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Zahlen für zweites Quartal - Lufthansa und der Flug ins Ungewisse

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Die mittlerweile staatlich gestützte Lufthansa hat auch das zweite Quartal mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Bis 2023 will der Konzern 22.000 Stellen streichen.

96 Prozent weniger Passagiere und einen Rekordverlust von über drei Milliarden Euro vermeldet die Lufthansa im ersten Halbjahr. Trotz der neun Milliarden Staatshilfe schließt Vorstands-Chef Carsten Spohr betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.

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Quasi über Nacht brachte Corona im März die Flotte von Europas größter Fluggesellschaft zum Stillstand – und bescherte der Airline Verluste von einer Million Euro pro Stunde - denn jede Minute am Boden kostet Geld – so viel, dass fast der Absturz drohte.

Im zweiten Quartal muss die Lufthansa nun einen weiteren Milliardenverlust verbuchen. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor.

Die Lufthansa braucht eine neue Struktur

Die Bundesregierung stützt die Airline seit Juli mit einem Rettungspaket im Umfang von neun Milliarden Euro - Kredite vom Bund plus 300 Millionen Euro Eigenkapital: Damit ist der Bund als Aktionär an Bord und hält 20 Prozent der Aktien an Deutschlands größter Fluglinie. Bis alle Kredite zurückgezahlt sind, werden Anleger noch Jahre auf Dividenden verzichten müssen. Zudem sind Erstattungsforderungen von einer Milliarde Euro offen.

Die Lufthansa steht nun vor einer schwierigen Zeit der Umstrukturierung: Denn die Luftfahrt kämpft seit Jahren schon mit geringen Margen und starkem Wettbewerb. Jetzt müssen Personalabbau und Gehaltseinbußen verhandelt, Unternehmensteile verkauft und über Stornierungen von Maschinen mit Flugzeugherstellern gefeilscht werden.

Der Airline fehlen die Business-Flüge

Das bis 2023 laufende Sparprogramm sieht vor, die Anzahl der Führungsposten um 20 Prozent zu reduzieren. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen schloss Lufthansa nicht aus, dass weltweit bis zu 22.000 Vollzeitstellen abgebaut werden müssen. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8.300 gesenkt. Auch die Flotte wird verkleinert: von den 760 Maschinen sind 22 bereits dauerhaft aussortiert, 100 Jets sollen insgesamt ausgemustert werden.

Business-Flüge und Geschäftsreisen - bislang ein wichtiges Standbein für die Lufthansa - seit Corona liegt dieser Gewinnbringer am Boden. Ob und wann der Geschäftsbereich überhaupt wieder Vor-Corona-Niveau erreicht, ist fraglich, denn Firmen haben nicht nur digital aufgerüstet, und Geschäftsreisen reduziert, viele müssen auf jeden Euro achten, um durch die Krise zu kommen.

Flugtickets werden wohl günstiger

Verschärfend wirkt: Billigflieger dürften einen europäischen Preiskampf eröffnen, um am Markt zu bestehen. Das heißt: Höhere Erträge lassen sich kaum durchsetzen, und die Kosten steigen. Zudem wird die Rückzahlung der staatlichen Kredite inklusive Zinsen in den kommenden Jahren Lufthansa-Gewinne zusätzlich belasten, in der Folge sind weitere Kostensenkungen unausweichlich.

Wegen gestrichener Flüge warten noch immer viele Lufthansa-Kunden auf ihr Geld. Das soll sich ändern, aber etwas Geduld brauchen sie noch, sagt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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In Corona-Zeiten sorgt allein die Frachtsparte für positive Schlagzeilen. Gerade zu Beginn, als schnell medizinische Ausrüstung, wie Masken oder Desinfektionsmittel besorgt werden mussten, hatte die Lufthansa zwischenzeitlich zusätzlich zu den Cargo-Maschinen mehr als 20 ungenutzte Passagierflugzeuge im Fracht-Einsatz.

Auch eine Folge dessen, dass Passagiermaschinen so gut wie gar nicht mehr flogen. Denn man muss wissen, dass in normalen Zeiten Passagierflugzeuge sehr viel Fracht in ihrem Bauch mitnehmen. Von dieser Flaute profitierte also das Cargo-Geschäft, bei allerdings auch höheren Kosten.

Fazit: Lufthansa und Bundesbürger haben kaum Gewinnaussichten

Unterm Strich bleiben die Gewinnaussichten für die Lufthansa eher schwierig. Schlecht für den Konzern, der im vergangenen Jahr noch blendend da stand. Schlecht aber auch für Millionen von Bundesbürgern, die ungefragt über die Beteiligung des Bundes zu Miteigentümern der Airline geworden sind.

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