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DIW zu Hotels und Gaststätten - "Die Branche wird so nicht überleben"

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München ohne Oktoberfest, weitere Absagen könnten folgen. Lauter Ausfälle bei Schaustellern, Gastronomie, Hotels. Die ganze Branche wird schrumpfen, sagt DIW-Chef Fratzscher.

Aus Sorge vor weiterer Ausbreitung des Coronavirus hat München das Oktoberfest abgesagt. Weitere Volksfeste, bis hin zu den Weihnachtsmärkten, könnten folgen. Und für die Sommerferien sieht es laut Außenminister Heiko Maas (SPD) auch nicht gut aus.

Vor allem betroffen: Hotels, Gaststätten, Reiseveranstalter. "Die Branche wird so nicht überleben, sondern deutlich schrumpfen", sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zu ZDFheute.

Sorge vor dauerhaft geringem Sozialkonsum durch Corona-Krise

Zwar sei es richtig, dass Volksfeste nicht wie Ischgl oder der Karneval zu neuen Hotspots der Virus-Ausbreitung werden dürften. Das Hotel- und Gaststättengewerbe, das vor allem aus kleinen und mittleren Betrieben besteht, werde davon aber "extrem hart getroffen", sagt Fratzscher. Und das nicht nur kurzfristig. "Meine große Sorge ist, dass die Menschen, selbst wenn das Coronavirus eingegrenzt ist, permanent ihr Verhalten ändern."

Also weniger Feste besuchen, weniger verreisen oder in Gaststätten gehen und so den sogenannten sozialen Konsum einschränken. Zumal die Wirtschaftskrise die Kaufkraft vieler Menschen deutlich reduzieren werde, so Fratzscher:

Man muss sich ehrlich machen: Es werden nicht alle in Gastronomie und Hotellerie die Krise überleben.
Marcel Fratzscher

Senkung der Mehrwertsteuer oder Verlustrücktrag?

Politiker und Branchenverbände hatten deswegen eine Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie auf sieben Prozent ins Spiel gebracht, wie sie als sogenannte Mövenpick-Steuer seit 2009 schon für die Hotellerie gilt. DIW-Präsident Fratzscher lehnt diese ab. "Das ist extrem teuer", kritisiert er. Pro Jahr müsste mit Steuerausfällen von elf bis zwölf Milliarden Euro pro Prozentpunkt weniger gerechnet werden.

Fratzscher schlägt vor, die Branche steuerlich durch den Verlustrücktrag zu entlasten. Damit könnten die Verluste aus 2020 mit den Steuern auf die Gewinne von 2019 verrechnet werden, die gezahlten Steuern auf den Gewinn fließen also wieder zurück. "Damit könnte man den Unternehmen direkt wieder Geld in die Taschen geben", sagt Fratzscher.

Die FDP schlägt Ähnliches vor und will einen Gesetzentwurf noch diese Woche in den Bundestag einbringen. Fraktionschef Christian Lindner will mit einer negativen Gewinnsteuer, dass 80 Prozent der Verluste mit den Gewinnen aus dem vorigen Jahr verrechnet werden können.

DIW: Weitere Transfers für Kleinunternehmer nötig

Den von der Absage der Volksfeste betroffenen Solo- und Kleinselbstständigen, wie Schausteller, Taxiunternehmen zum Beispiel, wäre mit dem Verlustrücktrag allerdings wenig geholfen. Meistens haben sie keine Gewinne, die sie gegen Verluste stellen können.

Auch die Kreditgarantien des Staates bringen ihnen nichts, weil ein Kredit ihre Existenz zwar kurzfristig rettet, die Einnahmen aber oft zu gering sind, um die Kredite wieder abzubezahlen. Je länger der Lockdown dauert, sagt Fratzscher, "wird der Staat nicht drumherumkommen, weitere Transfers zu leisten."

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