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Jobsuche in Zeiten von Corona - Können Online-Plattformen eine Lösung sein?

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Landwirte können ohne Helfer die Ernte nicht einfahren. Kellner, Köche und Verkäufer stehen auf der Straße. Die Plattform daslandhilft.de will daraus eine Win-win-Situation machen.

Ingo Hindorf
Ingo Hindorf rechnet für dieses Jahr mit massiven Ernteausfällen. Selbst wenn er ausreichend Helfer über daslandhilft.de finde, fehle vielen doch die Arbeitserfahrung, meint der Landwirt.
Quelle: privat

Pascal Löhr (35) war Küchenchef in einem 4-Sterne-Hotel in Erding bei München. Wann er seine Arbeit wieder aufnehmen kann, ist ungewiss. Seiner Frau Georgiana (33) geht es ähnlich, sie ist Kellnerin und nun ebenfalls fürs Erste ihren Job los. Zwar bekommen beide Kurzarbeitergeld, aber der Ausfall des Trinkgelds trifft sie schmerzlich.

Deshalb hat Pascal Löhr vergangene Woche auf daslandhilft.de sein Profil als Erntehelfer eingestellt. "Als Koch verstehe ich was von Lebensmitteln, ich weiß, wie wichtig frisches Obst und Gemüse sind", erklärt er ZDFheute. Doch bislang hat sich kein Landwirt bei ihm gemeldet.

"Wenn ich mir das Portal anschaue, spüre ich von der Not der Landwirte nur wenig", zieht der Koch ernüchtert seine Zwischenbilanz, "bislang sind zu wenige Landwirte auf dem Portal aktiv. Ich habe nur einen einzigen Betrieb in der Nähe gefunden, der auf meine Bewerbung aber nicht reagiert hat." Für ein bis zwei Monate haben er und seine Frau zwar noch finanzielle Rücklagen. Aber danach?

Helfer dringend gesucht

Auf Mitarbeiter wie Pascal Löhr wäre Landwirt Ingo Hindorf (43) dringend angewiesen. Doch sein Spargel-und Erdbeerbetrieb liegt nicht in Bayern, sondern in Langeneichstädt im südlichen Sachsen-Anhalt. Über die neue Plattform sucht er händeringend nach Helfern. Nach ein paar Tagen hat der Landwirt schon über 100 Rückmeldungen erhalten, die Bewerber sind beispielsweise Maschinenbauer in Kurzarbeit, Gastronomen, Studierende und sogar Lehrer.

Seine erste Bilanz: "Das Portal ist zwar eine große Hilfe für uns, aber viele Bewerbungen passen nicht. Ich glaube, vielen ist nicht klar, wie hart gerade das Spargelstechen ist. Das ist etwas anderes als ein Bürojob. Aber wenn von zehn Bewerbungen nur eine Person überbleibt, ist es schon ein Erfolg. Am liebsten wollen wir Sportstudenten haben, weil die fit sind. Leider wollen viele nur in Teilzeit oder über einen kurzen Zeitraum arbeiten."

37.000 Jobinserate in der ersten Woche

Auf Nachfrage von ZDFheute erklären die Betreiber von daslandhilft.de, dass sie kaum hinterher kommen, die eingehenden Meldungen von Landwirten in das System einzupflegen. Denn die Resonanz sei überwältigend, "in der ersten Woche haben wir 37.000 Inserate und 300 bis 400 erfolgreiche Vermittlungsvorgänge gezählt“, meint Guido Krisam und bittet Landwirte und Jobsucher noch um etwas Geduld.

Die Inserate würden sich in den kommenden Tagen spürbar erhöhen, so dass auch jemand wie Pascal Löhr gute Chancen hätte, einen passenden Betrieb zu finden. "Das ist eine Win-Win-Situation. Einerseits hilft jeder, der körperlich fit ist, unseren Landwirten weiter und andererseits können wir helfen, Einkommensverluste auszugleichen."

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