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Mehlnachfrage in Viruszeiten - "Viele Menschen kaufen 25-Kilo-Säcke"

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Die Nachfrage nach Mehl ist in der Corona-Krise in Deutschland sprunghaft angestiegen. Selbst kleine Traditionsmühlen sind ausgelastet.

Weizenkörner im Walzenstuhl einer Getreidemühle
Weizenkörner im Walzenstuhl einer Getreidemühle
Quelle: imago

Seit fast 300 Jahren wird in der kleinen Sundwiger Mühle in Hemer Getreide mit Wasserkraft zu Mehl vermahlen. Doch so einen Ansturm wie in den vergangenen Wochen hat die Traditionsmühle an einem Weiher wohl noch nie erlebt. "Dass sich die Situation für unseren Mühlenladen so rapide ändert, hätte ich nie gedacht", sagt Müller Johannes Alberts. "Wir haben etwa sechsmal so viel verkauft wie in normalen Zeiten."

Kunden stehen im Mühlenlädchen Schlange

Rund 14 Tonnen Getreide hat Alberts in den vergangenen drei Wochen verarbeitet. Dennoch stehen die Kunden vor seinem kleinen Mühlenladen im Sauerland Schlange. Die Knappheit bei Mehl entstehe vor allem durch Hamsterkäufe, beobachtet der Müller. "Es ist verrückt. Viele Menschen kaufen 25-Kilo-Säcke, um Vorräte anzulegen." Viele Kunden kämen erstmals in den Mühlenladen, weil sie im Supermarkt nichts mehr bekommen hätten.

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Die leer gefegten Mehl-Regale in den Supermärkten hätten nichts mit einem Mangel an Getreide zu tun, sagt Anne-Kristin Barth vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft in Berlin. Das Problem sei, dass die Nachfrage aus dem Einzelhandel sprunghaft auf das Vier- bis Fünffache angestiegen sei. "Es ist genug da, aber die Verpackungskapazitäten sind begrenzt," so Barth. Die Kilopackungen sind normalerweise nicht das Hauptgeschäft der Mühlen-Betriebe. 90 bis 95 Prozent ihrer Ware gehen an die Nahrungsmittelindustrie.

Getreide ist genug vorhanden - Engpass beim Verpacken

"Wir produzieren den zweiten Monat unter Volllast", sagt Stephan Kill von der Mühlengruppe Roland Mills United in Recklinghausen. Die beiden Mühlen in Recklinghausen und Münster hätten ihre Produktion an Ein-Kilo-Packungen von 150.000 auf 250.000 pro Tag gesteigert. "Wir haben aber eine um das Fünf- bis Zehnfache gestiegene Nachfrage. Die können wir so schnell nicht decken", beklagt Kill. Getreide gebe es in der Tat genug. Aber die Kapazität der Verpackungsmaschinen sei nun einmal begrenzt. Es werde aber ständig nachgeliefert. Deshalb rechnet Kill damit, dass der Engpass bald behoben werde. "Um das Osterlamm zu backen, müsste genug Ware in den Regalen liegen."

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Auch die neun Produktionsstandorte des größten deutschen Mühlen-Konzerns GoodMills Deutschland arbeiten derzeit unter Hochdruck. Neben einem starken Nachfrageplus bei den Kilo-Packungen bestellten auch die Industriekunden etwa 20 Prozent mehr, sagt Unternehmenssprecher Karl-Friedrich Brenner. Auch abgepackte Brotwaren und Nudeln seien derzeit stärker als sonst gefragt. Auch Brenner geht davon aus, dass sich die Lage bald entspannt.

Müller freut sich über Trend zum Selberbacken

Johannes Alberts räumt ein, dass er an der immensen Nachfrage nach Mehl gut verdient. "Aber eigentlich verkaufe ich lieber langsamer, weil ich die Kunden gerne richtig berate." Außerdem werde wohl ein Teil der gehamsterten Vorräte verderben, befürchtet er. Denn Mehl sei nicht unbegrenzt haltbar. Der Müller beobachtet aber erfreut, dass viele Kunden derzeit tatsächlich mehr selber backen.

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