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Werkverträge in Fleischindustrie - Ausbeutung mitten in Deutschland

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Die Tönnies Holding ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb. Nach massenhaften Corona-Infektionen steht das System der Werkverträge in der Kritik.

Rund 25.000 Schweine werden täglich im Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück getötet und verarbeitet. Die überwiegende Zahl der Produktionsmitarbeiter kommt aus Osteuropa und ist mit Werkverträgen beschäftigt. Sie sind immer bei Subunternehmen angestellt, die ihre Mitarbeiter häufig in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse drängen.

Unternehmen wollen Lohnkosten drücken

Werkverträge sind nicht nur in der Fleischindustrie üblich, sondern auch im Bausektor, der Logistikbranche, bei Gebäudereinigern oder in der Automobilindustrie - also überall dort, wo Arbeitgeber ihre Beschäftigten nicht fest anstellen wollen, um beispielsweise hohe Lohnkosten zu vermeiden.

Das kritisiert Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: Es könne nicht Ziel der deutschen Wirtschaftspolitik sein, sich an einem "Unterbietungswettbewerb in Europa zu beteiligen, also die Löhne immer niedriger zu setzen, immer mehr atypische Beschäftigung zu fördern."

Leiharbeit gegen saisonale Schwankungen

Deutschland hat heute den größten Niedriglohnsektor in ganz West-Europa. Ziel war die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes unter Gerhard Schröder im Rahmen der Agenda 2010: Leiharbeit sollte Unternehmen vorübergehend helfen, saisonale Schwankungen abzufedern. Heute versucht die SPD unter Arbeitsminister Hubertus Heil gegenzusteuern, doch in den Augen vieler Experten greifen Heils Reformvorschläge nicht weit genug.

Mittlerweile gehören Werkverträge zum Basisgeschäft, kritisiert Stefan Sell, Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung der Hochschule Koblenz. Im Baubereich werde seit vielen Jahren mit Werkvertragsarbeitnehmern das Standardgeschäft gemacht, so Sell: "Da ist nichts mit Auftragsspitzen."

Dänemark beweist: Es geht auch anders

Dänemark ist ebenfalls einer der großen Schweinefleischproduzenten in Europa. Trotzdem gibt es in der dänischen Fleischindustrie keine vergleichbaren Corona-Ausbrüche wie beim deutschen Marktführer Tönnies.

Einen Grund dafür kennt Jim Jensen von der dänischen Lebensmittelgewerkschaft. Werkverträge mit Subunternehmern gebe es nicht, alle Mitarbeiter sind beim Unternehmen fest angestellt und in der Regel gewerkschaftlich organisiert: "In Dänemark muss kein Mitarbeiter befürchten, wegen Krankschreibung seinen Job zu verlieren." Das sei in Deutschland anders.

Die gesamte Doku von ZDFzoom können Sie ab 22.45 Uhr im Fernsehen und vorab in der Mediathek sehen:

ZDFzoom: Tönnies und die Werkverträge

Doku | ZDFzoom - Tönnies und die Werkverträge 

Nach massenhaften Corona-Infektionen bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies diskutiert ganz Deutschland über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Werkvertragmitarbeitern.

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