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Mehr Arbeit durch weniger Mehrwertsteuer

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Einzelhändler - Mehr Arbeit durch weniger Mehrwertsteuer

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Die Mehrwertsteuersenkung beschert den meisten Betrieben viel Aufwand. Viele Probleme stecken in komplizierten Details, zeigt eine Stichprobe in Wiesbaden.

Mehrwertsteuersenkung Preisauszeichnung
Die Senkung der Mehrwertsteuer soll die Wirtschaft ankurbeln, verschafft aber vor allem kleineren Betrieben viele Probleme.
Quelle: Sven Hoppe, dpa

In Supermärkten und bei den Discountern sieht man es am deutlichsten. Große Preisschilder werben dafür: Die Vollmilch nur noch 76 Cent,  Schokolade nur 1,23 Euro. Aber jedes einzelne dieser Schilder musste erst mal mühsam angebracht werden.

200 Millionen neue Preisschilder

Deshalb war bei vielen Einzelhändlern in den vergangenen Tagen nicht die Vorbereitung auf den Kundenansturm, sondern Überstunden der Mitarbeiter wegen neuer Etiketten das große Thema. Das Forschungsinstitut EHI schätzt, dass Lebensmitteleinzelhändler etwa 200 Millionen neue Preisschilder drucken und am Regal anbringen ließen.

Die Mehrwertsteuersenkung soll Händlern in Corona-Zeiten helfen, doch viele Unternehmen befürchten einen hohen bürokratischen Aufwand.

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Geht man von Kosten von 10 bis 15 Cent pro Etikett aus, müssen die Unternehmen dafür bis zu 30 Millionen Euro berappen. Dazu kommen weitere Kosten von bis zu 50 Millionen Euro, um jeden Artikel neu zu kalkulieren und die Ladenkassen technisch umzustellen.

Anpassung der Kassensysteme an die Mehrwertsteuersenkung

Überhaupt gibt es überall dort, wo Kassen oder Kassensysteme eingesetzt werden, die größten Probleme. Oft sind diese nicht auf dem neusten Stand und müssen von einem Experten umgestellt werden. Diese müssen aber, wegen der hohen Nachfrage, erst mal Zeit haben und wollen natürlich bezahlt werden.

Beim Traditionsgeschäft "Hut Mühlenbeck" in Wiesbaden hat diese Umstellung zwar geklappt, aber nur, weil Inhaber Andreas Voigtländer vorausschauend selbst ein Kassensystem entwickelt hat, bei dem er die Mehrwertsteuer ändern kann.

Trotzdem hat er bereits 500 Euro für die Anpassung von Softwaresystemen bezahlt, die ihm niemand erstattet. Auch wegen dieser Zusatzkosten ist er ein Gegner der Umstellung und sagt:

Soforthilfemaßnahmen und Kurzarbeitergeld fand ich sehr gut, aber die Mehrwertsteuersenkung ist am Rande des Bärendienstes für den Einzelhandel. 
Andreas Voigtländer, Einzelhändler

Besonders problematisch ist für ihn, dass sein Online-Shop, ein wichtiges Standbein, derzeit nicht verfügbar ist, weil sein Provider die Umstellung nicht so schnell geschafft hat.

Ziel ist es, nach den Einbrüchen in der Corona-Krise den Konsum wieder zu stärken. Doch bei der Umsetzung bleiben viele Fragen offen.

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Bei Vermietungen wird es noch komplizierter

Bei "Hocke-Baubedarf" macht man gerade ähnliche Erfahrungen. "Die EDV-Umstellung hat uns 500 Euro gekostet, die Eigenleistung und den Zeitaufwand von mir nicht mitgerechnet", sagt Geschäftsführer Ramon Bartholomäi.

Nicht das einzige Problem, denn hier verkauft man nicht nur Baubedarf, sondern vermietet auch Geräte wie Kompressoren oder Minibagger. "Wir mussten, bei sich überschneidenden Mietzeiträumen, für jedes Gerät Zwischenrechnungen erstellen. Bis 30. Juni mit der alten Mehrwertsteuer und ab 30. Juni mit der neuen. Egal, ob jemand das Gerät für zwei Tage hatte oder länger", erklärt Bartholomäi. Ein Aufwand, den er sich und seinem Unternehmen gerne erspart hätte.

Gastronomie und Einzelhandel: Umsetzung schwierig

"Es hängen einfach viele Dinge hinten dran, über die man sich zunächst keine Gedanken macht, und das macht es extrem schwierig", sagt auch Christian Gastl, Präsident der Wiesbadener IHK. Er glaubt, dass die Umsetzung für den Einzelhandel und die Gastronomie am schwierigsten ist, weil dort unterschiedliche Steuersätze, etwa auf Speisen und Getränke, gelten.

Aber er denkt auch an Leasing-Firmen oder gewerbliche Vermieter. "Dauermietrechnungen oder Leasing-Verträge müssen jetzt komplett umgestellt werden und dann zum 1. Januar wieder." Zudem müsse man auch in seiner Steuererklärung "vier verschiedene Steuersätze unterbringen".  Alles Dinge, die sehr "vielschichtig seien, in Zeiten, in denen man sowieso erst mal zusehen müsse, "seinen Betrieb am Laufen zu halten".

Klaus Weber ist Redakteur im ZDF-Börsenteam.

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