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Corona: Was tun gegen wirtschaftliche Folgen?

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Deutsche Ökonomie unter Druck - Corona: Was tun gegen wirtschaftliche Folgen?

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Die Corona-Epidemie hat gravierende Folgen für die deutsche Wirtschaft. Immer mehr Ökonomen fordern gezielte Staats-Hilfen. Was aber sind sinnvolle Maßnahmen? Hier eine Übersicht.

Ein Wertpapierhändler am 09.03.2020 in Frankfurt
Ein Wertpapierhändler in Frankfurt: Das Coronavirus hat gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Quelle: dpa

Leichterer Zugang zu Kurzarbeitergeld für Unternehmen, mehr Geld insbesondere für das Gesundheitssystem und die zuständigen Behörden oder ein EU-Fonds für Unternehmen, Arbeitsmärkte und den Gesundheitssektor in Europa: In Berlin und Brüssel versuchen die Verantwortlichen, die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Epidemie in den Griff zu bekommen.

Was aber sind sinnvolle und wirksame Maßnahmen? Dazu äußern sich mehr und mehr Ökonomen. Wir haben die wichtigsten ihrer Fragen und Antworten zusammengestellt

Wie stark kann die Corona-Krise die Wirtschaft treffen?

Genau kann das noch niemand vorhersagen. So rechnet die volkswirtschaftliche Abteilung des Industriestaatenverbundes OECD im günstigsten Fall mit einem Rückgang des weltwirtschaftlichen Wachstums von "nur" 0,5 Prozent. Das würde eine zeitlich kurze Phase der Epidemie voraussetzen.

Danach würden aufgeschobene Produktion und Nachfrage wieder anziehen und Ausfälle wieder ausgleichen. In einem negativen Szenario rechnet die OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone mit einem Rückgang des Weltwirtschaftswachstums um 1,5 Prozent. Im schlimmsten Fall könnte die aktuelle Krise aber auch die Weltwirtschaft in eine Rezession reißen.

Welche Sektoren und Branchen sind besonders betroffen?

Die Flug- und Reisebranche beklagt viele Einbußen. Zigtausende Flüge sind bereits ausgefallen, es gibt in betroffenen Ländern und Gebieten Reise- und Einreiseverbote. In Europa ist bislang Italien besonders schwer betroffen.  Die Lufthansa plant, ihre Kapazitäten um die Hälfte zu verringern.

Bei Reiseveranstaltern bleiben Neubuchungen für die wichtige Sommersaison aus. Doch auch Exporteure sind betroffen, wenn andere Länder den Verkehrs- und Warenfluss bremsen oder stoppen. In Deutschland ist unter anderem die Autobranche von Absatzeinbrüchen in China betroffen.

Was unterscheidet diese Epidemie-Krise von vorherigen wirtschaftlichen Krisenszenarien?

Die Corona-Epidemie ist komplex. Durch die Ausbreitung und Produktionsstopps zunächst in China, sind globale Lieferketten gerissen. "Wir haben es hier mit einer Art Blitzkrise zu tun, bei der sich die Konjunkturerwartungen schlagartig eingetrübt haben", sagt der Chefvolkswirt der Deka Bank, Ulrich Kater. "Und in dieser Krise greifen die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht - oder nur begrenzt". Denn durch wochenlange Produktionsstillegungen - vor allem in China - fehlen auch andernorts auf der Welt Teile für die Produktion.

"China ist die Werkstatt der Welt", schreiben die Ökonomen Richard Baldwin und Eiichi Tomiura in einem in dieser Woche erschienenen E-Book zur Covid-19-Epidemie und deren wirtschaftlichen Folgen. Schließlich treffen Quarantänemaßnahmen wie in Italien und die Absage öffentlicher Veranstaltungen auch den Dienstleistungssektor. "Das Virus dürfte ökonomisch so ansteckend sein wie es es medizinisch ist", schrieben die frühere "Wirtschaftsweise" Beatrice Weder di Mauro und ihr Kollege Richard Baldwin im Vorwort zu dem E-Buch. Die Epidemie könne wirtschaftlich anhaltende Schmerzen auslösen und konjunkturell tiefe Wunden schlagen.

Sind die bisher angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen ausreichend?

Viele Ökonomen begrüßen es, dass Regierungen schnell reagieren und Hilfen auch für die Wirtschaft angekündigt haben. In Deutschland ist das beispielsweise der erleichterte Zugang für Unternehmen zu Kurzarbeitergeld. Mehrere Ökonomen haben in einem Positionspapier am Mittwoch aber noch mehr Maßnahmen gefordert.

Aus ökonomischer Sicht sei die Situation eine "große Gefahr", sagte etwa der Mitautor und frühere "Wirtschaftsweise" Peter Bofinger. Er und seine Kolleginnen und Kollegen fordern von Berlin unter anderem eine Abkehr von der "schwarzen" Null. Darüber hinaus fordern sie beispielsweise die zinslose Stundung von Steuervoraus- oder Nachzahlungen bis zum Ende der Corona-Krise.

"Das wichtigste Ziel besteht in der Sicherung des Vertrauens, dass die Gesundheitskrise nicht zu einer systemischen Wirtschaftskrise wird, die den Arbeitsmarkt, Banken und Finanzmärkte erfasst und so die heimische Nachfrage zusätzlich schwächt", schreiben die Volkswirtschaftler in ihrer Studie. Als letztes Mittel schlagen sie auch vor, dass sich notfalls der Staat mit Eigenkapital an Unternehmen beteiligen und auf diese Weise stützen könnte.

Welche Rolle spielen Notenbanken?

Bisher haben bereits einige Notenbanken reagiert. Die amerikanische FED hat ihre Zinsen um ein halbes Prozent gesenkt, die australische Notenbank hat auch mit Zinssenkungen reagiert und am Mittwoch ist auch die britische Notenbank nachgezogen. Damit wollen die Zentralbanken erreichen, dass Banken und Unternehmen auch in der Krise weiter an Geld und Kredite kommen.

Allerdings halten viele Beobachter die Wirkung solcher Maßnahmen für eher begrenzt, weil das Firmen nicht hilft, die auf Grund der Epidemie schlicht nicht mehr produzieren können. Morgen wird auch die EZB sich zum Thema äußern. Beobachter erwarten auch von ihrer Chefin Christine Lagarde die Ankündigung von Maßnahmen.

Nach Einbrüchen am Aktienmarkt – wie sehen die Prognosen für Börsen- und Finanzmärkte aus?

Weil sich durch Corona die Geschäftsaussichten in vielen Bereichen der Wirtschaft deutlich eingetrübt haben, wird die Unsicherheit an Börsen und Finanzmärkten in nächster Zeit wohl bleiben.

Ökonomen haben bislang aber noch die Hoffnung, dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärtsgehen könnte, wenn die erste schwere Welle von Epidemie und Gegenmaßnahmen vorüber ist und die Wirtschaft dann allmählich wieder in "normale" Bahnen zurückfindet. In nächster Zeit dürfte die Unsicherheit an den Finanzmärkten groß bleiben.

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