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Wirtschaftsexperte Fratzscher - "Müssen uns auf sehr harte Jahre einstellen"

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Der Koalitionsausschuss berät heute über eine Fortsetzung des Kurzarbeitergeldes. Der Präsident des DIW, Marcel Fratzscher, plädiert im ZDF dringend für eine solche Verlängerung.

"Eine frühzeitige Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ist wichtig", um Klarheit zu schaffen, so Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

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Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass die Corona-Krise die Unternehmen nach wie vor vor immense Probleme stelle. Sollte es eine Reihe von Unternehmensinsolvenzen geben, könnte die wirtschaftliche Lage noch schlimmer werden. Fratzscher rechnet damit, dass die Wirtschaft "noch zwei, drei Jahre brauchen wird, um sich wieder einigermaßen zu berappeln".

Fratzscher: Bedarf an Kurzarbeitergeld wird noch steigen

Die Frage, ob eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes zu kostspielig sein wird, sieht Fratzscher differenziert: "Wir reden hier von fünf bis zehn Milliarden Euro", man müsse das aber immer in Proportion setzen, man rede immerhin über derzeit fünf Millionen Menschen in Kurzarbeit - es seien sogar schon sieben Millionen gewesen. Er rechne damit, dass das Kurzarbeitergeld noch weiter in die Höhe gehen wird, sobald die Tourismussaison zu Ende gehe.

Also es profitieren sehr sehr viele davon und es profitieren vor allem Menschen, die geringe Einkommen haben. Das dürfen wir nicht vergessen.
Marcel Fratzscher, DIW-Chef

Der Topf, aus dem die Mittel für das Kurzarbeitergeld geschöpft werden, ist laut DIW-Chef der Bundeshaushalt, die Kosten übernehme damit der Steuerzahler. Denn die Rücklagen, die von Unternehmen gebildet werden, um Kurzarbeitergelder zu finanzieren, seien längst aufgebraucht.

Die Wirtschaftsfolgen der Pandemie sind immens. Die Bundesregierung will nun über eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds entscheiden – eine Hoffnung für viele Betriebe.

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Fratzscher: Joberhaltung am wichtigsten

Steuererleichterungen für Unternehmen sieht Fratzscher als Möglichkeit für deren Rettung, doch viel wichtiger findet der Wirtschaftsexperte, dass auch die Beschäftigten bei den Unternehmen verbleiben können. Viele Firmen liefen gerade bei 70 bis 80 Prozent und könnten normalerweise ihre Angestellten nicht halten. Daher müsse man "die Stabilisierung der Beschäftigung als eigentlich das wichtigste Ziel in einer solchen Krise neben der Vermeidung von Unternehmensinsolvenzen" sehen.

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Unternehmen in der Corona-Krise profitieren derzeit von einer erleichterten Kurzarbeit. Heute berät der Koalitionsausschuss über eine Verlängerung. Aus der Union kommt Skepsis.

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Trotz aller Hilfen sei es dennoch so, dass viele Unternehmen nicht überleben werden, befürchtet Fratzscher. "Ich glaube, da müssen wir ehrlich sein. Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Es wird diese fünf Millionen, die jetzt in Kurzarbeit sind, die werden in zwei, drei Jahren nicht alle ihre Arbeit bei ihrem Arbeitgeber haben."

In Berlin tagt der Koalitionsausschuss. Während beim Thema Kurzarbeit wohl Einigkeit herrscht, gibt es bei anderen Punkten Differenzen, so ZDF-Korrespondentin Wiedemeyer.

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DIW-Chef erwartet mehr Insolvenzen

Auch werde es seiner Ansicht nach viele Unternehmensinsolvenzen geben. "Viele Unternehmen sind einfach so stark verschuldet, dass weder eine Steuerentlastung noch Kurzarbeitergeld ihnen helfen wird und darauf müssen wir uns einstellen", so Fratzscher weiter.

Der derzeitige Optimismus und dass in einem Jahr alles wieder gut sei, sei eine Illusion. Man werde sich auf zwei, drei sehr harte Jahre einstellen müssen. Der finanzielle Puffer der ersten Welle sei aufgebraucht. Käme jetzt eine zweite Corona-Welle, werden das viele Unternehmen nicht überleben. Deshalb sei eine frühzeitige Bekanntgabe für eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes wichtig. Letztlich gehe es bei der Wirtschaft viel um Vertrauen.

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Kaum Konsum, wenig Investitionen und einbrechende Exporte: Die Wirtschaft ist wegen der Corona-Krise im Rekordtempo geschrumpft. Die Steuereinnahmen fallen um 3,6 Prozent.

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