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Hoffen auf Corona-Lockerungen - Fitnessstudios stehen mit dem Rücken zur Wand

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Wenn die Politik am Mittwoch über Lockerungen diskutiert, horchen die Betreiber von Fitnessstudios genau hin. Sie kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Der Frust bei ihnen steigt.

Fitnessstudios in der Corona-Krise
Seit Mitte März haben Fitnessstudios in ganz Deutschland geschlossen.
Quelle: dpa

Wegen der Maßnahmen in der Corona-Krise geht es gerade für Millionen von Menschen in Deutschland um die wirtschaftliche Existenz. Besonders betroffen sind Fitnessstudios – sie haben deutschlandweit seit Mitte März geschlossen.

Wo sonst an Maschinen trainiert oder eng aneinander in Kursen geschwitzt wird, versuchen viele Anbieter gerade, mit Onlineangeboten irgendwie durch die Krise zu kommen. "10.000 Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand", erklärt Birgit Schwarze, Präsidentin des Fitnessanlagen-Branchenverbands DSSV.

Fitnessstudios fühlen sich diskriminiert

Am Mittwoch diskutieren Bund und Länder weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Die Studio-Betreiber hoffen sehnlichst darauf, dass sie auch wieder öffnen dürfen. Die Frustration in der Branche wächst Woche für Woche: "Es geht nicht um nette Schreiben aus den Ministerien, sondern um eine zeitliche Perspektive", betont Schwarze.

Man fühle sich diskriminiert, weil andere Branchen inzwischen wieder öffnen dürften. Betreiber von Fitnessstudios in mehreren Bundesländern haben bereits gegen die Maßnahmen geklagt - ohne Erfolg. Auf Kompromissvorschläge für den Infektionsschutz, etwa Sanitärbereiche geschlossen zu halten oder auf Kurse mit vielen Teilnehmern zu verzichten, sei von Seiten der Politik und der Gerichte nicht eingegangen worden, so die Verbandspräsidentin.

Fitnessstudios sind von den Schließungen in der Corona-Krise hart getroffen. Eine Branche, die vor Corona boomte.

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Akzeptanz der Corona-Maßnahmen in der Branche schwindet

An den derzeitigen Corona-Maßnahmen übt Schwarze grundsätzliche Kritik. Die Akzeptanz für die Maßnahmen schwinde in der Branche zusehends: "Man hat den Eindruck, dass in Deutschland die Politik vom Robert-Koch-Institut gemacht wird, aber die Stimmung wird irgendwann kippen."

Vor allem für ältere Kundengruppen seien die Schließungen eine Einschränkung, die nicht durch erweiterte Onlineangebote aufgewogen werden könne:

Der durchschnittliche Kunde ist 40 Jahre alt. Dem hilft ein Trainingsvideo im Internet mit einer durchtrainierten 20-Jährigen nicht.
Birgit Schwarze, DSSV-Präsidentin

Die persönliche Betreuung vor Ort sei für viele Kunden dringend notwendig.

Fitness- und Freizeitanlagen kämpfen ums Überleben

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6 min
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Kurzarbeit rettet gerade viele Unternehmen

Positive Erfahrungen mit Onlineangeboten in der Krise hat der Anbieter Fitness First gemacht, der 80 Fitnessstudios in Deutschland betreibt. Mit einem kleinen Rumpfteam an Mitarbeitern bietet Fitness First gerade verstärkt Onlinekurse und digitales Personal Training an. 500 bis 600 Leute würden an jedem digitalen Kurstermin derzeit teilnehmen, sagt CEO Martin Seibold.

"Wir sind überrascht, wie loyal viele Kunden aktuell sind und uns den Rücken stärken", so Seibold. Die Umsatzeinbußen seien trotzdem dramatisch. "Uns fehlen aktuell 15.000 neu abgeschlossene Mitgliedschaften. Jedes neue Mitglied bringt etwa 1.000 Euro, allein das ist ein Umsatzverlust von 15 Millionen Euro."

Hinzu kämen Rücklastschriften über Mitgliedsbeiträge und weiter laufende Personal- und Mietkosten. Kurzarbeitsregelungen würden aber viel helfen. "Ohne die wären viele Unternehmen schon pleite", betont Seibold. Mit Blick auf die Branche sagt er:

Das Wasser steht uns nicht bis zum Hals, wir sind komplett untergegangen.
Martin Seibold, CEO Fitness First
Ein Computermodell des Coronavirus

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Wahrscheinlichkeit für Lockerung bei "mehr als 50 Prozent"

Er hoffe, dass der Zeitpunkt für die Öffnungen noch im Mai oder spätestens Anfang Juni komme. Ein späterer Termin würde zu großen Veränderungen in der Branche führen, da ein weiterer Monat an Mitgliedsbeiträgen nicht problemlos eingezogen werden könne, sagt der Fitness-First-Chef.

Die Wahrscheinlichkeit, dass für seine Branche am Mittwoch Lockerungen verkündet werden, schätzt Seibold auf "mehr als 50 Prozent". Wenn dem nicht so sei, würde im Hintergrund aber eine "nächste Eskalationsstufe" vorbereitet. Im Alleingang gegen die Maßnahmen klagen, wolle er aber nicht und verweist auf den Branchenverband DSSV.

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