ZDFheute

Schärfere Auflagen für Fleischindustrie

Sie sind hier:

Missstände auf Schlachthöfen - Schärfere Auflagen für Fleischindustrie

Datum:

Nach den Corona-Fällen in Schlachthöfen ist die Fleischindustrie in den Fokus gerückt. Heute hat das Kabinett verschärfte Regeln für die Branche beschlossen.

Nach massiven Corona-Ausbrüchen in deutschen Fleischfabriken sollen die Arbeitsschutzvorschriften verschärft werden. Das Bundeskabinett sieht unter anderem ein Verbot von Werkverträgen vor.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Bundesregierung will die Arbeitsschutzvorschriften in der Fleischindustrie verschärfen. Ein entsprechendes Eckpunktepapier hat das Kabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen. Geplant sind demnach verschiedene gesetzliche Regelung wie ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit ab dem kommenden Jahr und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften.

Konkret dürfen ab Januar nur noch Mitarbeiter des eigenen Betriebes Tiere schlachten und das Fleisch verarbeiten. Zusätzlich will die Regierung stärkere Kontrollen veranlassen, um die Arbeitgeber zur Einhaltung der Gesundheitsstandards zu zwingen.

Wir werden die Kontrollen massiv verstärken.
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

Die Unternehmen sollen auch zu einer digitalen Arbeitszeiterfassung verpflichtet werden. Das Bußgeld für Arbeitszeitverstöße soll auf bis zu 30.000 Euro verdoppelt werden.

Fleischunternehmer lehnt Werkverträge ab

Fleischunternehmer Clemens Tönnies hatte Arbeitsminister Heil zuvor vor der Abschaffung von Werkverträgen gewarnt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf ein entsprechendes Schreiben des Unternehmers. Darin teilt Tönnies mit:

Ein generelles Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft hätte massive, strukturell-negative Veränderungen für die Agrarwirtschaft zur Folge.
Clemens Tönnies, Fleischunternehmer

Tierhaltung, Schlachtung und Veredlung würden "durch die europäischen Wettbewerber substituiert", so Tönnies. Statt Werkverträge abzuschaffen, schlägt Tönnies laut Zeitung vor, einen Branchenmindestlohn von zwölf Euro pro Stunde einzuführen.

Wer Tiere schlachtet oder zerlegt, muss besser bezahlt werden. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Schluss ist mit Werkverträgen in bestimmten Branchen der Fleischindustrie.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Tönnies: Überwachung durch TÜV

Zudem sollten die Auftraggeber der Subunternehmer "für eine menschenwürdige und wirtschaftlich faire Unterbringung aller Beschäftigten" haften. Die "faire Behandlung" der Arbeitnehmer sollte durch eine unabhängige Institution wie den Tüv überwacht werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht dagegen von "organisierter Verantwortungslosigkeit in der Fleischindustrie". Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie seien seit Jahren eine Katastrophe.

Die Werkverträge sind die Wurzel dieses Übels und gehören abgeschafft.
Anja Piel, DGB

Heike Harstick, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, fürchtet, dass durch ein Verbot "große Teile der Fleischproduktion ins Ausland abwandern" werden. Die aufgetretenen Corona-Fälle in Betrieben der Fleischwirtschaft seien Einzelfälle, betonte sie gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das Kabinett will über schärfere Regeln für die Fleischindustrie beraten. ZDF-Korrespondentin Heike Slansky berichtet, welche Folgen ein Verbot von Werkverträgen haben könnte.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Arbeitsbedingungen der Schlachter oft prekär

Die hohe Zahl von Corona-Infektionen unter Schlachthaus-Mitarbeitern hatte ein Schlaglicht auf die Bedingungen in der Branche geworfen. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Schlachter - häufig Mitarbeiter aus Ost- und Südosteuropa - werden häufig als prekär beschrieben.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Coronavirus und Infografik-Chart

Covid-19 - Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Weltweit haben sich mehr als fünf Millionen Menschen infiziert. Sehen Sie hier aktuelle Karten und Infografiken.

von Simon Haas, Robert Meyer
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.