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Geht der Shutdown nach Ostern weiter?

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Ökonom zur Corona-Krise - Geht der Shutdown nach Ostern weiter?

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Der Ökonom Klaus Wälde hat Daten zur Corona-Krise ausgewertet. Sein Fazit: Nach Ostern sollte der Shutdown weiter gehen, Wirtschaft und Gesundheit stehen im ernsten Konflikt.

Patient liegt auf einer Liege, zwei Ärzte mit Schutzanzügen und Mundschutz um ihn herum
Wir stehen vor einem schwierigen Zielkonflikt zwischen Wachstum und Gesundheit.
Quelle: dpa

Klaus Wälde hat mit einem Team von Wissenschaftlern alle verfügbaren Quellen zur Corona-Pandemie zusammengetragen und auf diese Daten mathematische Modelle angewendet. Anhand dieser Modelle hat der Ökonom eine Projektion erstellt, wie die Krankheit in Deutschland weiter verlaufen könnte. Seine wesentlichen Erkenntnisse:

  • Würde der Shutdown nach Ostern aufgehoben, könnte die Corona-Pandemie in Deutschland Anfang Juni ihren Höhepunkt erreichen.
  • Rund 1,3 Millionen Menschen könnten dann gleichzeitig an Covid-19 erkrankt sein. Danach würden die Fallzahlen sinken und im August gegen Null gehen.
  • Durch eine Verlängerung des Shutdown bis Mitte Juni würden sowohl der Höhepunkt der Pandemie als auch ihr Ende um etwa einen Monat verschoben.

ZDFheute: Nach Ihren Forschungsergebnissen - was erwartet uns?

Klaus Wälde: Alle haben Ostern im Blick, wenn über den Shutdown gesprochen wird. Aber dieser Zeitpunkt wird sich unter Umständen nicht halten lassen.

Denn wenn wir nach Ostern den Shutdown beenden sollten, hätten wir - sofern unsere Projektion so eintrifft, wie wir annehmen -  bereits im Mai mehr als eine Million gleichzeitig an Corona erkrankte Menschen in Deutschland.

ZDFheute: Ist es ein Unterschied, ob wir schon im Mai eine Million Erkrankte haben oder erst im Juni - der Shutdown hat ja auch schwere wirtschaftliche Folgen?

Wälde: Der Unterschied ist nach unserer Einschätzung sehr wohl wesentlich, weil die Hinauszögerung des Peaks um einen Monat eine bessere Vorbereitung bedeutet. Krankenhäuser haben einen Monat mehr Zeit, Intensivbetten auszubauen und Beatmungsgeräte zu beschaffen.

Pflegeheime haben einen Monat mehr Zeit, das Personal mit Schutzkleidung auszustatten. Es lassen sich etliche weitere Beispiele finden, warum dieser eine Monat über viele Menschenleben bestimmen wird. Zum Glück haben wir jedoch noch etwa zwei Wochen Zeit, bis eine Entscheidung getroffen wird.

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ZDFheute: Was hat der Shutdown für Deutschland bislang gebracht?

Wälde: Sehr viel. Wir konnten beispielsweise im Zeitraum zwischen dem 20. und 26. März einen Rückgang der Neuinfektionen in Deutschland von 27 auf 14 Prozent feststellen. Das heißt: Fast nur halb so viele Menschen haben sich pro Tag mit dem Coronavirus infiziert wie vorher.

Und unser Erhebungszeitraum war ja nur die erste Phase des Shutdown, die Schließung von Schulen und Sportveranstaltungen. Jetzt gibt es zusätzlich die Kontaktsperre, und wir erwarten, dass sie weiter den Rückgang der Neuinfektionen beschleunigen wird.

Professor Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrates, sieht in der Corona-Krise nicht, „dass die ganze Wirtschaft brach liegt“. Die weitere Entwicklung hänge davon ab, ob die Beschäftigten nach dem 20. April wieder zur Arbeit gehen können.

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ZDFheute: Viele kritisieren aber diesen Shutdown, weil er unsere Wirtschaft in die Knie zwingt. Wie stehen Sie als Ökonom zu dieser Frage?

Wälde: Wir stehen vor einem schwierigen Zielkonflikt zwischen Wachstum und Gesundheit. Mit Hilfe unserer Modellrechnung könnten wir zwar genau ausrechnen, wie viel Wachstum jeder einzelne Tag Shutdown kostet und das ins Verhältnis zu den Neuerkrankungen setzen.

Die "Wirtschaftsweisen" halten eine schwere Rezession in Deutschland durch die massiven Folgen der Coronavirus-Krise für unvermeidbar. Laut Sondergutachten werde die deutsche Wirtschaft deutlich schrumpfen.

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Für mich aber ist die Frage: Sollten wir das tun? Was Gesundheit wirtschaftlich wert ist, muss an anderer Stelle in unserer Gesellschaft beantwortet werden. Ich finde, Ökonomen sollten Kranke nicht gegen Arbeitslose ausspielen.

Das Interview führte Eva Schmidt, Redakteurin beim 3sat-Wirtschaftsmagazin makro.

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von Tobias Käufer
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