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16.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag möglich

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Online-Simulator - 16.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag möglich

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Forscher der Uni Saarbrücken rechnen mithilfe eines datengestützten Online-Simulators mögliche Krankenhaus-Szenarien für den Corona-Herbst durch. Die Prognosen sind bedrückend.

Infografik: Simulator Auslastung Intensivbetten
Quelle: ZDF/AP

Auf deutschen Intensivstationen liegen derzeit weit weniger Patienten mit Covid-19 als noch Mitte April - obwohl inzwischen mehr Neuinfektionen gemeldet werden als noch im Frühjahr. Woran liegt das - und auf was müssen sich die Krankenhäuser in den nächsten Wochen einstellen?

Online-Simulation als Entscheidungshilfe

Um mögliche Szenarien für Politik und Gesundheitssysteme greifbarer zu machen, hat eine Forschergruppe um Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes einen Online-Simulator entwickelt. Die Idee dahinter schildert Lehr im Gespräch mit ZDFheute: "Mit dem Online-Simulator wollen wir allen Interessierten ein einfach zu bedienendes Instrument zur Verfügung stellen, um das Covid-19-Infektionsgeschehen zu verstehen und 'Was-wäre-wenn'-Szenarien durchspielen zu können."

Der Covid-19-Simulator beruht auf einem komplexen mathematischen Modell, das in den letzten acht Monaten kontinuierlich mit neuen Daten optimiert wurde. Das Team verwendet laut Lehr neben den öffentlich zugänglichen Quellen vom Robert-Koch-Institut (RKI), den Gesundheitsämtern und Ministerien, auch Daten von über 8.000 hospitalisierten Covid-19-Patienten, die mindestens zehn Prozent der Covid-19-Krankenhauspatienten in Deutschland abbildeten.

Dadurch sind wir in der Lage, das Geschehen im Krankenhaus widerzuspiegeln, also wie lange liegen Patienten auf der Normal- oder Intensivstation, wie viele Patienten müssen beatmet werden, wie hoch ist die Mortalität auf den einzelnen Stationen.
Thorsten Lehr, Professor der Pharmazie und Teamleiter Online-Simulator

Worst case: 20.000 neue Fälle am Tag

Die aktuellen Berechnungen der Forscher für ZDFheute verheißen nichts Gutes: Sollten die von der Politik bereits beschlossenen Maßnahmen ihre Wirkung verfehlen und keine weiteren hinzukommen, könnte es Anfang November rund 16.000 Neuinfektionen pro Tag geben, im besten Fall 12.000. Als Worst-Case-Szenario hat der Simulator rund 20.000 tägliche Neuinfektionen berechnet:

Ausschlaggebend, so die Forscher, sei auch hier der sogenannte R-Wert, den die Forscher ebenfalls selbst berechnen.

Die Intensivstationen hätte unter diesen Voraussetzungen in zwei bis drei Wochen eine ähnliche Auslastung wie zu bisherigen Corona-Peak-Zeiten Mitte April erreicht.

Zahl der Intensivpatienten steigt zeitversetzt

Im Frühjahr gab es zwischen der Veröffentlichung der Fälle durch das RKI und dem Krankheitsbeginn der Infizierten noch eine große Lücke; dementsprechend stieg damals auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen scheinbar früher. Generell gilt: Die Belegung in den Krankenhäusern folgt der Infektionslage um etwa 14 Tage zeitversetzt.

"Sollten wir es schaffen, den R-Wert am 1. November (als Beispiel) wieder auf 0,9 zu senken, dann wäre mit einem Peak der Intensivstationen-Belegung erst Anfang Dezember zu rechnen", vermutet Lehr. Doch auch dann sei bis Ende des Jahres bundesweit mit täglichen Fallzahlen im fünfstelligen Bereich zu rechnen.

Zunahme der Krankenhausbelegungen

Wichtig in diesem Zusammenhang sei zudem die derzeitige deutliche Erhöhung der Hospitalisierungsrate. Diese besagt, wie viele der Covid-19-Infizierten ins Krankenhaus müssen. Zu Beginn der Pandemie lag die Rate laut Lehr bei über 20 Prozent und ist im Verlauf der Pandemie im Schnitt auf 3,5 Prozent gesunken.

Aber: "Seit Anfang September ist die Hospitalisierungsrate um 80 Prozent auf 6,4 Prozent gestiegen." Das habe vor allem mit dem verstärkten Infektionsanstieg der Ü60-Patienten zu tun, der seit Anfang September ebenso wieder zunehme.

Bei weiterer Ansteckung älterer Patienten ist mit steigenden Hospitalisierungsraten zu rechnen, selbst bei gleichbleibenden Neuinfektionszahlen.
Thorsten Lehr

Ein Fünftel der Intensivpatienten stirbt

Auch die Zahl der Todesfälle könne sich mit ein paar Wochen Verzögerung stark erhöhen, denn "nach wie vor sterben ein Fünftel der Covid-19-Intensivpatienten. Das haben unsere Berechnungen bestätigt“, sagt Lehr.

Voraussetzung bei diesen Simulator-Prognosen ist, dass die Reproduktionsrate und die Altersstruktur der Infizierten im Vorhersagezeitraum konstant bleibt. Wichtig außerdem: Das Modell ist für Kurzzeitprognosen ausgelegt. Durch nicht vorhersagbare Veränderung der Infektionsdynamik, wie etwa politische Interventionen oder Verhaltensänderung in der Bevölkerung, seien Langzeitprognosen laut Lehr nur mit erheblicher Unsicherheit möglich.

Prof. Susanne Herold

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