläuterungen zu geldpolitischen Beschlüssen: "Da dürfen andere, meist Chefvolkswirt Philipp Lane, noch mal erklären, was Frau Lagarde am Tag davor eigentlich gemeint hat", sagt Brzeski.

Lagarde setzt auf Teamwork

Was die einen der ersten Frau und Nicht-Ökonomin an der Spitze als Schwäche auslegen, sehen andere als Stärke: Denn Lagarde ist eher teamorientiert und bemühte sich von Beginn an, den unter Draghi offen ausgetragenen Streit im EZB-Rat über die Geldpolitik beizulegen.

Sie bezeichnet sich selbst weder als "Falke" noch als "Taube" - die einen stehen für eine strengere, die anderen für eine lockere Geldpolitik - sondern als "Eule". Nach einigen Wochen im Amt sagte sie:

Ich mag Eulen. Sie sind sehr weise Tiere.

Neue Strategie: Die EZB hört zu

Inzwischen hat die EZB aber auch die Arbeiten an einer neuen Strategie begonnen. Die soll zeitgemäßer sein. Dazu hat die Notenbank den Austausch mit Experten als auch mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen begonnen.

Die EZB diskutiert mit europäischen Organisationen online, ob ihre Ausrichtung noch zeitgemäß ist. Am Ende der gesellschaftlichen Debatte könnte eine neue Strategie entstehen.

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"ECB listens"- die EZB hört zu, heißt dieses Format. Die Notenbank will erfahren, welche Vorstellungen die Menschen von der Geldpolitik und der Notenbank haben. Die sollen einfließen in die endgütigen Entscheidungen am Ende des Strategieprozesses, verspricht Lagarde.

Auch der Klimaschutz soll künftig stärker berücksichtigt werden, denn mögliche Klimakatastrophen, davon ist die EZB-Präsidentin überzeugt, können sich zum Schaden der Wirtschaft und damit der Finanzstabilität auswirken.

Schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit

An der eigentlichen Geldpolitik aber hat sich nichts gegenüber der Draghi-Zeit geändert. Die Zinsen bleiben niedrig bis negativ. Anderes lasse die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit nicht zu, sind Ökonomen überzeugt.

Der Zins sei eben der Preis des Geldes, erklärt Fratzscher: "Wenn viele Leute sparen wollen und wenige wollen das Geld haben, dann fällt er." Die wirtschaftliche Dynamik in dieser tiefen Krise sei zu gering: "Und solange wir die nicht überwinden, werden auch die Zinsen nicht steigen können, egal was die EZB macht."

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