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Alleingelassen in der Krise - "Selbstständige haben schlechtere Karten"

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Selbstständige sind durch die Corona-Krise stärker von Umsatzverlusten betroffen. Spätestens im Herbst müssen wohl viele ihr Geschäft aufgeben, glaubt Wirtschaftsexperte Kritikos.

Die Hilfspakete der Bundesregierung sorgen für Unsicherheit, denn die staatlichen Hilfsgelder dürfen lediglich für Betriebskosten ausgegeben werden, nicht für den Lebensunterhalt. Viele Solo-Selbstständige fühlen sich im Stich gelassen.

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ZDFheute: Wenn wir die Situation der Selbstständigen mit der der Angestellten vergleichen, lässt sich sagen, dass die Selbstständigen in der Corona-Krise schlechter dastehen?

Kritikos: Das kann man so sagen. Selbstständige haben im Vergleich zu abhängig-Beschäftigten erheblich schlechtere Karten. Bei den abhängig-Beschäftigten sind in der Spitze rund 15 Prozent in Kurzarbeit gegangen sind. Bei den Selbstständigen waren bis zu 60 Prozent von Umsatz- und Einkommensverlusten betroffen.

Es sind insbesondere Branchen betroffen, in denen Selbstständige viel häufiger am Markt sind als größere Unternehmen. In der Hinsicht muss man festhalten, dass diese Pandemie auch eine Krise der Selbstständigen ist.

ZDFheute: Nun gibt es ja Hilfen von Seiten der Bundesregierung. Ist das ein adäquates und sinnvolles Modell, um Selbstständigen zu helfen?

Kritikos: Das hängt von der Zielsetzung des Instruments ab. Die aktuellen Hilfen dienen in erster Linie eher etwas größeren Unternehmen, bei denen Fixkosten anfallen. Je kleiner aber die Unternehmenseinheit ist, desto schwieriger ist dieses Programm zu nutzen. Sehr kleinen Unternehmen - und insbesondere Solo-Selbstständigen, die kaum Fixkosten haben, hilft das Programm letzten Endes kaum. Sie können daraus keine Kosten des Alltags decken.

Die Corona-Krise hat viele Menschen finanziell an den Rand der Existenz gebracht. Egon Krageljs Pension in München steht leer, null Einnahmen seit Mitte März. Auch für Musiker, Eventmanager oder Gastronomen ist die Lage beängstigend.

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Sicherlich der wichtigste Knackpunkt an diesem Programm: Es erlaubt nicht, einen fiktiven Unternehmerlohn anzusetzen.

ZDFheute: Die Bundesregierung verweist auf die Grundsicherung. Vereinfacht gesagt, wenn gar nichts mehr geht, beantragt zur Not einfach Hartz IV?

Kritikos: Das Problem an diesem Ansatz ist, dass man Selbstständige damit in eine Form von staatlicher Unterstützung treibt, die nicht für diese Zielgruppe gedacht ist. Unter anderem ist die rasche Gewährung von finanzieller Unterstützung ein wesentlicher Grund, warum die Grundsicherung, also Hartz IV, nicht wirklich geeignet ist, Selbstständigen zu helfen.

Wenn jetzt tatsächlich zwei Millionen Selbstständige versuchen würden, schnell Grundsicherung zu beantragen, wären die zuständigen Ämter letztlich überfordert. Hinzu kommt der enorme bürokratische Aufwand von Seiten der Antragsteller, der für eine erfolgreiche Beantragung betrieben werden muss. Damit verbunden, vielleicht noch ein weiterer Punkt, ist das Problem rund um die Alterssicherung. Da wurde eine Grenze von 60.000 Euro gesetzt. Darüber hinaus gehende Rücklagen sollen von den Selbstständigen zunächst verfügbar gemacht werden, bevor sie eine Grundsicherung erhalten.

Auch letzteres sehe ich sehr kritisch. Denn man hält Selbstständigen bisher immer wieder vor, sie würden nicht genug für ihre Alterssicherung tun. Nun verlangt man von ihnen, dass sie diese sonst für zu knapp befundene Alterssicherung nämlich anknapsen, um über diese Phase hinwegzukommen. Das halte ich für widersprüchlich.

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ZDFheute: Rechnen Sie jetzt mit einer Pleitewelle, die anstehen könnte bei den Selbstständigen?

Kritikos: Ich rechne spätestens im Herbst mit einer größeren Welle von Geschäftsaufgaben, denn viele Selbstständige werden nicht in der Lage sein, Umsätze ähnlich dem Vor-Krisen-Niveau zu generieren. Für einige wird das bedeuten, dass sie nicht mehr aus der Verlustzone herauskommen werden.

Das Interview führte Norman Laryea.

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