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Corona trifft Vereinskassen - Sportvereinen bricht Geschäftsmodell weg

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Mehr als eine Milliarde Euro - so groß soll der finanzielle Schaden für die Sportvereine durch die Corona-Krise sein. Manche stehen vor dem Ruin. Muss ein Rettungsschirm her?

Kein Fussball, keine Zuschauer, Löwenzahn blüht überall. Leere Tribüne, Sportplatz, Spiel und Sportplätze geschlossen.
Kein Fussball, keine Zuschauer, Löwenzahn blüht überall. Leere Tribüne, Sportplatz, Spiel und Sportplätze geschlossen.
Quelle: imago

Die Corona-Pandemie wird für viele Vereine und Verbände zur finanziellen Hängepartie. Das hat eine Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ergeben. Danach soll jeder deutsche Sportverein im Durchschnitt 12.000 Euro durch die Corona-Krise verlieren. Bei 90.000 Sportvereinen ergibt das eine Summe von mehr als einer Milliarde Euro.

Weniger Geld, weniger Sponsoren

Eng wird es besonders für Vereine, die nicht auf finanzstarke Geldgeber zurückgreifen können. Anderen brechen nun Sponsoren weg, die aufgrund der Corona-Krise selbst in Geldnöten stecken. Der Sportwissenschaftler und ehemalige Präsident des Landessportbunds Rheinland-Pfalz, Lutz Thieme, hält vor allem semi-professionelle Vereine und Ligen für gefährdet: "Sponsorenverträge laufen oft nur über eine Saison. Da lebt ein Verein von der Hand in den Mund."

Mehrere Mannschaften mussten sich bereits coronabedingt vom Spielbetrieb zurückziehen.
Lutz Thieme, Sportwissenschaftler

Selbst in Breitensportarten wie Volleyball oder Handball kann das Virus schnell zum Problem für die Vereinskassen werden. Beispielsweise wenn Events mit zahlenden Zuschauern fest im Budget eingeplant sind oder eigene Sportstätten unterhalten werden müssen.

Jeder dritte Verein in Rheinland-Pfalz unter Druck

Im Landesverband Rheinland-Pfalz hatten sich von 6.000 Vereinen rund 750 an der Umfrage beteiligt. Ein Drittel davon klagte über teils erhebliche Finanznöte. Das Land hat ein Hilfsprogramm für akut von der Insolvenz bedrohte Vereine aufgelegt. Anfang der Woche hatten 42 Vereine diese Hilfsgelder beantragt, der Landssportbund rechnet mit einem Auszahlungsbetrag von insgesamt 20.000 Euro - nicht gerade viel mit Blick auf die Schätzung des DOSB.

Thieme hält die Milliardenschätzung des DOSB insgesamt für zu hoch gegriffen: "Es handelt sich um Online-Befragungen, auf die naturgemäß eher gebeutelte Sportvereine geantwortet haben. Das kann man nicht so stark verallgemeinern." Gerade sehr kleine Vereine lebten vom Engagement ihrer Mitglieder, so Thieme: "Die bekommen den Platz umsonst oder für kleines Geld von der Kommune gestellt, der Trainer engagiert sich meist ehrenamtlich. Solche Vereine kommen besser durch die Krise."

Corona beschleunigt Mitgliederschwund

Auch ohne Pandemie haben Vereine einen Mitgliederschwund von etwa zehn Prozent pro Jahr zu verzeichnen, den sie jedoch durch neue Mitglieder ausgleichen. Eine Entwicklung, die Corona laut Thieme jetzt noch verschärfe: "Mit geschlossenen Sportstätten ist es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. Deshalb müssen wir im Breitensport mit einem Mitgliederrückgang rechnen." Zukunftschancen haben Vereine, die ihre Mitglieder motivieren und binden können - und solche, die von ihren Kommunen unterstützt werden.  

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Sportwissenschaftler Thieme hält die Rettungspakete der Bundesregierung für Kommunen daher auch für den besten Weg, um Vereinen in Not zu helfen. Denn: "Starke Kommunen haben auch Geld für den Breitensport übrig." Außerdem könnten Vereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb auch Hilfen für kleine und mittelständische Unternehmen beantragen.

Nicht zuletzt kann die Corona-Krise für Sportvereine auch eine Chance sein: Durch das Wegfallen des Vereinslebens ist vielen Menschen bewusst geworden, wie wichtig ihnen der Sport unter Gleichgesinnten ist.

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