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"Schweinestau": Finstere Zeiten für Landwirte

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Corona und die Fleischindustrie - "Schweinestau": Finstere Zeiten für Landwirte

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Bei Tönnies ist die Produktion erneut durch Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern gebremst. Die Auswirkungen der Pandemie bekommen auch die Schweinebauern stark zu spüren.

Schweine stehen in einem Stall.
Schweinebauern stehen derzeit vor Problemen.
Quelle: dpa

Beim Schlachtbetrieb Tönnies ist es erneut zu Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern gekommen. Die Pandemie hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Betriebe selbst, sondern auch auf die Landwirte.

Die Schlachtbetriebe seien nicht mehr in der Lage, alle schlachtreifen Tiere abzunehmen, beklagt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Es bestehe ein regelrechter "Schweinestau". Die Landwirte wüssten nicht, wohin mit den Tieren.

Erneut Corona-Infektionen bei Tönnies - Auswirkungen auf Produktion

Vor allem aus Infektionsschutzgründen haben die Schlacht- und Zerlegebetriebe derzeit ihre Schlachtungen heruntergefahren, sagte dazu Heike Harstick, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft. Der Schutz der Mitarbeiter habe oberste Priorität.

Der Branchenführer Tönnies produziere in seinem größten Schlachthof im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück derzeit nur zu rund 75 Prozent der sonst vorgesehenen Kapazität, erklärte ein Unternehmenssprecher.

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Der Tönnies-Schlachthof im niedersächsischen Sögel produziere sogar nur zu 60 Prozent, was auch an dort aktuell aufgetretenen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern liege. Notwendig sei wieder eine langsame Steigerung der Schlachtmengen, natürlich unter Beachtung des Arbeitsschutzes. Tönnies-Konkurrent Westfleisch in Münster sieht das ähnlich.

Bauernverband: Haben "langen Bremsweg"

Die Landwirte wiederum können nicht so schnell umsteuern, sagte der Vizepräsident des Bauernverbands niedersächsisches Landvolk, Jörn Ehlers. Die Zyklen von der Besamung der Sau bis zur Mast im Stall seien lang - "wir haben einen langen Bremsweg". Inzwischen reiche der Rückstau bis zu den Ferkelerzeugern, die auch ihre Tiere nicht mehr an die Mäster loswerden.

Der Markt sieht für Schweineerzeuger derzeit ohnehin finster aus. Nachdem die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nachgewiesen worden ist, stehen viele Auslandsmärkte nicht mehr für den Export zur Verfügung - die Preise sinken.

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Bundesregierung kündigt Änderungen für die Fleischbranche an

Nicht nur wegen der geringeren Produktionskapazität hat die Corona-Pandemie große Auswirkungen auf die Fleischbranche in Deutschland. Nachdem sich viele auf Werkvertragsbasis beschäftigte Schlachthofmitarbeiter mit Corona infiziert hatten, etwa beim Branchenführer Tönnies, will die Bundesregierung die Kerntätigkeiten in der Fleischwirtschaft wie Schlachten, Zerlegen und Verarbeiten künftig nicht mehr von betriebsfremden Beschäftigten ausführen lassen.

Werkverträge und Leiharbeit sollen in der Branche von 2021 an verboten sein. Am Montag befasste sich der Bundestag in einer Öffentlichen Anhörung mit dem von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eingebrachten Arbeitsschutzkontrollgesetz.

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