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Indien: Corona verschärft die Krise

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Wirtschaft im Abschwung - Indien: Corona verschärft die Krise

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Die Infektionszahlen in Indien steigen, doch wegen der strauchelnden Wirtschaft scheidet ein zweiter Lockdown aus. Der Popularität von Ministerpräsident Modi schadet das nicht.

Eine Frau im indischen Ahmedabad unterzieht sich einem Corona-Test auf der Straße.
Eine Frau im indischen Ahmedabad unterzieht sich einem Corona-Test.
Quelle: reuters

Zwei Zahlen machen die Runde in Indien, die - so unterschiedlich sie sind - eins gemein haben: Es sind Rekorde, auf die Indien nicht stolz sein kann.

Corona-Neuinfektionen auf Rekordniveau

Mit 84.156 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden hat das Land gerade weltweit einen Spitzenwert erreicht. Und um 23,9 Prozent ist die Wirtschaft in den vergangenen drei Monaten geschrumpft - schlimmer als je zuvor.

Infektionsgeschehen und Wirtschaftslage zeichnen das Spannungsfeld, in dem sich Indiens Politik bewegt. Corona breitet sich derart rapide aus, dass ein noch strengerer Lockdown geboten scheint. Aber die Wirtschaft leidet so heftig, dass sie nur Lockerungen beleben können.

Lockerungen trotz steigender Zahlen

"Indiens Regierung hat sich für Lockerungen entschieden", sagt Devendra Pant, Chefvolkswirt von India Ratings & Research.

Das musste sie, ansonsten würde sie zusehen, wie die Wirtschaft zugrunde geht.
Devendra Pant

Die Corona-Krise jedoch ist nicht die Wurzel allen wirtschaftlichen Übels, eher ein Verstärker.

Lange war Indien eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften, doch zuletzt wurden die Zahlen diesem Anspruch kaum noch gerecht.

In Indien steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus weiter an. Auf dem Land kommen derzeit noch Überschwemmungen durch den Monsun-Regen dazu.

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Kritik an der Regierung Modi

Kritiker der Regierung Modi führen eine Liste von Versäumnissen auf: darunter eine unausgegorene Einführung der Mehrwertsteuer, eine überrumpelnde Währungsreform.

Volkswirt Pant: "Der Abschwung hat durch die Corona-Politik der Regierung dann weiter Fahrt aufgenommen. Ein Lockdown, strikter als anderswo, wurde verhängt. 68 Tage stand alles still. Dieser Lockdown musste sein, aber war er gut vorbereitet und umgesetzt? Nein, er hat die Wachstumskurve der Wirtschaft abgeflacht, aber nicht die Infektionskurve des Virus."

Corona: Indien weltweit an zweiter Stelle

Vier Millionen Infizierte; damit hat Indien auch Brasilien bald eingeholt und ist dann nach den USA das am schlimmsten betroffene Land. Aber Statistiken kann man drehen, wenden und unterschiedlich deuten.

Die Regierung in Delhi merkt an, dass der Anteil der Infizierten an der Gesamtbevölkerung verhältnismäßig klein bleibe. Stimmt: Indien hat schließlich 1,4 Milliarden Einwohner. Außerdem sei auch die Sterblichkeitsrate geringer als anderswo.

Fragen zur Zuverlässigkeit der Tests

Auch das scheint richtig, Experten führen es unter anderem darauf zurück, dass Indiens Bevölkerung relativ jung ist. Auf der anderen Seite wachsen Zweifel, ob die Zahlen stimmen und das wahre Ausmaß der Virus-Verbreitung überhaupt erfasst ist. Es gibt Fragezeichen, was die Zuverlässigkeit der Tests angeht.

Und vor allem in den ländlichen Gebieten gehen viele Inder trotz Symptomen offenbar nicht zum Arzt – aus Angst vor Stigmatisierung.

Berichte: Ärzte seit Monaten ohne Lohn

Immer wieder gibt es zudem Berichte vom Gesundheitssystem vor dem Kollaps, von schwierigen hygienischen Zuständen in Krankenhäusern und von Ärzten, die seit Monaten keinen Lohn bekommen.

Trotzdem scheint die Misere der Regierung von Ministerpräsident Modi kaum zu schaden. Der Sozialwissenschaftler Shiv Vishvanathan sagt, Modi profitiere von seinem sorgfältig in den Medien aufgebauten Image.

Er präsentiert sich als starker Mann, als Patriot, als einer, der auch die Corona-Krise lösen kann. Sein PR-Team leistet ganze Arbeit.
Shiv Vishvanathan

Aber wie lange kann er davon zehren? Wenn das Virus sich ausbreitet, die Wirtschaft leidet, die Arbeitslosigkeit steigt?

Modi geht als Gewinner aus der Krise

Modi hat ein Konjunkturpaket von 250 Milliarden Euro aufgelegt. Doch das Haushaltsdefizit wächst bedrohlich, die Steuereinnahmen sinken, die Kassen sind leer. "Trotzdem", sagt Vishvanathan, "Modi kommt davon. Er ist clever und hat ein Gespür für die Menschen."

Außerdem sei der politische Gegner intern gerade wieder total zerstritten. "Es gibt praktisch keine Opposition. Die Menschen wählen Modi, weil sie keine Alternative haben. Es ist eine Tragödie. Indiens Politik ist kollabiert." Ein Befund, bei dem Corona seinen Teil dazu beigetragen hat.

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