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Wirtschaft: Erst Rezession - dann Erholung

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Frühjahrsgutachten 2020 - Wirtschaft: Erst Rezession - dann Erholung

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Wegen Corona wird es in Deutschland eine "schwerwiegende" Rezession geben. 2021 aber könnte sich die Wirtschaft wieder kräftig erholen, so die Top-Ökonomen im Frühjahrsgutachten.

Das Coronavirus trifft die deutsche Wirtschaft bereits erheblich. Laut führender Forschungsinstitute könnte es sogar noch schlimmer kommen.

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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), so das Experten-Gremium, werde um 4,2 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenquote in der Spitze 5,9 Prozent erreichen. Schon im ersten Quartal, so vermuten sie, dürfte die Wirtschaft um 1,9 Prozent zurückgefallen sein, zwischen April und Juni rechnen sie sogar mit einem Rückgang um fast zehn Prozent. Der wäre dann mehr als doppelt so groß wie der während der Weltfinanzkrise im ersten Quartal 2009.

2,4 Millionen Kurzarbeiter erwartet

So werde in der Spitze die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent, die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hoch schnellen. Im Gesamtjahr rechnen die Forscher im Schnitt mit 2,5 Millionen Arbeitslosen, das wären knapp eine Viertel Million mehr als 2019.

Die finanzpolitischen Stabilisierungsmaßnahmen führen in diesem Jahr zu einem Rekorddefizit im Staatshaushalt von 159 Mrd. Euro.

"Deutschland bringt gute Voraussetzungen mit"

Aber, davon sind die Forscher auch überzeugt: Deutschland bringe gute Voraussetzungen mit, den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften und mittelfristig wieder das wirtschaftliche Niveau zu erreichen, das sich ohne die Krise ergeben hätte. Im kommenden Jahr könnte es um 5,8 Prozent aufwärtsgehen.

Timo Wollmershäuser, der Konjunkturchef des ifo-Instituts, das zusammen mit anderen Instituten die Diagnose für die Bundesregierung erstellte, sagte:

Es ist wichtig, dass die Politik so schnell und massiv reagiert hat.

Die Finanzlage des Staates sei günstig. Deshalb könne er weitreichende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte ergreifen.

Die Wirtschaftsforscher haben jedoch nur eine Prognose erstellt und nicht verschiedene Szenarien wie etwa der Sachverständigenrat. Die Forscher gehen davon aus, dass der strenge Shutdown mit dem 20. April endet und dann die wirtschaftliche Aktivität schrittweise wieder hochgefahren wird.

Experte: Regierung braucht "Punktprognose"

Sollte es anders kommen, könnte die Prognose nur eine kurze Lebensdauer haben. Doch die Regierung benötige eine solche "Punktprognose", erklärte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Denn die diene ihr als Grundlage für ihre eigenen Projektionen, etwa zur Haushaltsplanung und zur Steuerschätzung.  

Dauert der Shutdown nur einen Monat länger, dann drückt das die wirtschaftliche Entwicklung um weitere 1,5 Prozentpunkte. Sollte die Infektionslage es aber erfordern, dann sei ein längerer Shutdown auch ökonomisch sinnvoll, sagte Holtemöller. Eine allmähliche Lockerung der strengen aktuellen Bedingungen halten die Forscher aber dennoch – soweit gesundheitlich möglich – für wichtig. Den Lockdown könne man nicht auf unbestimmte Zeit ausdehnen.

Ein Konjunkturprogramm zur Wiederankurbelung der Wirtschaft halten die Experten nicht für notwendig. Denn die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen dürften die Jobverluste in Grenzen halten, das Kurzarbeitergeld stütze die Einkommen der Menschen.

Insgesamt seien die Einkommensverluste nicht so groß, glaubt Torsten Schmidt vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. In der Krise dürfte die Sparquote steigen, dieses Geld könnte dann im kommenden Jahr den Konsum wieder ankurbeln.

Forscher: Es lohnt sich durchzuhalten

Auch für den Export zeigen sich die Konjunkturexperten optimistisch. Denn auch die anderen Länder dürften etwa zur gleichen Zeit ihre Wirtschaft wieder hochfahren, auch wenn einzelne Länder, die stark vom Tourismus leben, erst später wieder auf normales Niveau zurückkehren werden.

Den deutschen Unternehmen sollte man Mut zusprechen: Es lohne sich durchzuhalten. Nach der Krise, davon ist Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) überzeugt, müsse man jedoch zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen über einen Lastenausgleich nachdenken.
 

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