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Kaum Schnäppchen durch Mehrwertsteuersenkung

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WISO-Preischeck - Kaum Schnäppchen durch Mehrwertsteuersenkung

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Durch die niedrigere Mehrwertsteuer sollen Produkte günstiger, der Konsum angekurbelt werden. Ein WISO-Preischeck zeigt aber: Im Online-Handel kommt die Senkung kaum bei Kunden an.

Die Ergebnisse des WISO-Preischecks.

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"Wumms" oder Rohrkrepierer? Die Bundesregierung verzichtet für die Mehrwertsteuersenkung auf gut 20 Milliarden Euro, die Steuer sinkt von 19 auf 16 Prozent sowie im reduzierten Satz von 7 auf 5 Prozent, befristet bis zum 31. Dezember 2020.

Ziel: Den Konsum ankurbeln, wir sollen kaufen. Brechen jetzt goldene Zeiten für Schnäppchenjäger an? Das ZDF-Magazin WISO ist dieser Frage nachgegangen und hat über 3.000 Produkte im Online-Handel gecheckt. Durchgeführt wurde die Untersuchung von der Agentur preishoheit.de. Das Ergebnis ist für Schnäppchenjäger ernüchternd.

Preissenkung nur bei einem Viertel der Produkte

Studienleiter Clemens Vest fasst zusammen: "Nur in rund einem Viertel der von uns beobachteten Angebote gab es seit 1. Juli eine mehrwertsteuerbedingte Preissenkung, dagegen blieben knapp drei Viertel aller Preise nahezu gleich oder stiegen sogar."

Mehrwertsteuer-Grafik
Quelle: ZDF / WISO

Während WISO im stationären Handel bei den großen Warenhäusern, Elektronikhändlern und Baumärkten häufiger beobachten konnte, dass die Preise um den reduzierten Mehrwertsteuersatz gesenkt wurden, war das im Online-Handel seltener der Fall. "Wir haben Branchen wie Parfüm und Kosmetik mit 14 Prozent oder auch Spielzeug mit 18 Prozent Mehrwertsteuer bedingten Preissenkungen seit 1. Juli. Im Elektronikbereich war es immerhin mehr als ein Drittel", so Vest.

Mehrwertsteuer-Grafik
Quelle: ZDF / WISO

Kleinhändler brauchen die Gewinnmarge

Über die Gründe kann der Experte für Online-Preisbeobachtung nur spekulieren. Fest steht: Bei Produkten, die von mehreren Konkurrenten angeboten werden, verzeichneten Vest und Kollegen eher Preissenkungen zum 1. Juli als bei Produkten, die nur von wenigen Anbietern vertrieben wurden.

Und: Je teurer ein Produkt war, desto eher wurde die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben. Beides - höherer Konkurrenzdruck und höhere Preise - könnten Gründe für die Bewegung im Elektronikbereich sein.

Die befristete Mehrwertsteuersenkung bringt in einigen Branchen erhebliche Umstellungsprobleme – kommt damit ein Konjunkturschub? Eine gestiegene Auftragsaussicht im Handwerk ist wohl eine erste Folge der Mehrwertsteuer-Absenkung.

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Martin Fassnacht, Professor für Marketing und Strategie an der Wirtschaftshochschule WHU, vermutet einen weiteren Grund: Kleinere Händler hätten es schwerer, schnell und umfassend die Preise zu senken, weil der Aufwand enorm sei. Großen Unternehmen falle das leichter.

Die Kleinhändler brauchen auch die Marge, die haben in den letzten Monaten sehr gelitten. Und die werben oft nicht so stark mit günstigen Preisen.
Martin Fassnacht

Früher bestellen kann sich lohnen

Für Clemens Vest ist der Blick auf die Steuer zudem nicht entscheidend für die Frage, ob es sich um ein Schnäppchen handelt oder nicht: "Es gab Produkte wie Bluetooth-Kopfhörer oder auch eine Digitalkamera, die in der Woche vor dem Stichtag günstiger waren als nach der Mehrwertsteuersenkung." Man hätte also mehr gespart, wenn man früher gekauft hätte - Beispiele für den extrem dynamischen Online-Handel.

Ebenso haben die Experten ein Parfüm beobachtet, bei dem der größte Onlinehändler zwar den Preis zum 1. Juli gesenkt hat. Aber am 2. Juli war das Parfüm teurer als vorher: "Der günstigste Anbieter dagegen hielt den Preis seit Ende Juni durchgehend stabil, unbeeindruckt von der Mehrwertsteuer."

Dennoch denkt Marketingstratege Fassnacht, dass durch die Steuersenkung die Kauflaune steigt. Das sei Psychologie.

Eine Senkung des Preises ist was Positives. Man fühlt sich besser, Geld auszugeben, weil der Preis geringer ist.
Martin Fassnacht

Das könne dazu führen, dass der Konsum angeregt wird, so der Wissenschaftler.

Die Mehrwertsteuer wird bis Ende des Jahres gesenkt: Von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent. Doch wie viel spart man als Verbraucher tatsächlich?

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Sorge vor dem Konsumeinbruch

Ein kleiner "Wumms" also, ein teurer "Wumms", aber immerhin kein Rohrkrepierer. Die Konsumenten dürften manchen Kauf in diesem Jahr tätigen, vor allem für teure Artikel wie Technik, Möbel oder Autos: "Die große Frage ist dann, was passiert im Jahr 2021?" Der Konsum könne dann einbrechen, fürchtet Fassnacht.

Sven-Hendrik Hahn ist Redakteur beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO. Dem Autor auf Twitter folgen: @sven_hahn. Mehr zum Preischeck heute um 19:25 Uhr in WISO.

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