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Corona: Wie betroffen ist die Wirtschaft?

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Studie zu Deutschland - Corona: Wie betroffen ist die Wirtschaft?

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Eine Studie zeigt, wie Branchen und Regionen die Corona-Krise zu spüren bekommen. Wo die wirtschaftlichen Folgen am größten sind - und was das für eine Exit-Strategie bedeutet.

Leere Containerterminals am Hamburger Hafen
Leere Containerterminals am Hamburger Hafen: Die Corona-Pandemie droht die Wirtschaft in eine weltweite Rezession zu stürzen - wie betroffen ist Deutschland?
Quelle: Reuters

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft infiziert: Es gibt kaum einen Bereich, der nicht Probleme hat. "Eine Betroffenheit spüren wir alle – aber sie ist ganz unterschiedlich ausgeprägt", sagt Oliver Ehrentraut, Leiter der Studie "Auswirkungen des Lockdowns auf die regionale Wirtschaft" der Prognos AG. Sie zeigt, wie viele Beschäftigte in besonders stark betroffenen Branchen im jeweiligen Landkreis arbeiten.

"Viele Menschen können ihrer Arbeit im (vielleicht ungeliebten) Home Office nachgehen, andere fürchten hingegen um ihre Existenz", sagt Ehrentraut. Große Unterschiede gebe es nicht nur bei einzelnen Beschäftigten und Branchen - sondern dadurch auch in den Regionen, die mehr oder weniger stark industriell geprägt sind.

In der Studie wird die regionale Betroffenheit bis auf Landkreisebene betrachtet. "Es ist wichtig, das im Blick zu halten", sagt Ehrentraut.

Wenn zum Beispiel die Automobilindustrie wieder geöffnet werde, bedeute das nicht, dass ganz Deutschland wieder erwache. "Manche Regionen haben was davon, andere nicht".

Deshalb spiele die regionale Betroffenheit bei der Lockerung der Maßnahmen eine Rolle, sowie bei Entscheidungen über Hilfspakete oder Kurzarbeitergeld.

Welche Branchen schwer betroffen sind

Besonders hart trifft es - laut der Studie - neben Tourismus, Gastgewerbe, Kultur- und Kreativwirtschaft die "Herstellung von Vorleistungen" (Chemie, Kunststoffe) sowie die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie inklusive Maschinen- und Fahrzeugbau. Der Grund: Die starke Einbindung in internationale Wertschöpfungs- und Lieferketten, die von der Krise und den weltweiten Einschränkungen des Handels betroffen sind.

7,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte arbeiten in diesen stark betroffenen Bereichen - das sind 22 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland. Selbstständige und geringfügig Beschäftigte sind in der Studie ausgenommen.

Welche Branchen "krisenfest" ist

Hinzu kommen weitere 13 Millionen Beschäftigte (38 Prozent) in Branchen mit mittlerer Betroffenenheit: Dazu zählen Land- und Forstwirtschaft, sowie die Herstellung von Lebensmittel und Bekleidung, Logistik und Handel.

Relativ "krisenfest" sei dagegen der Dienstleistungssektor: Die "öffentliche Verwaltung" und "Erziehungs- und Unterrichtsdienstleistungen" sowie das "Gesundheits- und Sozialwesen" können als vergleichsweise stabil angesehen werden, Löhne und Gehälter werden normal bezahlt.

Diese Bundesländer sind besonders betroffen

Schon zwischen den Bundesländern gibt es erkennbare Unterschiede: In Bundesländern wie Baden- Württemberg (hier arbeiten 30 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in stark betroffenen Branchen), Bayern (27 Prozent), Saarland (25 Prozent), Thüringen (24 Prozent) und Rheinland-Pfalz (23 Prozent) spüren die Corona-Krise besonders, da dort Metall- und Elektroindustrie, Chemische Industrie, Maschinenbau und Fahrzeugbau eine große Rolle spielen.

In Ostdeutschland besitzen Thüringen (24 Prozent) und Sachsen (21 Prozent) einen überdurchschnittlich hohen Beschäftigtenanteil in diesen Branchen mit hoher Betroffenheit.

Diese Landkreise sind besonders betroffen

Bei den Landkreisen sind vor allem die Standorte der Groß- und Automobilindustrie stark betroffen: Dazu gehören insbesondere die Städte Wolfsburg, Salzgitter, Schweinfurt sowie Ingolstadt sowie Landkreise Tuttlingen, Dingolfing-Landau, Olpe sowie der Märkische Kreis.

Während in der VW-Stadt Wolfsburg über 60 Prozent der dort Beschäftigten betroffen sind, sind es in Cottbus oder Frankfurt an der Oder nur sechs Prozent.

Wenig zu tun damit haben dagegen Städte, in denen die Menschen eher in der Verwaltung, Gesundheitswesen oder Bildung beschäftigt sind - dazu zählen beispielsweise Heidelberg, Bonn und Münster sowie Herne und Wilhelmshaven und die Landkreise Bad Kissingen und Wolfenbüttel.

In diesen Städten und Regionen liegt der Wert von Beschäftigten mit mittlerer oder hoher Betroffenheit bei unter 50 Prozent der Gesamtbeschäftigten.

Warum das für die Lockerung der Maßnahmen wichtig ist

"Die Studie ist ein Beitrag, keine Strategie", sagt Studienleiter Ehrentraut. Die regionale Betroffenheit sei ein Baustein, mehr nicht - ansonsten stünden natürlich die gesundheitlichen Aspekte im Vordergrund. "Aber wenn wir die Maßnahmen wieder lockern wollen, müssen wir auch überlegen, wie sich das auswirkt." Wenn zum Beispiel Restaurants wieder besucht werden dürfen, Reisebeschränkungen aber weiter gelten, bringe das der Gastronomie in Gegenden mit viel Tourismus eher wenig.

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