Sie sind hier:

Studierende in Existenzangst - Nebenjob weg, Studium futsch?

Datum:

Viele Studierende kommen nur mit Nebenjobs über die Runden. Die fallen durch die Corona-Pandemie nun weg - die Uni-Jobber geraten in Geldnot. Soforthilfen lassen auf sich warten.

Viele Studenten arbeiten in der Gastronomie. Archivbild
Viele Studierenden haben neben ihrem Studium gejobbt - etwa in der Gastronomie. Weil das jetzt nicht möglich ist, haben viele Geldsorgen.
Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Studierende, die kein Geld von den Eltern bekommen und nur wenig oder gar kein Bafög, sind auf einen Nebenjob angewiesen, um sich über Wasser zu halten: Kellnern in Restaurants, Aushilfejobs an Messeständen oder im Theater sind besonders beliebt, denn solche Jobs sind gut mit dem Studium vereinbar. Doch nun haben Freizeiteinrichtungen und die meisten Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, Corona-bedingt zu.

Auch nach den ersten Lockerungsmaßnahmen müssen Gastronomiebetriebe, Bars, Diskos, Einkaufszentren und Hotels vorerst geschlossen bleiben. Damit fallen die Nebenjobs für viele Studierende weg - sie stehen ohne Geld für Miete oder Lebensbedarf da.

Flexible Bafög-Regeln

Soforthilfen wie bei Solobeschäftigten sind bislang aber nicht vorgesehen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Studenten in Geldnot eine "schnelle und unbürokratische Unterstützung" versprochen. Zumindest bei der Bewilligung und Auszahlung von Bafög-Leistungen verspricht die Ministerin Erleichterungen.

So sollen diese Gelder weitergezahlt werden, obwohl Vorlesungen nicht stattfinden. Wird die Regelstudienzeit überschritten, weil die Prüfung wegen der Pandemie ausfällt, wird das Bafög in den allermeisten Fällen weiterbezahlt. Auch können Studierende, deren Eltern etwa aufgrund von Kurzarbeit einkommensschwächer dastehen, unkompliziert Bafög-Zahlungen in Anspruch nehmen.

Nicole Gohlke (Die Linke) fordert eine Soforthilfe mit Bedürftigkeitsprüfung im Nachhinein - und zwar aus dem Topf der 920 Millionen Euro nicht abgerufener Bafög-Mittel im Haushalt des letzten Jahres. Auch aus den Bundesländern gibt es Druck Richtung Bundesbildungsministerium, das Bafög in der Corona-Krise zu öffnen. Das lehnt Karliczek als "nicht zielführend" ab. Denn ein solches Vorgehen würde "ein entsprechendes parlamentarisches Gesetzgebungsverfahren nach sich ziehen", was zu lange dauere.

Geld für Härtefälle nur mit Einzelfallprüfung

Hartz IV zu erhalten, wird ebenfalls schwierig. Vollzeitstudierende haben in der Regel keinen Anspruch auf ALG-II-Leistungen. Corona-bedingte Hilfen gibt es nur in Härtefällen, zum Beispiel bei unverschuldetem Wegbrechen der Finanzierung und weit fortgeschrittenem Studium.

Dann können Leistungen als Darlehen nach § 27 Abs. 3 SGB II vom Jobcenter geprüft werden. Diese Härtefalldarlehen müssen allerdings zurückgezahlt werden und die Beantragung ist mit hohen Hürden wie beispielsweise einer Vermögensprüfung verbunden. Eine komplizierte Regelung, die bei den Betroffenen nicht wirklich ankommt.

Zinsloses Darlehen kommt - aber es kann dauern

Ein zinsloses Darlehen für Studierende ohne Bafög-Ansprüche will aber auch Bildungsministerin Karliczek: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran." Eine unbürokratische Abwicklung von zinslosen Darlehen über die Studierendenwerke überfordere diese aber. Im Gespräch ist nun die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW.

In trockenen Tüchern ist das aber bei weitem noch nicht, denn auch die Länder wollen mitreden. Und die Strukturen für die Abwicklung sind noch unklar. Angedacht ist hier eine Online-Plattform, über die Darlehen unkompliziert direkt beantragt werden können. "Das Baby ist zwar gezeugt, geboren ist es aber noch nicht", hieß es aus dem Umfeld der Ministerin.

Bis zur Geburt könne es noch Tage bis Wochen dauern. Bis dahin müssen die Studierenden also noch warten - oder sich Jobs in der Landwirtschaft oder systemrelevanten Bereichen suchen, die nicht vom Shutdown betroffen sind.

ZDFheute Update

Nachrichten | In eigener Sache - Jetzt das ZDFheute Update abonnieren 

Sie wollen morgens und abends ein praktisches Update zur aktuellen Lage? Dann abonnieren Sie unser ZDFheute Update.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.