Credit Suisse: Schweizer Großbank in Turbulenzen

    Schweizer Geldinstitut:Credit Suisse: Großbank in Turbulenzen

    von Stephanie Barrett
    |

    Seit Monaten steckt die Credit Suisse in der Krise, Anfang der Woche ist das Vertrauen der Anleger in das zweitgrößte Schweizer Geldinstitut weiter erodiert.

    Credit Suisse
    Schweizer Traditionsbank Credit Suisse muss Milliardenverluste verdauen.
    Quelle: picture alliance/KEYSTONE

    Am vergangenen Wochenende sorgte ein tausendfach geteilter Tweet für helle Aufregung an den Finanzmärkten: Eine große Investmentbank sei "von der Pleite bedroht", schrieb ein australischer Journalist auf Twitter. In den sozialen Medien rückte sofort die zweitgrößte Schweizer Bank in den Fokus: Credit Suisse.
    Denn tatsächlich hatte deren Vorstandschef Ulrich Körner kurz zuvor erklärt, das traditionsreiche Finanzinstitut befinde sich in einem kritischen Moment. Mitarbeiter und Kunden sollten sich allerdings keine Sorgen wegen des schwachen Aktienkurses machen, die Bank verfüge über ausreichend Kapital und Liquidität.
    Diese verbale Beruhigungspille bewirkte allerdings genau das Gegenteil: Gleich Montagmorgen stürzte der Aktienkurs der Bank weiter ab und kostete nur noch so viel wie ein Espresso in der Züricher Innenstadt.

    Credit Suisse muss hohe Verluste verkraften

    Tatsächlich muss die Credit Suisse immer noch zwei sehr hohe Verluste im Investmentbanking aus dem Jahr 2021 verdauen: Zehn Milliarden Euro verlor sie in einem Gemeinschaftsfonds mit der später insolvent gegangenen Greensill Bank und wenig später löste die Pleite eines New Yorker Hedgefonds einen Verlust von fünf Milliarden Euro bei der Credit Suisse aus.
    Diese Schocks mussten die Schweizer Banker zunächst einmal verarbeiten. Notwendige Umbaumaßnahmen blieben vorerst liegen, und die Bank ist nun gezwungen, in einem weitaus schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld etwa die Risiken aus ihrem Investmentgeschäft zurückzufahren und gleichzeitig die Bank wetterfest zu machen. So oder so gehen Analysten aber davon aus, dass die Bank 2022 mit einem Milliardenverlust abschließen wird.

    Credit Suisse muss umstruktieren

    Hans-Peter Burghof, Bankenexperte von der Universität Hohenheim, sagt dazu: "Wenn Zweifel aufkommen, dass das Kapital einer Bank nicht ausreicht, dann braucht sie Kapital, denn das Kapital der Banken ist ihr Vertrauen."

    Im Schweizer Inlandsgeschäft hat die Crédit Suisse zwar seriös und ertragreich gearbeitet, im internationalen Geschäft ist aber Vertrauen u.a. auch wegen Geldwäscheproblemen verloren gegangen.

    Hans-Peter Burghof, Bankenexperte

    Und auch beim Investmentbanking müsse man lernen, sich an Regeln und Limits zu halten. "Bei der Deutschen Bank ist dieser Kulturwandel gelungen, seitdem ist sie auch raus aus den Schlagzeilen."
    Die Credit Suisse muss - wie viele Großbanken - umstrukturieren und verschlanken. Doch auch der Umbau kostet Geld, das sie am Kapitalmarkt aufnehmen muss. Zuvor muss sie Investoren jedoch eine überzeugende Strategie präsentieren, wie sie in Zukunft erfolgreich Geld verdienen will. Das soll allerdings erst Ende Oktober geschehen. Dann will der Vorstand seine neue Konzernstrategie präsentieren - bis dahin dürfte die Nervosität bei Investoren und Management wohl noch hoch bleiben.