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Mehr Pragmatismus als Panik

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Coronavirus und deutsche Firmen - Mehr Pragmatismus als Panik

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Gestrandete Kreuzfahrtschiffe, gestrichene Flüge, geschlossene Werkshallen: Das Coronavirus hat Folgen für die Wirtschaft. Wie bewerten deutsche Firmen die Lage?

Firma ZF-Powertrain in Peking, China
Der Autozulieferer ZF rechnet zwar mit Produktionsausfällen in China, bleibt aber gelassen.
Quelle: DPA

Das Coronavirus hat die Wirtschaft offenbar fest im Griff: Unternehmen sagen Dienstreisen nach China ab, Mitarbeiter bleiben zu Hause, Konzerne wie Airbus, Toyota oder Hyundai stoppen die Produktion in gefährdeten Regionen, Airlines streichen chinesische Ziele. Es ist eine Flut von Wirtschaftsmeldungen, die dieser Tage rund um das Coronavirus produziert wird. Und sie scheinen zu belegen, dass die ökonomischen Auswirkungen der neuen Lungenkrankheit stark sein werden.

Merck: Beobachten und bewerten Lage ständig

Wenn man sich allerdings bei den deutschen Firmen direkt umhört, bekommt man häufig Antworten wie diese des Pharma- und Chemiekonzerns Merck:

„Es ist verfrüht, zum jetzigen Zeitpunkt etwaige wirtschaftliche Auswirkungen auf unsere Geschäfte abzuschätzen.  
Merck-Sprecher

"Wir beobachten und bewerten die Situation kontinuierlich", heißt es bei Merck weiter. Sorge oder gar Angst hört sich anders an. Merck hat zwar nur wenige Mitarbeiter in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei, ist dennoch mit 4.000 Beschäftigten in China kein kleiner Player und mit all seinen  Sparten dort vertreten. Viele Mitarbeiter wurden gezielt informiert und arbeiten nun im Home-Office.  

Sicherlich hat ein so großes Unternehmen wie der Darmstädter Dax-Konzern andere Möglichkeiten, Krisen zu überstehen, als ein kleiner Mittelständler. Aber auch von diesen gibt es bislang wenig Klagen. Der IHK in Frankfurt beispielsweise ist bislang kein einziges Unternehmen untergekommen, das sich wegen des Coronavirus in Schwierigkeiten befindet. Dort sorgt man sich eher darum, dass Mundschutzhersteller kaum mehr mit der Produktion nachkommen und den Apotheken die Atemschutzmasken ausgehen.

Autozulieferer ZF geht pragmatisch mit Lage um

Etwas anders sieht man die Situation am Bodensee. Dort sitzt der Automobilzulieferer ZF. 14.000 Beschäftigte und 40 Standorte in China. Sechs Milliarden Euro Umsatz im Land der Mitte. Eine Branche mit sehr komplizierten Lieferketten. Dort rechnet man zwar mit Produktionsausfällen, ist aber dennoch relativ gelassen: ZF steht mit allen Geschäftspartnern in permanentem Austausch mit dem Ziel, die Lieferketten stabil und die Produktionsausfälle gering zu halten.

Teils seien Lieferungen aus anderen Werken möglich und könnten Engpässe kompensieren, heißt es. Zudem hofft man in Friedrichshafen, im Laufe des Jahres eventuell auftretende Produktionsausfälle durch Mehrarbeit wieder aufzuholen. Der Ansatz klingt weniger nach Drama als nach purem Pragmatismus.

Wie reagieren die Aktienmärkte auf das Coronavirus?

Sicher ist dieser Querschnitt nur eine Momentaufnahme, und die eine oder andere Delle wird das Coronavirus hinterlassen. Am wahrscheinlichsten noch im Tourismus oder bei den Konsumgüterherstellern. In erster Linie wird es davon abhängen, wie lange sich das Virus austobt und Fabriken und Geschäfte geschlossen bleiben müssen.

Panik ist jedenfalls kein guter Ratgeber. Das weiß man auch dort, wo die Zukunft gehandelt wird. Denn niemand beherzigt derzeit diese alte Börsenweisheit mehr als die Märkte selbst. Nach der ersten Verunsicherung hatte der Dax noch circa 600 Punkte verloren, inzwischen ist er wieder auf Rekordkurs. Ebenso die amerikanischen Börsen, die zwischenzeitlich sogar historische Höchststände markieren konnten.  

Keine Garantie, dass die Sorgen rund um das Coronavirus zumindest wirtschaftlich übertrieben sind, denn nicht immer sind die Aktienmärkte ein guter Indikator für überstandene Wirtschaftskrisen, aber sie könnten durchaus ein Indiz dafür sein.

Hier lesen Sie die aktuelle Entwicklungen rund um das Coronavirus:

Coronavirus-Illustration.

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